Wochenschau: Die Hut-Frage


Als ich mich Ende letzter Woche innerlich dafür aussprach, mich der Thematik der Hut-Frage anzunehmen, hegte ich insgeheim die Hoffnung, dass ich (und wir alle) zum Zeitpunkt der Erscheinung dieser leichtherzigen Abhandlung namens Wochenschau längst wieder in der Sonne grillieren (pardon, grillen) würden. Denn normalerweise ist das ja immer so: Was lange voraus geplant wird, dem spielt das Wetter einen Streich, besonders was modetechnische Angelegenheit angeht.
Erst letzten Winter hatten meinen Kolleginnen und ich unsere geteilte Wahrnehmung ausgesprochen, dass es uns so vorkomme, als habe es in unserer Kindheit viel öfters und jeweils viel länger geregnet, als heutzutage. Leider kann ich dank diesem miesepetrigen Sommerwetter diese Erinnerung über Bord werfen, denn ich weiss jetzt wieder, wie es sich anfühlt, wenn es non-stop wie aus Eimern bechert. Und überhaupt haben wir uns vermutlich nur was eingebildet, schliesslich war Regen in unseren Kindertagen von grosser, einschneidender Relevanz, da er uns des Spielens im Freien beraubte, während wir heute auch bei Regenschauer, Blitz und Gewitter zur Arbeit gehen “können”.
Nun gut, um zum Punkt zu kommen, letzten Donnerstag (und Freitag und…) war so ein Tag, an dem man sich am liebsten mit Hank Moody (oder mit William S. Blake) im Bett verkrochen hätte, stattdessen zwang mich mein Pflichtbewusstsein ganz unnötigerweise gegen eine Wasserwand, die sich auch genau so anfühlte, anzukämpfen. Und wen wundert es, dass ich gerade an diesem Tag in meinen chaotischen vier Wänden partout keinen Schirm auffinden konnte? Und während ich noch hoffnungsvoll bis verzweifelt suchte, hauchte mir bereits Fettes Brot aus meinen Jugendtagen textliche Reminiszenzen aus dem Lied Silberfische zu: “Ich bin dein Tag und heute bin ich Schwein”, traf es wohl am besten. Zu guter Letzt und durch die tröstende Ansicht motiviert, dass auch Fettes Brot mal keinen Schirm zur Hand haben, wollte ich die Türe stürmen und mich den apokalyptischen meteorologischen Zuständen stellen, da zwinkerte mir mein längst verstaubter Retter vom Kleiderständer zu: mein Hut!
Jegliche stilistische Überprüfung meines Outfits oder die grundlegende, drängende Frage, welche diesem Hut bis anhin ein einsames Leben beschert hatte, nämlich, ob ich überhaupt Hut tragen kann, landete im Gulli und ich machte mich mitsamt Haarprotektion und Indiana Jones-Allüre vom Acker, sprich von der trockenen Wohnung auf in die giessende Flut, um meine Mission, die Arbeit beim kinki magazine, wagemutig zu erfüllen.
Und wie hat sich der Tag mit Hut angefühlt? Toll, ich fühlte mich, zum dritten Mal an diesem Tag, in meine Erinnerungen entführt, weil das Aufschlagen des Regens auf dem Hutrand sich in etwa so anhörte, wie der Regen auf dem Zeltdach im Pfingstlager der Pfadi. Es “klöpfte” also heimelig neben meinen Schläfen, während ich mich mit Siegeslächeln darüber freute, nicht einen einzigen Tropfen, von denen es da draussen so viele gab, im Gesicht abzubekommen. Mein Umfeld wollte ich an diesem Tag ehrlich gesagt nicht zu einem urteilenden Statement drangsalieren, eigentlich wollte ich ja auch nichts hören – auch auf die paar Indiana Jones-Sprüche hätte ich freilich gerne verzichtet. Denn der Hut, mein Retter in der Not und Beschützer meiner Haarpracht, war ja für den ganzen Tag (es regnet neuerdings wieder ganztätig – wie früher, nur im Sommer!) eingeplant – ganz ohne Alternative. Nach dieser Erfahrung meine ich, dass hundsgemeine Regenschirme wirklich primitiv und total out sind: Huttracht muss man an regnerischen Tagen tragen! Und noch ein kleiner Tipp, wer sich ebenfalls für einen Kopfschützer entscheidet, der sollte es mir nicht gleich tun, und dabei auch seine Schuhwahl bedenken und den gegebenen Umständen anpassen. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass ein Hut mit einer Krempe, die sogar die Füsse vor dem fallenden Regen schützt auch nur annähernd gut aussieht, also bitte etwas Wasserfestes für die Treterchen.
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Kommentare (1)
HÜTE FOR PRESIDENT DIGGER
Kommentar von Anonymous — 29.08.2010 @ 17:40