Henry & Paul – Nr. 23
Die mit den grauenhaften Sätzen. Und langen Unterhosen. Und kleinen Häufchen auf dem Tresen.

Foto Credit: Philippe
Sir?
Sprich, Henry.
Darf ich Ihnen diese Kritik vorlesen, Sir?
Schiess los, Henry.
“Dieser Künstler lässt all jene Herzen schmelzen, welche sich an schwermütigen Sommerabenden laben.”
Was für ein Schwachsinn, Henry.
Weshalb, Sir?
Die Sprache verkümmert, Henry. Ein “schwermütiger Sommerabend”? Na gut: kommt ein Sommerabend in die Kneipe und bestellt ein Glas Scotch.
Sir…
Warte, Henry. Der Barkeeper fragt ihn: Alles klar an der Bar? Der schwermütige Sommerabend antwortet: Nein Mann, ich bin schwermütig. Weisst du, mein frohlockender Frühlingsmorgen hat heute mit mir Schluss gemacht.
Sir, falsche Sprachbilder gibt es zuhauf.
Jaja. Und so sitzt dieser Sommerabend schwermütig in der Bar und betrinkt sich einsam und allein und schabt kleine graue Häufchen vom Flaschenetikett auf den Tresen. Und dann, pardautz! Schneit der laue Spätsommerabend zur Türe hinein. Das Ende der Geschichte ist klar, Henry.
Sir?
Sie gehen zusammen ins Bett.
Oh.
Ja, Henry. Obwohl ich es mir kompliziert vorstelle, wenn zwei Abende bis zum Morgengrauen miteinander kopulieren. Technisch gesehen, natürlich.
Sie schweifen ab, Sir.
Jaja. Wusstest du übrigens, dass gewisse Dinge ungeachtet aller technischen Fortschritte unumwindlich sind?
Pardon… Sir?
Ja, beim Händewaschen nach vorne rutschende Pulloverärmel zum Beispiel. Die Hände voller Seife und die Unterkante des Ärmels ist bereits nass. Mit dem Kinn oder mit sonstigen Verrenkungen versucht man, sie wieder hochzuziehen, was aber selten zufriedenstellend klappt.
Wie kommen Sie jetzt plötzlich darauf, Sir?
Es gibt Dinge, die kann man nicht ändern, Henry. Schlechte Schreiberlinge und nasse Pulloverärmel wird es immer geben. Ich gehe gar soweit und vergleiche diesen zitierten Schreiberling mit einem Waschlappen. Und als Waschlappen könnte man auch nasse Pullover verwenden.
In der Tat, Sir.
Oder ausgeleierte lange Männerunterhosen.
Das… stimmt auch, Sir.
Na also. Dann könnte man ohne Müh und Not schreiben: “Dieser Künstler lässt all jene Herzen schmelzen, die sich daran laben, in schwermütigen Sommernächten ohne lange Unterhosen zu kopulieren.”
Manchmal machen Sie mir Angst, Sir.
Trackback & RSS:
TrackBack URL, Kommentar RSS
Kommentare (1)
Ist super, mein Freund und ich verpissen und tägliche in langen Unterhosen und wir sid auch Bettnäaser!!
Kommentar von John — 25.03.2011 @ 11:20