Wenn Maschinen träumen und Freunde musizieren
Die Musik der schwedischen Band Little Dragon ist ein Leckerbissen fürs Ohr, der wie Zuckerwatte auf der Zunge schmilzt, geschmeidig und wohltuend durch die Gehörgänge fliesst. Der Kitt, der die Band, bestehend aus Erik Bodin am Schlagzeug, Fredrik Källgren Wallin am Bass, Håkan Wirenstrand am Keyboard und der Sängerin Yukimi Nagano zusammenhält, ist ihre jahrelange Freundschaft; die musikalischen Zutaten sind Yukimis sphärische Stimme, Soul, Pop und – besonders im neuen Album "Machine Dreams" – ein guter Schuss Elektronik.
Das Spiel mit den Synthesizern, welche den Unterschied zwischen analog und digital, zwischen Mensch und Maschine, verschwimmen lässt, war denn auch Thema des Little Dragon Artikels im kinki magazine #21.

Little Dragon Foto: Studio Seek
Des Weiteren interessierte uns natürlich, wie sich Beruf und Freundschaft vereinen lassen, was es mit japanischer Kunst auf sich hat und wie die Band zur eigenen sowie zu Musik anderer steht. Geführt haben wir das Interview mit der Leadsängerin von Little Dragon, Yukimi Nagano, die sich zum Interview-Zeitpunkt gerade im Zug von Brighton nach London befand und einen ihrer seltenen Freitage genoss.
Interview mit Yukimi Nagano
kinki magazine: Habt ihr euch als Menschen, aber auch als Musiker vom ersten zum zweiten Album verändert?
Yukimi Nagano: Nachdem wir für unser erstes Album ziemlich viel live gespielt haben, entschieden wir, mehr Uptempo-Songs zu machen und einen Hauch tanzbarer zu werden. Das hatten wir wohl im Hinterkopf, als wir die Musik für die neue Platte schrieben. Ohne unsere künstlerische Freiheit jedoch durch irgendwelche Vorgaben einzuengen.
Lange Zeit hattet ihr als Band keine Deadlines, kein Geld und keinen Druck, wie haben sich diese Umstände verändert?
Wir haben nicht unbedingt mehr Geld, vielleicht ein kleines bisschen mehr. Aber es gab keinen radikalen Wandel an der Geldfront. Ich denke auch nicht, dass es heute Druck im negativen Sinn gibt. Wir sind immer noch ziemlich leicht und spielerisch, wir versuchen unsere Offen- und Lockerheit zu bewahren, natürlich gibt es jetzt Deadlines und solche Sachen, die es ohne Label (Peace Frog) nicht gab, aber das ist in Ordnung.
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Little Dragon - "Swimming"
Kommt der Titel des Albums "Machine Dreams" daher, dass ihr vermehrt mit Synthesizern und anderen technischen Geräten musiziert?
Ja, wir fühlten uns geradezu abhängig von unseren Synthesizern, so als würden wir ohne unsere elektronischen Geräte und die Neugier für künstliche Sounds nicht die Band sein, die wir sind. Unsere Songs und unsere Musik würden vollkommen anders klingen, wenn wir alle nur Akustikinstrumente spielten. Ausserdem faszinieren uns wissenschaftliche Parallelen etwa zwischen Gehirn und Computer, Mensch und Maschine. Ich weiss nicht, es macht einfach Spass, mit Wörtern zu spielen, so sind vielleicht wir die Maschine, die träumt, oder die Maschinen, die in unserem Studio stehen, lassen durch die Musik ihre eigenen Träume wahr werden.
Als Band verbindet euch nicht nur eure Arbeit, sondern auch eine tiefe Freundschaft. Wie ist beides miteinander vereinbar?
