Neu im Regal: “3 Affen”
Denen, die sich von Filmen lieber berieseln lassen, als sich grossartig das Hirn zu zermatern, sei gleich gesagt: “Üç Maymun” (auf Deutsch “Drei Affen”) – der letztes Jahr in Cannes den Preis für die beste Regie einheimste – ist den Hirnschmalz in jedem Fall wert. Trotz der minimalistischen Handlung entfaltet der Film eine Dramatik, bei der sogar Shakespeare im Grab noch den Daumen hochheben würde.

Mit viel psychologischem Gespür wird der Zuschauer in das Leben einer dreiköpfigen Arbeiterfamilie eingeführt, deren prekärer Zusammenhalt sich durch ein banales Ereignis und seine Folgen vollkommen aufzulösen droht: Eyüp, der Vater, soll gegen Geld für seinen Chef die Schuld für einen Autounfall auf sich nehmen.
Ceylan gelingt es, der Banalität der Figuren tragische Grösse zu verleihen. Dies vor allem durch die beeindruckende Bildsprache von fotografischer Ästhetik, die die fehlende Kommunikation der Protagonisten ablöst.

Unvergessliche Szenen wie die, wenn Eyüp nachts im Streit das Haus verlässt, seiner Frau im Gang nur noch “Verpiss dich! Geh schlafen oder schmeiss dich vom Balkon!” hinterher ruft und dann vollkommen verloren auf der Strasse steht, ein Jackett übers weisse Unterhemd gestreift und noch einmal hoch zum Balkon sieht, bevor man ihn in einer der Gassen des Istanbuler Slums langsam verschwinden sieht, während eine kleine weisse Katze durchs Bild läuft.
Filmbesprechung: Peter Rösch
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