Shamble Baby findet…
shamblebaby am 6.7.08 7 Kommentare
Cool kids can’t die. Find ich an sich ja ganz nett, haben Kissogram gut gemacht. Aber dreht sich heute wirklich alles nur noch um Coolness? Nehmen wir doch nur mal das Thema Weggehen. Wie oft habe ich in diversen ‚Indie‘ Clubs schon den Eindruck eines Wachsfigurenkabinetts vermittelt bekommen. Die gefühlte Temperatur der Gäste dürfte jedenfalls mit einem ebensolchen übereinstimmen. So sehr ich diese so genannte Szene liebe und mich fast schon zu Hause fühle, so sehr erschreckt mich doch immer wieder die Arroganz, die leider viel zu viele Mitglieder an den Tag legen. Von gekünstelten Anglizismen über Markenvernarrtheit bis hin zu ‚Ach, ich höre mir ja (hier beliebige Band einsetzen) nicht mehr an, die werden ja sogar von MTV gespielt. Tz!‘. Find ich persönlich sehr schade.
Da wären wir auch schon beim nächsten Thema. Die Mode. ‚Also H&M geht ja gar nicht, das tragen ja echt alle heutzutage‘. Es muss schon mindesten American Apparel und Cheap Monday sein. Grossartige Stücke, keine Frage, aber es gibt auch noch arme Mädchen (und bestimmt auch Jungs) wie mich, deren Kleiderschrank nun einmal gezwungenermassen zu 80% aus Kleidern des schwedischen Modeparadieses und Konsorten besteht. Ab und zu mischt sich sogar ein Teil vom Flohmarkt drunter. Aber hey, das ist ja dann bereits wieder cool weil Vintage und so. Wo wir wieder bei den Anglizismen gelandet wären.
Ausserdem gibt es da noch ein weiteres Thema, das Tanzen. Vollblut-Indies tanzen ja anscheinend nicht, nein, cooles Wippen und eventuell ein angedeutetes Kopfnicken sind angesagt. Für Hibbelmenschen wie mich gibt es aber jetzt scheinbar eine neue Bewegung. Ich sage nur: It‘s a rave, Dave! Wobei neu schon sehr übertrieben ist. Während New Rave in England bereits wieder ein alter Hut ist, reitet unser Land erst jetzt auf der Rave-Welle. Man montiert also seine Wayfarer (geht auch gefaked) in allen möglichen Knallfarben, T-Shirts mit Aufdrucken wie ‚It’s not over, not over, not over yeah‘ (H&M hätte nicht auffälliger von den lieben Klaxons klauen können), eine knallenge Röhrenhose (gerne in der direkten Komplementärfarbe zur Sonnenbrille) und los geht’s! Hauptsache cool.
Das war früher ja nicht so, gäll. Früher, als noch alles besser war, als der Mann der Dame seines Herzens noch die Tür aufgehalten und in einer Kutsche nach Hause gefahren hat und das alles mit Hut, Anzug und guten Manieren. Da war es noch egal, ob dein Kleid von Mango, Zara oder Kookai war. Heute beschränkt sich das Ganze wenn es hoch kommt auf einen Besuch bei Starbucks (ohne Türe aufhalten) mit Baseballcap und Baggypants. Ach und nicht zu vergessen: Mit den berühmt berüchtigten 3/4 -Leggins unter dem Jeans-Mini…
Shamble Baby kommt aus Basel und schreibt für kinki über Sinniges und Unsinniges aus der Musik- und Modewelt.
Tags: fashion, indie, mode, shamblebaby « Mark Ronson meets Duran Duran Open Air St. Gallen war… »
‚Ach, ich höre mir ja (hier beliebige Band einsetzen) nicht mehr an, die werden ja sogar von MTV gespielt. Tz!‘ - auf den punkt gebracht. uiuiui.
Kommentar von juli — 07.07.2008 @ 09:32toll, was du hier immer so zusammenbastelst!
ich finde es nicht wichtig, woher man die klamotten hat, sondern, dass sie aus ökologischen und arbeitsrechtlichen gründen vertretbar sind. da fällt h&m und zara leider raus. oder haben die auch schon ihre öko-linien?
Kommentar von regu82 — 07.07.2008 @ 09:55regu82: H&M hat so viel ich weiss bereits einige teile aus organic cotton im angebot. und schön sind sie noch dazu
nur weiss ich leider nicht,wie es H&M da mit den Arbeitsbedinungen hält. . . aber darum gehts ja hier auch nicht
Kommentar von Shamblebaby — 07.07.2008 @ 10:17du sprichst mir aus dem herz, liebes
Kommentar von Bignaa — 07.07.2008 @ 12:41deine kolumnen sind top!
Kommentar von ich — 08.07.2008 @ 11:34herzlichen glückwunsch, deine kolumnen haben mein herz erobert. obwohl sie die frustrierende wahrheit erzählen.
Kommentar von noel — 12.07.2008 @ 17:41tolle kolumne :))
Kommentar von lina — 15.07.2008 @ 14:30