Shamble Baby findet…
Ich bin jetzt wieder eine ‚natürliche Schönheit’, im Fall. Na ja, jedenfalls fast. Durch den radikalen Kurzhaarschnitt letzte Woche (ein Rasierer war auch mit von der Partie) kommt jetzt nach Jahren wieder meine Naturhaarfarbe zum Vorschein. Leider bin ich mit einem langweiligen Dunkelblond gestraft, das eher an verwaschene Jeans als an Haarfarbe erinnert. Da müssen wohl wieder Strähnchen her. Womit wir auch schon beim Thema wären: Warum sind so viele Menschen unzufrieden mit ihrem natürlichen Äusseren?
In den vergangenen zwei Jahren habe ich mir gefühlte 100 mal die Haare gefärbt, gebleicht, zerschnitten und so kaputt gemacht. Mein Pixie ist also eine Art Notlösung die zum Glück nicht gerade schlecht aussieht. Aber Haare färben ist ja gar nichts im Vergleich zu Schönheits-OPs wie Fettabsaugen oder Bauchstraffung.
Woher kommt dieser plötzliche Drang zum perfekt sein um jeden Preis (und das kann man ruhig wörtlich nehmen, so eine Behandlung kostet ja schnell mal so viel wie ein Kleinwagen)? Das grenzt eigentlich fast schon an Narzissmus. Auf der anderen Seite versuchen wir doch alle, so perfekt wie möglich auszusehen. Viele von uns trainieren, ernähren sich gesund und investieren viel Zeit und Geld in Körperpflege und Styling. Irgendwie ja auch verständlich beim heutigen Mode-Diktat. In Hollywood zwängen sich diverse Stars in Hosengrösse Null und die Desinger schneidern ihre Couture so knapp, dass in Mailand und Paris die Models tot vom Laufsteg kippen.
Die Hemmschwelle zur Operation erscheint mir zur Zeit so niedrig wie nie. Noch vor gar nicht so vielen Jahren galten z.B. Brustvergrösserungen als verpönt und heute gibt es anstelle von Tupper-Parties Botox-Feten. Von den Nach- und möglichen Nebenwirkungen einer Narkose will ich gar nicht reden (ich erinnere mich ungern an mein Gesicht nach der Zahnarztbehandlung am letzten Montag. Alles geschwollen Freunde, ich sah aus wie ein Hase auf Koks-Entzug oder so was. Aber immer noch besser als die gute Jocelyn Wildenstein). Eigentlich traurig, sowas. Man sollte doch in Würde altern können finde ich, seine Falten als ein Stück Lebensgeschichte sehen und nicht als hässliche Spuren, die weggespritzt werden müssen. Aber ich habe ja auch noch gut reden mit meinen knapp 20 Jahren.
Trotzdem: Die Menschheit sollte sich im Spiegel vielleicht auch mal was anderes ansehen als ihre vermeintlich schöne Oberfläche. Oft genug zieren schliesslich Papparazzi-Fotos von Stars, deren Problemzonen fett aufgezeigt werden, diverse Boulevardzeitschriften (jaja, auch eine Paris Hilton hat Cellulite). Und schon auf der nächsten Seite finden wir perfekt retuschierte Werbeanzeigen (Photoshop ist dein Freund), die uns unseren eigenen Körper kritisch begutachten lassen. Da überlegt man sich doch gleich zweimal, ob man sich den nächsten Shoppingtrip sparen und statt dessen ein ‚Beinstraffung-die-Erste’-Konto einrichten sollte…
Shamble Baby kommt aus Basel und schreibt für kinki über Sinniges und Unsinniges aus der Musik- und Modewelt.
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Kommentare (12)
Krass. Ist das auf dem Bild Jocelyn Wildenstein?
Kommentar von regu82 — 15.07.2008 @ 21:20und wieder einmal wird einem klar, wie sehr picasso seiner zeit wirklich voraus war…
Kommentar von laniDEE — 15.07.2008 @ 21:44sie sieht aber süss aus
Kommentar von jacki — 16.07.2008 @ 17:10“narzissmus”. du hast ja schon ein bisschen recht, mit dem was du hier schreibst. aber die bedeutung von narzissmus kennst du wahrscheinlich nicht.
