Filmtipp: Das weisse Band
„Ideologie ist eine verabsolutierte Idee. Überall, wo es Unterdrückung, Demütigung, Unglück und Leid gibt, ist der Boden bereitet für jede Art von Ideologie. Deshalb ist ‚Das weiße Band‘ auch nicht als Film über den deutschen Faschismus zu verstehen. Es geht um ein gesellschaftliches Klima, das den Radikalismus ermöglicht. Das ist die Grundidee.“
– Michael Haneke
Still ist der Anfang. Still ist das Ende. Und dazwischen liegt eine laute Stille. Eine höchst unangenehme, die allen Beteiligten auf den Magen schlägt. Bei diesen Gefühlen von Beklemmung kann es sich fast nur um den neuen Film von Michael Haneke handeln. “Das weisse Band” heisst er, und dieser Film ist der Grund, warum ich nach der Vorführung taumelnd den Kinosaal verlasse. Ich pralle mit einem Herrn zusammen, der sich dann vor der Türe entschuldigt: “Ich hätte Ihnen gerne den Vortritt gelassen, aber ich musste aus diesem Saal dringend raus!”
Hanekes mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichneter Film ist in einem norddeutschen Dorf kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges angesiedelt. Die bäuerliche Idylle (oder besser gesagt Normalität, denn eine Idylle kann es vielleicht gar nicht geben) wird empfindlich gestört, als sich im Dorf eine Reihe von mysteriösen Unfällen ereignet. Nach und nach sieht der Zuschauer hinter Fassaden von Familien und deren gewaltherrlichen Oberhäuptern. Bei gespenstischer Stille sucht man scheinbar vergebens nach Motiven und nach Tätern.
Das offene Ende entlässt den Zuschauer als irritierten Beobachter eines zweieinhalb stündigen Schauermärchens, das mit seiner gespenstischen Stille und Dunkelheit die Beklemmung seiner Zeit porträtiert. Dabei sind die Disziplin und der Gehorsam das Korsett der bösen Kinder, mit denen man sich fürchtet, fühlt und leidet und von denen man gleichzeitig weiss, dass sie zwei Jahrzehnte erwachsene Nazis sein werden. Der hereinbrechende Erste Weltkrieg scheint in Hanekes Film wie die Erlösung. Die logische Konsequenz für dieses Land, diese Welt. Die Katachese. So grausam das auch klingen mag.
Fazit: Ein absolut sehenswerter, schrecklicher Film. Einmal und dann nie wieder.
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Kommentare (3)
weird shit!
Kommentar von cineman — 18.11.2009 @ 10:38Krieg als Erlösung?
Kommentar von Kuck mal — 18.11.2009 @ 16:49fabulously irretating and haunting
Kommentar von anonymous — 08.03.2010 @ 12:24