Shamble Baby findet…

shamblebaby am 22.9.08 noch kein Kommentar

<br />

Wir alle beschäftigen uns mit Mode – ob wir wollen oder nicht. Vom Kleinkind (gut, hier ist es wohl noch das Mami, welches die Kontrolle über den Kleiderschrank hat. Aber ich erinnere mich, wie ich schon im Kindergartenalter rebelliert habe: „Dieser Jupe passt imfall ÜBERHAUPT NICHT zu diesem T-Shirt!!“) bis hin zum Grossvater (meiner zum Beispiel weigert sich bis heute bei kühlem Wetter eine Jacke anzuziehen, selbst im Winter reichts höchstens zum Retro-Adidas-Jäckchen).

Irgendwie müssen wir uns schliesslich einkleiden und irgendwo müssen wir das Zeug auch kaufen. Dazu kommt, dass in unserer Zeit dem Aussehen mehr und mehr Wert beigemessen wird. So bekommt der geschniegelte Anzugtyp den Managerjob bestimmt eher als ein nachlässig gestylter Student, der nach Müsliwerbung aussieht.

Wir bilden uns unsere Meinung über Mitmenschen leider meistens nach dem ersten Eindruck. Ich selber erwische mich auch oft dabei, wie ich potentielle Schönlinge mustere und denke: „Mist, falsche Schuhe, Hose zu weit, Haare zu gestylt..nee!“ Irgendwie können wir ja auch gar nichts dafür. Schon in der Schule wird heutzutage der Markenwettkampf auf dem Pausenplatz zelebriert. Wo früher Pokemon-Bildchen ausgetauscht wurden herrscht heute das Buhlen um die teuerste Jeans, den edelsten Pulli (auch wenn das berühmt berüchtigte D&G-Zeichen nur aufgebügelt ist – scheissegal!). Da wird das Auge eher für den vermeintlich richtigen Dresscode als für Rechtschreibung geschult.

Was man aber nicht lernen kann ist wahrer Stil. Es reicht nicht, die Kleidung perfekt aufeinander abzustimmen, harmonische Farben und passende Materialien auszuwählen. Die exakt gleiche Zusammenstellung kann von Träger zu Träger unterschiedlich aussehen (nur Michael Jackson darf ungestraft einen Glitzeranzug tragen). Es ist wie bei Musik: ist die Band nicht mit dem Herzen dabei fehlt das Glänzen in den Augen, das gewisse Etwas (siehe Pete beim Gig in Montreux dieses Jahr). Wahrer Stil zeigt sich nicht im Armani-Anzug, nicht im Kleid von Chanel. Wahrer Stil drückt sich durch Outfits aus, die einen nicht nur einkleiden, sondern der Seele einen Raum geben.

Mode ist schliesslich mehr als Anziehen. Sie ist eine wunderbare Möglichkeit sich selbst auszudrücken, sein Inneres nach aussen zu tragen. Und wenn das Innere gerne goldene Plastikgürtel zu unmenschlich engen Jeans trägt und nach süsslichem Billigparfum (bevorzugt von irgendeinem gefallenen Popsternchen kreiert) riecht, dann solls mir Recht sein. Obwohl das in meinen Augen (und meiner Nase) Fehltritte par excelence sind.

Denn auch das ist Stil: andere Eskapaden zu akzeptieren und Mode als das zu sehen, was sie ist – ein grosses Spiel mit dem einzigen Ziel, sich selbst immer wieder neu zu erfinden und dabei so viel Spass wie möglich zu haben.

Shamble Baby kommt aus Basel und schreibt für kinki über Sinniges und Unsinniges aus der Musik- und Modewelt.

Tags: , , , , « Fashion & Funk Liebe & Tradition »

Kommentare (0)

Sei der erste und kommentiere diesen Post.

Kommentar RSS
TrackBack URL

Kommentar schreiben