Shamble Baby findet…
‚Back to the roots’ hiess es in meiner letzten Kolumne. Vor allem ging es mir dabei um den Revolutionsgeist, der mir persönlich heutzutage viel zu sehr abhanden gekommen ist.
Aber auch die Mode unserer Zeit verursacht bei mir grösstenteils nur noch Augenkrebs anstatt Herzklopfen. Jedenfalls das, was uns als ‚neu’ angepriesen wird: seltsame asymmetrische Schnitte, zu grelle Farbzusammenstellungen und Stoffe, die sich eher als Verpackungsmaterial für Pausenbrote eignen würden.
Das meiste in der Modewelt ist aber sowieso abgekupfert von früher: in enge Röhrenjeans zum Beispiel quetschte sich schon meine Mami in ihrer Jugend und hatte einen halben Nervenzusammenbruch als ich meine erste nach Hause brachte.

Allgemein gefällt mir aber die Mode der 50er und 60er-Jahre wahnsinnig gut, viel besser als das, was heute bei H&M und Konsorten hängt. Am liebsten würde ich nur Petticoats mit Polkadots und dazu Pumps anziehen, wie Twiggy mit Ringel-Minikleidern und schwingenden Hippieröcken durch die Stadt stolzieren oder à la Uschi Obermaier mit wilder Löwenmähne, Kleidern mit waffenscheinpflichtigen Ausschnitten und klimpernden Armreifen eine Party nach der andern feiern. Aber ich muss ganz ehrlich zugeben: irgendwie fehlt mir der Mut dazu. Jedenfalls für diese Outfits, die ich mir vorstelle. Man erntet doch für modische Experimente vor allem blöde Blicke und nur teilweise stille Bewunderung. Woher kommt das eigentlich? Dieses von-oben- bis-unten-Mustern- und-dabei-die-Augenbraue-hochziehen, vor allem unter Frauen verbreitet, ist doch einfach nur grauenhaft. Alles, was in irgendeiner Art und Weise anders ist wird sofort abschätzig und arrogant beäugt und oft auch noch hinter (meist nur symbolisch) vorgehaltener Hand verbal in Stücke gerissen.
Was soll das? Wo bleibt die Individualität? Das vermisse ich allgemein sehr hier in der Schweiz. Entweder ich halte mich einfach an den falschen Orten auf oder aber es ist tatsächlich so: die Eidgenossen sind was Modegespür angeht ziemlich zurückgeblieben. Damit will ich nicht sagen, dass wir schlecht angezogen sind. Es gibt hier sehr viele Leute mit einem unglaublichen Gespür für Stil und Kombination. Aber etwas fehlt. Bitte etwas mehr Rock’n’Roll auf den Schweizer Strassen!
Shamble Baby kommt aus Basel und schreibt für kinki über Sinniges und Unsinniges aus der Musik- und Modewelt.
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Kommentare (5)
“Wo bleibt die Individualität?” Auch Rock’n'Roll kann zu Uniformität führen, das einfach einmal vorweg.
Kommentar von MDLC — 25.08.2008 @ 15:23Ich für meinen Teil finde es schwer (bin kein Modeexperte, aber gut), zu sagen, dass “früher”, also in den 50er Jahren alles besser war. Man kann zwar subjektiv sagen, dass einem der damalige Kleiderstil besser und vielfältiger erscheint, doch könnte man das auch von der Mode der 80er sagen (wenn man Fan davon ist). Kurz gesagt war damals nicht zwingendermassen individuell, sondern schlichtwegs “anders” als heute. Und ich glaube nicht, dass damals mehr Leute den Drang dazu verspürten, bzw. den Mut hatten “anders” auszusehen. Und um diesen Beitrag nicht wieder so ausschweifend zu lassen wie meinen letzten, komme ich nun zu meiner “offenen Schlussfrage” (an dich, und alle anderen Leser): Wollen wir “Veränderung” weil uns etwas WIRKLICH ästethisch entspricht, oder wollen wir anders sein um “die Fesseln” des Durchschnittsgeschmacks zu sprengen? Jetzt holt sich jeder am Besten einen Café und sinniert ein bisschen über diese höchst philosophische Frage. Prost.
was ist deiner meinung nach individuell? wie sollte man es am besten umsetzen?
Kommentar von anna — 26.08.2008 @ 18:04bist du es selbst?
ja genau, was heisst heute individuell? Wenn ich mir einen eigenen Nike Shoe designe, bin ich dann individuell? oder mache ich einfach einen Trend nach, das ist die Frage! heutezutage ist man individuell wenn man uncool und unakzeptabel ist.
Kommentar von jenny — 26.08.2008 @ 19:10ihr stellt mal wieder gute fragen
individuell ist für mich persönlich, sein eigenes ding durchzuziehen, egal ob jetzt modetechnisch oder allgemein betrachtet. also nicht jedem trend nachzulaufen, sondern seinen eigenen stil zu finden. das muss jetzt nicht unbedingt extrem auffällige kleidung sein, wenn wirs aus modischer sicht anschauen wollen, sondern einfach ein stil mit dem gewissen ‘etwas’. das ist das, was ich hier vermisse. sozusagen die ‘persönlichkeit beim anziehen’.
Kommentar von Shamblebaby — 27.08.2008 @ 08:08he der spruch”sein eigenes ding durchzuziehen” ist so uncool….
Kommentar von shampoo sex — 13.09.2009 @ 22:32