Spendengala mit Bahnhofsromantik
Und es weihnachtet wieder in der Leuchtenstadt. Und die Menschheit darf nun, von der Krise gebeutelt und genesen, wieder ihren hart verdienten Batzen für unglaublich sinnlose Erzeugnisse sprichwörtlich zum Fenster rausschmeißen. Legitim und mit sozialem Engagement versteht sich, scheint doch auf jedem dieser Erzeugnisse das Label mit der Aufschrift “Der Erlös geht direkt an die Alpaka-Bauernfamilie im tiefsten Slum der Anden” oder “Mit diesem Kauf unterstützen sie den kleinen Adetokumbo in Burundi” zu stehen, und zwar so hell wie das lodernde Feuer brennender Banknoten. Man ist dem Spendenwahnsinn verfallen und ich befinde am Weihnachtsmarkt im Bahnhof Luzern…

Wer kennt das nicht? Am Ende eines jeden Jahres lässt man die vergangenen Monate Revue passieren und stellt mit Schrecken fest, dass man direkt Satans Schoss entsprungen zu sein scheint. Angefangen mit dem Vorsatz, sich endlich das Rauchen abzugewöhnen. Fest entschlossen und per letzte Kippe am Silvesterabend beschlossen – abgebrochen und darauf gesch… am Morgen des Neujahrstags. Wahrscheinlich nur um zu sehen, ob man nach diesem Jahrhundert-Suff überhaupt noch lebt.
Dann folgt die schmerzliche Erinnerung daran, dass man – wohlgemerkt in einer sagen wir mal dreijährigen Beziehung – ja nur mit seiner “Kollegin” was trinken wollte, “Teile” von sich dann aber auf dubiose Art und Weise “in” ihr wiederfand, was ergo die dreijährige Beziehung danach ziemlich rasch beendet hat.
Nebst Fremdgehen und einem Vorsatz für gefühlte fünf Stunden stehen aber vielleicht auch noch Diebstahl, Erberschleichung und Rufmord auf dem Jahresrepertoire. Höchste Zeit also, mit dem CEO der katholischen Kirche Frieden zu schliessen und Busse zu tun. Langweiler und Nichtschecker werden vielleicht zur Beichte gehen, nicht so aber moderne und finanzstarke Weltbürger. Die gehen clevererweise an einen Weihnachtsmarkt und lassen sich von gelangweilten Hausfrauen irgendeinen handgefertigten Scheissdreck andrehen (z.B. schlafende Hundewelpen aus Styropor und Rosshaar oder selbst geschnitzte Aschenbecher aus dem Heizholz des Nachbars – Form ist frei wählbar).
Selbstverständlich sind sämtliche dieser Errungenschaften mit dem Label zur totalen Absolution versehen und verleihen dem Käufer den schieren Heiligenschein. Und das System funktioniert! Der untreue Ehemann kauft sich beim Marktschreier seiner Wahl schon mal die zwei nächsten Seitensprünge fürs neue Jahr ein, der notorische Kettenraucher besorgt sich vorsorglich schon mal den zuvor erwähnten Aschenbecher im Falle von erneutem Versagen. Für beide ist das drohende Fegefeuer in beruhigende Ferne gerückt und für den kleinen Adetokumbo gibt’s beim Herumzeigen der ersteigerten Trophäen einen gedanklichen Schulterklopfer.
Ich indes habe mir eine Bratwurst gegönnt und schleiche mich beschämt aus der Szenerie, habe ich doch fälschlicherweise mit meinem Kauf für minimalen Umsatz gesorgt, anstatt strukturell diskriminierte Minderheiten mit dem Erwerb eines Traumfängers Made in Osnabrück finanziell zu unterstützen.
Bitte entschuldigt, aber die Wurst war saulecker…
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Kommentare (1)
ich lach mich schlapp…
Kommentar von Anonymous — 12.12.2009 @ 14:45