Morissey und ich…
Mein Tauschwunsch von letzter Woche blieb bis jetzt leider unerfüllt, und deshalb habe ich beschlossen, diese ungleiche Gleichung zu verwerfen. Sie bringt nämlich weder mir noch Nina irgendwelche Pluspunkte, sondern nur schlechte Laune.
Allerdings treibe ich figurtechnisch in die gleiche Richtung wie sie, denn das Nichtrauchen seit sieben Monaten und ein eher unverhältnismäßig zu meinem Körper proportioniertes Essverhalten haben Spuren hinterlassen. So trage ich seit geraumer Zeit nicht nur ein schlechtes Gewissen bei jedem Bissen, den ich schlucke, mit mir herum, sondern auch einen “Luxusbauch”, wie ihn Frauenmagazine gern betiteln. Das ist diese fiese Wölbung, die kurz über der Jeans anfängt und sich leicht schräg nach hinten verlaufend auf den Hüften niederlässt. Genau diese Zone nenne ich momentan liebevoll meinen “Keuschheitsgürtel”, weil er mich davor bewahrt, in leichtsinnigen Momenten dem männlichen Geschlecht gegenüber schwach zu werden.
Ein Gutes hat der Gedanke allerdings, denn ich spanne in diesen Momenten den Bauch an und das soll ja bekanntlich helfen. Ich habe übrigens beschlossen, diesem Umstand weiter keine Beachtung zu schenken, da mir dieser (un-)sichtbare Freund momentan gute Dienste erweist und mich von schlimmeren Methoden wie jener, die Beine nicht mehr zu rasieren, Abstand nehmen lässt. (Jaja, das ist bei übermässigem Alkoholkonsum und relativ leicht zu beeindruckendem Wesen sogar eine nicht zu verachtende Möglichkeit, die Hose immer definitiv anzubehalten.)
Ansonsten läuft meine Eigentherapie eigentlich ganz gut und ich treffe mich zwar ab und an mit dem anderen Geschlecht aber über mehr als Treffen geht es dann doch nicht hinaus. Neulich habe ich einem Kerl bereits nach 10 Minuten Small Talk erzählt, dass ich im Moment keine feste Beziehung möchte und dementsprechend dumm hat er mich angeschaut, weil er sicher noch nicht mal annähernd daran gedacht hat, eine solche mit mir einzugehen. Aber ich dachte mir: Vorsicht ist besser als Nachsicht, nicht wahr?
Leider hat mir der liebe Herr Gott (oder wer auch immer) anscheinend eine Ausstrahlung gegeben, die ich persönlich leider noch nie fühlen, sehen oder hören konnte, aber es wird mir dauernd darüber berichtet. So wurde ich diese Woche Zeuge einer eigentlich sehr netten Situation, die mich im Nachhinein dennoch bestürzte, weil es mir irgendwie leid tut, dass ich diese Wirkung auf manche Menschen habe. Mir erzählte ein Typ, dass er mich gesehen habe und so beeindruckt gewesen sei, dass er nicht aufhören konnte, mich anzuschauen und mich deshalb um ein Treffen bat.
Okay, okay, das hört sich an wie ein Spruch, den man eben so hört, wenn man sich mal durch die Bar-Szene schlägt, aber ich habe leider nicht genügend Zeilen, um die Situation im Detail wiederzugeben und euch da draussen die Ernsthaftigkeit dieses Gesprächs darzulegen. So musste ich, stets im Klaren darüber, dass dies sicher ein netter Typ ist und er eventuell in einem anderen Moment auch mein Typ gewesen wäre, ihm leider einen Korb geben. Erstaunlicherweise schien ihn das wenig zu beeindrucken, denn er taucht noch immer öfter mal in meinem Umkreis auf. Aber wie macht man jemandem klar, dass man momentan nicht auf der Suche nach der grossen Liebe ist (wie der Rest der Welt), sondern eigentlich dem Ganzen Thema den Rücken kehren möchte?
Und nein, auch alle anderen zwischenmenschlichen Beziehungen sind momentan nicht erwünscht. Ich habe neulich gelesen, dass es asexuelle Menschen gibt, die genau das ihr Leben lang praktizieren. Die einen aufgrund enttäuschender Gefühle, nehme ich an, und die anderen- haltet Euch fest- weil sie NIE den Wunsch verspüren, mit dem anderen Geschlecht Dinge zu tun, die gemeinhin als “schönste Sache der Welt”, oder als das “ultimative Gefühl” betitelt werden. Das heisst, diese Menschen haben einfach ihr Leben lang nie einen Partner, sind glücklich dabei und die Zahl solcher Leute steigt anscheinend jährlich. Ich hoffe nun, dass ich nicht in diesen Strudel hingezogen werde… Dann heisst es nicht länger mehr „Homo“ oder „Hetero“ sondern, „Servus, ich bin asexuell..“, >>urrgs<<!
Um das Rätsel über Morrisseys Sexualtität zerbrechen sich Kritiker und Fans ja seit jeher gleichermassen den Kopf, denn der Gute liess des Öfteren durchsickern, dass er asexuell sei. Und trotzdem so ein cooler Typ? Puhhh…
Rita, 26, ist laut Sternkreiszeichen Fisch, also eine Träumerin. Sie liefert kinki wöchentlich einen Auszug ihrer Gedanken über die 2 grossen Themen des Lebens: Liebe & Sex.
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