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David Lynch macht Möbel. In St. Gallen.

Am 8.4.08 von kinki 4 Kommentare

David Lynch TischZurückgelehnt im dunkelbraunen Ledersessel knistert die Zigarre in meinem Mund. Im Hintergrund säuselt David Bowie „I’m Deranged“. Der Whiskey tut gut nach der langen Fahrt, von der mir nur noch die aufblitzenden Mittelstreifen der schwarzen Fahrbahn in Erinnerung sind. Meine Blicke fallen auf den Tisch in der Mitte des Raumes. Stahl, Holz, quaderförmig verschmolzen und zum überdimensionalen Aschenbecher vereint, die Schublade versunken im braun-rötlich gemaserten Fichtenholz. Feierabend im „Lost Highway Hotel“? Nicht für David Lynch.

Der „Club Table“ ist nur eines der vom Altmeister des Film Noir („Lost Highway“, „Mulholland Drive“, „Wild at Heart“) in seiner Werkstatt in Hollywood entstandenen Möbelstücke, die weltexklusiv von dem St. Gallener Label „Casanostra“ gebaut und vertrieben werden. Nach genauen Anweisungen von Lynch natürlich. Und nur in kleinen, exquisiten Serien.

Dass der Spagat zwischen Filmregisseur und Möbeldesigner kein allzu grosser ist, hat Lynch allein dadurch bewiesen, dass er seit Jahren für die eigenen Streifen Möbel herstellt und diese Teil des filmischen Konzepts werden. Das ginge einfacher, als für eine Szene ein bestimmtes Möbelstück aufzutreiben, behauptet er. In „Lost Highway“ geht die Verbindung zwischen Filmwelt und eigenem Wohnraum so weit, dass Lynchs eigene Villa, das „Beverly Johnson House“ in Los Angeles, zur Filmkulisse wird. Raum angenehm zu gestalten sei eine ganz eigene Kunst und es gebe nur wenige Menschen, die dazu im Stande seien, bemerkte Lynch in einem Interview lapidar.

So absurd, düster und verstörend Lynchs Filme sein mögen, so vergleichsweise „normal“ erscheinen seine Möbel. Ein wenig asymmetrisch manchmal, gut, aber da sind wir doch von „Mulholland Drive“ oder „Twin Peaks“ schwereren Tobak gewohnt. A propos: Die Zigarre gehört dazu. Sie ist ein essenzielles Utensil im Möbeluniversum des Meister Lynch. Und dafür ist dann auch selbst in der winzigen Schublade des „Club Table“ Platz.

Zu Kaufen gibt es die Möbel zum Beispiel bei klangundkleid.ch.

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Kommentare (4)

  • die möbel sind ja genauso wirr wie sein filme, seufz

    Kommentar von tom — 08.04.2008 @ 14:57
  • der typ ist der absolute freak. hat jemand inland empire gesehen? wer den film kapiert hat, soll ihn mir bitte erklären.

    Kommentar von david — 08.04.2008 @ 17:29
  • mir auch!

    Kommentar von matty f. gordon — 05.11.2009 @ 23:18
  • [...] und von seinem Erstling „Eraserhead“, über „Der Elefantenmensch“, „Blue Velvet“, „Wild at Heart“, „Lost Highway“, „Mulholland Drive“ bis zu „Inland Empire“ hat er dieses [...]

    Pingback von Surrealist David Lynch im Max-Ernst Museum Brühl  | endoplast.de — 23.11.2009 @ 07:17

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