Wie Sprudel in der Flasche
Das Telefon klingelt: "Ok, so here we are!"
"What the Fuck?" Es scheint so, als ob die vier Jungs von Ok Go die fünfjährige Pause auf dem Laufband im heimischen Keller verbracht haben. Anders ist es sich nicht zu erklären, mit welcher Wucht das neue Album "Of the Blue colour of the Sky" durch die Lautsprecher knallt.

Die vier Jungs von OK GO können tanzen, dass haben sie in ihren Videos auf Youtube über 50 Millionen Zuschauern gezeigt. Aber als Musiker können sie natürlich auch mehr. Die Band hat am 19. Januar 2010 ihr drittes Studioalbum released und ist mit der Zeit gereift. Die Klänge werden abwechslungsreicher und behalten Ohrwurmqualitäten. Auf Laufbändern können sie sich bewegen, doch die antreibende Kraft bleibt die Musik.
OK GO, das heißt, dass auf Aufforderung etwas folgen sollte. Eine Idee, ein Gedankenblitz eine Handlung, eine Antwort. Wenn man diese Wortbedeutung auf die gleichnamige Band projiziert, dann lastet eine schwere Aufgabe auf den Schultern der vier Amerikaner.
Zusammen mit Tim Nordwind, dem Bassisten der Band, begaben wir uns auf eine dreidimensionale Reise voller Gitarrenklänge mit abwechslungsreichen Synthesizer und Texten mit unterschiedlichen Tiefen.
Gepräch mit Tim Nordwind
kinki magazine: Ist "Of the Blue Colour of the Sky" eine psychedelische Tanzsause?
Tim Nordwind:(Tim lacht) Ha, unser drittes Studioalbum ist wirklich eine Art psychedelischer Tanzparty. Das stimmt schon. Wir haben es zusammen mit Dave Fridmann produziert. Und Dave ist bekannt für seinen dreidimensionalen, psychedelischen Sound. Und "Of the Blue Color of the Sky" ist definitiv groovy.

Man spürt, dass das neue Album sehr viel funkier und tanzbarer ist.
Das ist es definitiv. Unser letztes Studioalbum war mehr gitarrenlastig. Diesmal wollten wir für uns Neues entdecken, neue Wege einschlagen. So haben wir uns entschlossen die Lieder mit mehr Groove zu besetzen als mit Gitarrensound.
Zwischen "Of the Blue Colour of the Sky" und dem letzten Album stehen 5 Jahre. Habt ihr selbst eine Entwicklung gemacht, seid ihr älter geworden oder ist es einfach der Sound des Zeitgeistes?
Buchstäblich sind wir ein wenig reifer geworden, es stehen ja immerhin fünf Jahre zwischen dem aktuellen und dem letzten Album. Aber letztendlich sind das einfach wir, wie wir sein wollen und was wir hören.
Das Video "Here it goes again" hat eindeutig euren Tanzstil geprägt. Ist euer Faible für tanzbare Musik auch einer der Gründe, warum der Sound von "Of the Blue Colour of the Sky" geradewegs aus der Hüfte schießt?
Auf jeden Fall. Außerdem ist Prince einer unserer größten Einflüsse. Wir haben viele seiner Stücke gehört während wir im Studio mit den Aufnahmen beschäftigt waren. Sein Sound ist sehr tanzbar, emotional und vor allem direkt. Und das sind die Ziele, die wir uns mit diesem Album ebenfalls vorgenommen haben.
Das sind die Komponenten die wir aus Prince’ Musik entnehmen konnten und die wir wiederum mit einem mehr oder weniger psychedelischen Sound mixten. Hinzu kommt, dass wir alle vier Prince’ Musik seit unserem neunten Lebensjahr kennen. Und das beeinflusst Künstler wie uns. Wahrscheinlich war Prince nach den Beatles unser wichtigster Einfluss überhaupt.
Schreibt ihr euch immer auf die Fahne ohrwurmtaugliche Songs zu produzieren oder entstehen Songs wie die aktuelle Single "WTF?" rein zufällig und sie sind ein Spiegel eurer Persönlichkeit?
Ich denke der Sound sind einfach wir, es ist unsere natürliche Veranlagung Melodien zu schreiben. Das heißt nicht, dass wir nicht anders können. Aber letztendlich entsteht unsere Musik aus dem Sound, den wir hören und welcher uns anregt. Und der Sound ist immer melodisch. Und deshalb ist auch OK GO melodisch.

Cool, calm, melodic. Mit "Of the Blue Colour of the Sky" seid ihr zum ersten Mal vielfältiger in der Stimmung.
Es stimmt schon, dass die Bandbreite vielfältiger ist. Wir haben eine ganz andere Akustik, die wir zuvor noch nie ausgenutzt hatten. Und so ändert sich der Sound automatisch gegenüber den Platten, die wir in der Vergangenheit gemacht haben. Aber letztendlich ist es wahrscheinlich die melancholischste Platte, die wir jemals gemacht haben. Diese Platte umgibt eine ganz andere akustische Stärke.
Wie muss man sich bei euch den Schaffungsprozess vorstellen. Habt ihr zum Anfang eine Melodie, einen Rhythmus oder sogar eine Tanzperformance?
Alles was wir machen basiert inhaltlich auf unserer Musik. Und die Welt die wir drumherum produzieren stammt von der Musik. Manchmal haben wir aber auch Ideen für eine visuelle Umsetzung für unsere Musik. Dann wissen wir, wir produzieren zwölf Songs für das Album und wir schauen dann einfach, welcher Song am besten zum visuellen Stil passt. Aber es ist immer unsere Musik, die alles andere in Bewegung versetzt.
Text und Interview: Julian Stoß

Kommentare (2)
Nicht schlecht Jule!
von Anonymous am 23.4.2010 21:51