Review: Fashionshows
Wie unterschiedlich können zwei Shows auf der Mercedes Benz Fashion Week eigentlich sein?
Hier ein Beispiel dafür, bei dem es sich gleich um zwei junge aufstrebende Talente aus München handelt. Der eine schliesst die berühmte Modeschule ESMOD gleich einmal mit einer Auszeichnung ab und der andere gewinnt den Karstadt New Generation Award.
Die Rede ist von Patrick Mohr und Marcel Ostertag. Patrick Mohr besticht immer wieder durch seine Extravaganz und den Drang dazu, das weibliche und männliche Geschlecht nicht isoliert voneinander sondern als Einheit zu sehen. Wer schon einmal auf einer seiner Shows war, weiss, dass es ihm nicht nur um Mode, sondern auch um Kunst geht. Patrick schafft es, das Publikum zu schockieren, faszinieren und zum Denken anzuregen. Er schweift ab vom “normalen” Modebusiness und zeigt lieber Kreationen, die sich mit seinem Lieblingsmotiv – dem Dreieck – befassen. Letztes Jahr noch in aller Munde durch seine Show, die als “Pennerkultur” oder liebevoll “Lumpensammler” betitelt wurde, zeigte er dieses Jahr durchtrainierte Bodybuilder- / innen in Konstruktionen auf dem Laufsteg, die weniger an Outfits denn an Theaterkostüme wahnwitziger Stücke errinnerten. So wurden mit Schnecken gefüllte Kästen vor sich her getragen oder Holz-Stoffverbindungen am Körper balanciert. Kreative Make-ups und von den Models zu aller Zeit im Mund gehaltene Zuckerstücke: all das ist Patrick Mohr. Ein Künstler.
Aber auch seine neue Jeanslinie wurde vorgestellt und ich – selbst Besitzerin einer solchen – kann nur meine Empfehlung aussprechen. Am Catwalk selber herrschte Prominenz wohin das Auge reichte; von Künstlern über Musiker bis hin zu Schauspielern war alles vertreten, alles dabei. Aber seht selbst…
Marcel Ostertag ist – im Vergleich zu Patrick – eher ein sehr auf das weibliche Wohl versierter Designer, der auf fliessende Stoffe, raffinierte Details wie Rüschen und extravagante Strumphosen setzt. Man sieht dem Jungdesigner an, dass er liebt, was er da schafft. Er unterstreicht das Weibliche in seiner Mode. Federn, sexy Strapse, sanfte Nude- und Erdtöne aber auch ein kräftiges, beeriges Rot und Schwarz finden Platz in seiner neuen Herbst- / Winterkollektion 2010. Alles wirkt ziemlich sexy und zum Teil verrucht, denn mal blitzt ein Dessous unter dem Trenchcoat hervor oder ein fast durchsichtiges Abendkleid lässt den Rest darunter zumindest erahnen. Ein wohl eher ungewolltes Highlight war der Moment, als eines der Models stolperte, danach aber professionell weiterlief und sich somit den Beifall des Publikums sicherte. Die Front Row war auch hier besetzt durch – wer hätte es auch anders erwartet (IMG – hat ja die Hände mit im Spiel bei der MBFW) – Nachwuchsmodels, Starlets und Schauspieler. Allerdings war die Show so voll, dass gut die Hälfte der Leute stehen mussten. Und Marcel schien am Ende sichtlich erfreut über den tosenden Applaus. Auch ich wünsche ihm alles Gute, er ist dabei ein ganz Grosser zu werden.
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