Shamblebaby fällt die Decke auf den Kopf
Wie schön wäre doch ein eigenes Zimmer. Warum wäre? Weil ich mir seit ungefähr vier Jahren ein Zimmer mit meiner Schwester teilen muss. Nicht, dass ich etwas gegen meine Schwester hätte. Sie ist super, ist ja schliesslich meine Schwester. Aber ein eigenes Zimmer wäre trotzdem schön. So richtig mit Tür zumachen und so. Denn wie gesagt, die letzten vier Jahre gabs das nicht. Nie. Vor allem nachts, wenn beide gleichzeitig im Zimmer sind, nicht.
Ich habe also den meiner Meinung nach spannendsten und gleichzeitig grausamsten Teil meiner Pubertät – die Jahre von 16 bis 20 – ohne eigenes Zimmer gelebt. Und ich hatte sogar während dem grössten Teil dieser Zeit einen Freund! Der hat auch oft bei mir geschlafen, in diesem Zimmer. Das ging nur dank der improvisierten Holzwand in der Mitte eben dieses Zimmers gut, und das auch nur bedingt. “Jetzt sei mal leise, beweg dich nicht so viel, die Kleine wacht sonst noch auf!” – “Ja ich weiss ja mein Gott, aber was soll ich denn machen, blablabla…” und so weiter.
Nicht zu vergessen: die unterschiedlichen Schlafrhythmen zweier Schwestern mit fast fünf Jahren Altersunterschied (was mit 15 und 20 doch enorm viel sein kann). Wie oft habe ich wenn ich von nächtlichen Streifzügen nach Hause gekommen bin agressives Schnauben und wütendes Wälzen von der anderen Seite der Wand vernommen. Aber ich kann mich nun mal nicht im Dunkeln umziehen, besonders dann nicht, wenn mein Blut durch Wein ersetzt wurde und der gesamte Inhalt meines Kleiderschrankes überall verteilt herumliegt (Achtung Stolpergefahr, achtung Hinfallgefahr, achtung Schnaubgefahr).
Ausserdem kann ich nie meine Musik hören, so richtig, ohne Kopfhörer. Mal davon abgesehen, dass ich keinen CD-Player besitze. Hätte nämlich eh keinen Platz – der reicht gerade aus für mein Bett, einen Schrank (der gehört aber zur Trennwand und zählt deshalb eigentlich nicht), eine Kleiderstange und ein hässliches Ding aus den Siebzigern (ich weiss ehrlich nicht, was das ist, jedenfalls steht eine ebenso hässliche Lampe drauf, deren Schirm kaputt ist, weshalb ich nur kaltes Glühbirnenlicht habe). Mehr geht nicht. Meine Sieben(milliarden)sachen liegen also verstreut auf dem Boden herum, einzig die Schulsachen bewahre ich in einer Schublade auf. In einer Kommode im Wohnzimmer.
Wie schön wäre also ein eigenes Zimmer (beinahe hätte ich jetzt hier “eigene Wohnung” geschrieben), jaja, und deshalb wird jetzt gezügelt. Hallelujah! Endlich meine CDs hören (Notiz an mich: CD-Player kaufen!), im Zimmer rauchen (oder auf dem – achtung! – französischen Balkon) und vor allem: Endlich die Tür hinter mir schliessen und ganz allein sein können.
Was ich aber, das muss ich ehrlicherweise zugeben, etwas vermissen werde, sind die nächtlichen Konversationen mit der Kleinen auf der anderen Seite der Wand, deren letzter Satz fast immer lautet: “Wie lang hesch du s’Liecht no ah?” So zum Beispiel auch jetzt. Darum ist hier Schluss. Danke und bis zum nächsten Mal.
Shamblebaby lebt in der Nähe von Basel und schreibt für kinki über Sinniges und Unsinniges aus der Musik- und Modewelt.
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