Das Unmögliche Denken
Markus Keibel hatte sich in den letzten vier Jahren vornehmlich verschiedenen Fragestellungen zur Stoffgruppe „Glas“ gestellt und die vermeintliche Transparenz, also die demokratischen Eigenschaften des Werkstoffes, untersucht.
Nach der letzten Ausstellung 2008 im Kunstverein Ludwigshafen zum Thema „Angst“ waren für Keibel jedoch alle essentiellen Fragen zu Glas beantwortet und er konnte sich neuen Materialien widmen. Instinktiv hat er sich in der Ausstellung “Das Unmögliche Denken” in der Galerie Artary in Stuttgart den vier Grundelementen Feuer, Erde, Wasser und Luft gestellt, die für Keibel eine Rückkehr zum Ursprung der Stofflichkeit bedeuten.
Durch persönliche Erfahrungen, die omnipräsente Bedrohung des Individuums durch die Wirtschaftskrise und dem offensichtlich fragilen und unsicheren Schutz der Gesellschaft geleitet, untersucht Keibel dabei die Frage, ob und was nach Verlust entsteht, der durch einen Angriff von aussen entstanden ist.
Keibel ist in seiner technischen Herangehensweise weitaus mehr fasziniert von der Methode des Wegnehmens, als des Hinzufügens und so ritzt er seinen Arbeiten mit grosser körperlicher Anstrengung Material heraus oder brennt Holzmasse weg. Die im Prozess aufgewendete körperliche und zum Teil aggressive Energie überträgt sich unmittelbar auf den Betrachter und soll für Keibel im besten Fall geistig und körperlich befreiend wirken. Diese Körperlichkeit und damit die emotionale Wirkung seiner Arbeiten wird auch inhaltlich von zwei- und dreidimensionalen figürlichen Darstellungen mitgetragen.
Der durch die Konzeptkunst geprägte Künstler legt grossen Wert darauf, dass seine Arbeiten nicht in der reinen Idee, sondern durch einen Entstehungsprozess, also einer intensiven Befragung der Materie ihren ganzen Sinn erhalten.
Dieser Evolutionsprozess ist auch bei den ausgestellten Arbeiten noch nicht am Ende angelangt, sondern befindet sich in einer ständigen Entwicklung. Sie beginnt für Keibel bei der Bearbeitung der Materialien, zieht sich über den Dialog zwischen Mensch und Materie, als Betrachter und Werk fort und wird nicht zuletzt durch die Zeitkomponente erweitert. Somit betrachtet Keibel den Status seiner Arbeiten als Anfangsstadium, obwohl ihnen bereits im bisherigen Entstehungsprozess verschiedenen Bearbeitungsphasen zugesetzt wurden.
Es scheint damit beinahe unmöglich die Gesamtheit von Keibels Werken zu erfassen, obwohl der Betrachter durch den hohen ästhetischen Wert der Arbeiten einen schnellen Zugang findet. Der Künstler legt deshalb für die Verständlichkeit grossen Wert darauf, dass hinter der emotionalen Vordergründigkeit auch stets ein theoretischer und konzeptueller Überbau steht.


Dass man das Unmögliche denken muss, um zu verstehen und verstanden zu werden, ist damit für Keibel legitimiert. Wie man das allerdings anstellt, bleibt weiterhin Gegenstand seiner künstlerischen Untersuchung.
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