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Interview: Tomte in Zürich

Am 26.11.08 von hanna 3 Kommentare

Der Sänger und Songwriter der deutschen Indie-Band Tomte hat grosse Freude an der aktuellen Tour. Vergangenen Dienstag bescherten uns die deutschen Nordlichter ein tobendes, zweistündiges Konzert im Zürcher Club Abart und präsentierten ihre neue Scheibe “Heureka”.

Indie-Band Tomte: Frontmann Thees Uhlmann (in der Mitte)

Tomte in Zürich – wir liessen uns diese einmalige Chance natürlich nicht entgehen und schnappten uns kurzerhand Tomte Frontmann Thees Uhlmann und sprachen nicht nur über Gott und die Welt, sondern auch über Käsebrötchen, Schweizer Gesten und den Stolz eines Vaters.

“Es ist die beste Tour ever – ich bin glücklich unterwegs zu sein, brauche keine Privatsphäre und kann im Tour Bus super schlafen!” Überhaupt scheint uns Herr Uhlmann total fröhlich und ausgelassen, vielleicht liegt es auch an der Toblerone-Schoggi und den Riccola-Zältli, die wir ihm zu Beginn des Interviews über den Tisch schieben – eine nette Schweizer Geste, wie wir finden.

Das Zältli im Mund suckelnd erzählt uns Thees, dass er vier Stunden vor den Konzerten nichts mehr isst, weil er nicht gerne “als Bombe” auf die Bühne geht. Sowieso zieht er Hausmannskost den üblichen Restaurants vor; es schmecke alles “ein bisschen unpersönlich in einem Restaurant”. Käsebrötchen hat der Hamburger schon zur Genüge gegessen und kann die belegten Teigbrocken schon nicht mehr leiden. Auf die Frage, was er an einem Dinner mit Gerhard Schröder und Elton John kochen würde, meint er gelassen: “Passend zur Jahreszeit würde ich eine Kürbiscremesuppe mit Maronen als Vorspeise, ein Risotto Milanese als Hauptspeise und zum Nachtisch, ganz einfach, ein Bier servieren”.

Bei dieser Tour ist zum ersten Mal auch eine Frau mit an Bord. Sonst sei alles sehr “männermässig”, so wie eh und je, und dennoch mache diese eine Dame die Tour angenehmer. Die ganze Crew von Tomte sind alte Freunde, sagt Thees mit einem breiten Lächeln im Gesicht: “Ich kann mich während der Tour nicht um mein Kind kümmern und das fehlt mir!”. Diesen Aspekt bemängelt Thees, der seit 18 Monaten Vater eines Mädchens ist. Verheiratet ist der 34-Jährige mit einer Schweizerin aus Basel. Sie leben aber gemeinsam in Deutschland. Seine Frau habe Verständnis für das Leben eines Musikers und zudem arbeitet sie in der Musikbranche und steht Thees mit Rat und Tat zu Seite. Familie Uhlmann ist nicht sehr gross, an den “Heimkonzerten” stehen oft Mama, Tante und der grosse Bruder und Unternehmensberater im Publikum.

“Hast du Hobbys?”, fragte ich. “Ich habe keine Hobbys, ich gehe joggen, würde dies aber nicht als Hobby sondern als nervige Selbstverantwortung bezeichnen. Fussballschauen ist mein Passivsport”, antwortet mir der Hanseate und schmunzelt. Zudem traue ich mich eine recht kecke Frage zu stellen: “Ich habe gehört, ihr wollt die Nummer Eins in den Charts werden, stimmt das?” fragt Thomas, den immer noch zältli-suckelnden und sehr warm angezogenen Thees. “Wir machen Musik nach Instinkt und natürlich hat man als Musiker Ambitionen, auch würden wir an einem kommerziellen Festival spielen, dass macht uns nichts aus. Im Gegenteil, uns macht es Spass möglichst vielen Leuten mit unserer Musik das Leben etwas zu verschönern! Bei dieser Tour spielen wir einen Drittel der Konzerte mit einem Cello und die Leute stehen total drauf, das macht Spass!” Thees erfreut sich an dem Detail, dass er vom Singen nicht mehr heiser wird. Früher sei das oft ein Problem gewesen, weil er nie wusste, ob ihm die Stimme einen Strich durch die Rechnung machen könnte während des Konzerts. Heute hat er sie im Griff und weiss seine Verantwortung zu schätzen.

Zur Frage, welches seine Lieblingszeitschrift und seiner Lieblingsband, kommt es wie aus der Pistole geschossen: “Die Zeitschrift Metalhammer ist die Beste, ich war ja früher auch auf dieser Schiene und lese gerne Zeitschriften, die nicht trendy sind und nur aus Entertainment bestehen. Das gleiche gilt für Filme, die Entertainment und Politik unter einen Hut zu bringen versuchen. Den Spiegel lese ich gerne. Das Rolling Stone Magazine finde ich nicht gut. Ich bin ein Fan der Toten-Hosen, gehe gerne an die Konzerte… mit der Band Wilco werde ich nicht warm! Das beste Konzert, das ich je gesehen hatte, waren die Flaming Lips vor langer, langer Zeit!” Mit diesen Worten verabschiedete sich Thees von uns.

Eine Stunde später eröffnete Tomte das Konzert mit dem Song “Heureka”… und der nahezu letzte Satz von Thees auf der Bühne ist: “Zum Knutschen wird es nicht kommen, aber ich habe schon lange nicht mehr so viele hübsche Mädchen gesehen, wie hier!” Ein schöner und auch stolzer Moment, wie ich finde.

Text und Interview: Hanna Lauer und Thomas Hoffmann

Links:
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Kommentare (3)

  • Super Interview…stilsicher und spassig!

    Kommentar von Ruedi Sommer — 24.11.2008 @ 21:08
  • toll!

    Kommentar von matty — 24.11.2008 @ 22:46
  • wieviele journi-thomas hoffmann’s gibt es?
    es war kein stolzer und schöner moment, es war vor allem ein ‘rockstar’spruch wie es so einige gibt.. aber ja. sonst gut.

    Kommentar von sabrina — 27.11.2008 @ 22:11

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