Kommentar von lena — 31.07.2008 @ 11:00lena: wiki sagt dazu “Der Narzissmus ist in der gehobenen Umgangssprache eine starke Selbstverliebtheit oder auch Eitelkeit und hat als psychologischer Fachbegriff mehrere Bedeutungen (…) Letzterer bezeichnet eine Charaktereigenschaft, die sich durch ein geringes Selbstwertgefühl bei gleichzeitig übertriebener Einschätzung der eigenen Wichtigkeit und dem großen Wunsch nach Bewunderung auszeichnet”, ich denke man kann bei übertriebenen schönheits-ops durchaus von einer art narzissmus sprechen. die person möchte ja ‘gut’ (ob das resultat dann wirklich gut ist sei dahin gestellt) aussehen um von ihrer umwelt eine positive resonanz und vor allem aufmerksamkeit zu bekommen. meinst du nicht auch?
Kommentar von Shamblebaby — 02.08.2008 @ 10:35meiner meinung nach will ein narzisstischer Mensch sich möglichst nicht verändern. keine chemie zu sich nehmen, nicht rauchen, drogen etc. alles was die natürliche bzw. momentane schönheit verändern könnte. ( und bei den meisten leuten ist die momentane schönheit wohl auch die natürliche. ausser ihr kids schlaft ohne euch abzuschminken?… solls ja geben..)
dass was du im artikel meinst heisst:
minderwertigkeiskomplex und psychische instabilität, hervorgerufen durch die medien und modebranche.
Kommentar von Peaksee — 05.08.2008 @ 20:43shamblebaby: natürlich, das ist die definition von narzissmus. jedoch ist diese selbstverliebtheit auf das momentane ich bezogen, und in dem sinne das gegenteil eines strebens nach verschönerung (denn man ist ja schon perfekt.)
Kommentar von lena — 05.08.2008 @ 21:04da habt ihr beiden allerdings auch recht. dann ist der vergleich,den ich eigentlich erzielen wollte,nicht richtig rübergekommen. danke für die aufklärung, man lernt ja schliesslich nie aus
Kommentar von Shamblebaby — 06.08.2008 @ 07:16liebe literaturkritiker und -freunde, herr duden meint dazu ganz simpel: “Nar|ziss|mus, der; -: übersteigerte Selbstliebe, Ichbezogenheit.” also so falsch war shamble babys wortwahl wohl nicht. woher ihr eure detaillierten interpretationen herhabt würde mich aber schon interessieren.
Kommentar von tom — 06.08.2008 @ 07:31also ich hab meine ausm kopf. du deine, peaksee?
Kommentar von lena — 06.08.2008 @ 12:00dann ist ja alles gekärt:)
und übrigens, tom: der duden sagt “selbstLIEBE”. was überhaupt nicht das selbe ist, wie selbstverliebtheit. das ist eigentlich der punkt, von dem ich rede.
liebste grüsse
@lena: ok, muss dir teils recht geben. hab mich noch ein bisschen schlau gemacht und die rede ist hier wohl vom “negativen” narzissmus. allerdings steht dort auch “Sie haben (fast) kein Selbstwertgefühl und sind auf ständige Bestätigung von außen angewiesen.” was deinen punkt von selbstliebe vs. selbstverliebtheit unterstützt. allerdings heisst das für mich im umkehrschluss auch, dass sich narzissten nicht unbedingt so lieben wie sie sind, sondern eben bestätigung suchen (und somit durchaus das potenzial zu dummheiten wie übertriebenen schönheitsoperationen usw. haben). interessant ists auf jeden fall und gelernt hab ich auch was
die infos hab ich von narzissmus.net
Kommentar von tom — 06.08.2008 @ 12:52hmm naja von schönheits ops kann man das nicht nennen! ..
Kommentar von Anonymous — 06.01.2009 @ 15:24