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Operation Baltikum: Tagebucheintrag II

Am 27.8.09 von kinki noch kein Kommentar

Die Operation Baltikum ist ein Roadmovie, der gerade entsteht. Während drei Wochen fahren Crew und Cast durch Litauen, Lettland und Estland. Auf kinkimag.com seid ihr den  Abenteurern auf der Schliche, hier der zweite Tagebucheintrag!

Früh auf und spät wach

Operation Baltikum: AnkunftAnkunft.
Der Pilot meldete 22 Grad, gefühlt waren es jedoch mehr, spätestens als es ans Zusammenschrauben der Velos ging. In der Abendsonne von Vilnius vergass man erste Schrammen (vom vielen Velo pumpen), schwarze Finger und durstige Münder. Als wir losfuhren, war es bereits dunkel. Teils auf wackeligem Gefährt – der Überladung wegen – fuhren wir auf der Hauptstrasse dem Hotel entgegen. Es war eine ungewohnte Gegend und es war fast zu schade, sich auf den Weg zu konzentrieren. Backsteinhäuser, ein grosser Mond, ja eine Idylle für sich.

Morgen.
Es war so Wetter, wie man eine Stadt gerne entdecken möchte. Azurblauer Himmel, vereinzelte weisse Wolken – wie hingemalt. Es leuchtete ungewohnten Farben: ockerbraune Häuser, senfgelbe Busse, türkisfarbene Giebelungen. Die ersten Szenen spielten am Bahnhof Vilnius. Ein Symbol mit einer Foto- & Videokamera drauf, durchgestrichen mit einem fiesen roten Strich, ignorierten wir. Erst nach dem letzten „Cut!“ dieser Szene standen zwei grimmig dreinblickende Zollbeamte direkt hinter dem Kameramann. Ja, so eine “Permission” hatten wir halt nicht. Neuer Ort, neue Szene.

Hinterhof.
Wir überschritten die Grenze zwischen arm und reich und so wohl war es uns mit unserer teuren Kamerausrüstung dabei plötzlich nicht mehr. Ein kleines Kind fuhr auf einem pink verbleichten Fahrrad umher und aus einem heruntergekommenen Bau streckten immer mehr Menschen die Köpfe aus den Türen. Schwierig, mit solchen Umständen “richtig” umzugehen. Und wie wir unsere Fahrräder zurück zur Hauptstrasse schoben, sahen wir das kleine Mädchen mit verschmiertem Mund den Schoggistengel essen, den wir ihr kurz zuvor geschenkt hatten. Sie strahlte über das ganze Gesicht.

Operation Baltikum: Kamera ab

Vilnius.
Eine Stadt lernt man kennen, wenn man ihr beim Aufwachen zuschaut. Der Duft von Apfelkuchen mischt sich in die staubigen Abgase des Morgenverkehrs. Ein süsser Geschmack findet sich in Vielem. Das gestern gegessene Roggenbrot schmeckte süss, und zum Kaffee wurden gleich zwei Zucker serviert. Um 7 Uhr war Tagwach. Vilnius erwacht später. Die meisten Läden öffnen um 10 Uhr. Die Stadt trägt den diesjährigen Kulturhauptstadt-Stempel Europas. Da hat sie abends lange wach zu bleiben. Bis zur Abfahrt aus Vilnius galt es noch, die Stadt einzufangen. In Sequenzen, mit Fotos und mit einem grossen schweren Atemzug nach dem anderen, der immer auch ein wenig süsslich schmeckte.

Operation Baltikum: Frühstück

Siauliai.
Erst noch erfreut darüber, dass das Frühstück direkt ins Zimmer serviert wurde, verging uns der Appetit bei dessen Anblick schnell. Da waren halbe, braun gewordene Äpfelhälften und für jeden ein Teller mit einer pinken Wurst, Tomatenschnitzen und Ketchup. Mutprobe Nummer eins bestand darin, mit einem Finger die Wurst anzutippen. Fast alle bestanden sie. Besagte Wurst zu essen war aber ein Sückchen Bootcamp zuviel.  Später assen wir lieber in einem Einkaufszentrum, welches von aussen her einigermassen unschuldig wirkte. Der Eintritt aber war das Tor zu einer anderen Welt. Von den verwahrlosten Hochhäuserkomplexen hinein in eine Welt aus Eis zum essen und Eis zum Schlittschuhlaufen, eine Welt aus Sonderangeboten und Luxusinvestitionen. Auch wenn wir uns den Stadtkern von Siauliai entgingen liessen, das hier musste das eigentliche Zentrum sein.

Operation Baltikum: Unterwegs

Neuer Tag.
Die Frage nach Zügen oder Bussen, die nach Riga fahren, lautete “Ne”. Also rein in die Pedalen und ab nach Jelgava. Von dort mit dem Zug weiter nach Riga. Da heisst es dann schon “Nê”. Doch begrüsst wurden wir bejahend. Auf der Strecke hupen uns viele Autos entgegen, strecken die Daumen durch die Autofenster in die Höhe und winken uns freudig zu.

Riga.
Diese Stadt, eine Metropole! Sie liegt an der Grenze von mehr westlichem denn östlichem Flair. Von allem ein wenig: italienisch da, spanisch hier… Riga lässt sich nicht kategorisieren und dieser Stadt fehlt der eigene Charakter, wie ihn beispielsweise Vilnius hat. Sie ist lebendig, die Leute lachen mehr, sind herzlicher, ja mancher Bitten nimmt man sich geradewegs übernatürlich hilfsbereit an. Doch das kommt uns und dem Film zugute. Wir bekommen Drehbewilligungen, gestern Abend schon beim ersten angesteuerten Nachtclub. Mit der grossen Kamera und auffallend mehr Gepäck bewegten wir uns zwischen der feiernden Meute. Wir filmten, wir tanzten, wir tranken und einer liess es sich sogar nicht nehmen, sich absichtlich zu übergeben. Was tut man doch nicht alles für eine gute Szene…

Operation Baltikum: Riga

Text: Jessica Hefti

Mehr Informationen zum Projekt sowie weitere News gibt es täglich auf dem Blog von Operation Baltikum.

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