Musik zu machen, betrachte ich nicht als Arbeit, eher als meine Lieblingsbeschäftigung, als etwas, das mir wirklich Spass bereitet. Arbeit ist für mich eher das Drumherum, wenn man lange unterwegs ist oder sich um kommerzielle Sachen wie etwa den Verkauf von Merchandise kümmern muss, das fühlt sich wie Arbeit an. Musik zu kreieren und sie zu spielen ist hingegen unsere Leidenschaft.
Ihr habt lange Zeit zusammen in der sogenannten "Eagle Colonie" gewohnt, wie hat sich die Dynamik der Gruppe verändert, als ihr ausgezogen seid?
Wir haben ein paar Jahre an dem Ort zusammengelebt, der heute unser Studio ist. Wir hatten alle unsere Zimmer und das Studio, wir lebten und arbeiteten dort. Schlussendlich hat sich aber nicht wirklich viel verändert. Das Studio ist heute viel besser für Aufnahmen und Proben ausgestattet, wir arbeiten sicher effizienter.
Ansonsten glaube ich, dass wir uns heute im Schreiben sicherer fühlen. Ich denke, wir haben uns gemeinsam verändert, man merkt, dass wir uns musikalisch gegenseitig stark beeinflusst haben. Aber die Idee und die Energie, mit der wir begonnen haben Musik zu machen, ist über die ganze Zeit dieselbe geblieben.
Grundsätzlich geht es uns darum, einen Sound zu finden und Songs zu schreiben, die wir interessant und anregend finden, und dann versuchen wir dabei möglichst viel Spass zu haben, es natürlich auch ernst zu nehmen, aber nicht zu ernst.
Habt ihr auch denselben Freundeskreis oder wahrt ihr privat eher Abstand?
Wir sind schon wie ein grosse Familie. Wenn ich auf Tour bin, hänge ich mit den Jungs rum, wenn ich nach Hause komme, hänge ich wieder mit den Jungs und mit ein paar anderen Leuten rum, die wir alle kennen. Es ist auf jeden Fall ein grosser Freundeskreis.
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Little Dragon - "Runabout"
Beeinflusst das eure Musik oder ist es sogar so etwas wie die Geheimrezeptur eurer Band?
Es macht zumindest für mich einen Teil des Geheimnisses aus. Ich habe zuvor mit anderen Leuten Musik aufgenommen, die ich nicht sehr gut kannte. Da kommt immer diese Stimmung auf, dass man niemandem auf die Füsse treten will, dann ist es sehr schwierig während des Musikprozesses total ehrlich zu sein. Es ist immer gut, ein Studio zu haben, in dem du dich wie zu Hause fühlst, und Leute mit denen du arbeiten kannst, zu denen du ganz ehrlich sein kannst. Dann ist es auch keine grosse Sache, wenn du sagst, dass du etwas nicht magst, niemand ist beleidigt, weil es einfach dazugehört, wenn man eine Band ist. Wir haben unsere sehr offene und ehrliche Art zusammen Musik zu machen.
Die Leute tendieren oft dazu die Musik einer Band mit ihrem/ihrer Sänger/in zu identifizieren, wie empfindest du das? Kann es auch anstrengend sein, immer im Vordergrund zu stehen?
Ich finde, dass es sich gut anfühlt. Vor Little Dragon ich war oft die Gaststimme für andere Projekte, da wollte ich die Band auch nicht unbedingt repräsentieren, weil ich eher ein Instrument war. So gesehen, ist es sehr schön für mich. Ich denke die Jungs nehmen dafür ziemlich viel Raum ein, wenn wir live spielen. Sie sind nicht nur im Hintergrund.
Dein Vater kommt ursprünglich aus Japan, deine Mutter aus Amerika, aufgewachsen bist du in Schweden, was für eine Beziehung hast du zu Japan und Amerika? Oder fühlst du dich nur schwedisch?
Ich habe an beiden Orten Familie, aber ich habe vermutlich die stärkere Bindung zu Amerika, weil meine Mutter, meine Schwester und meine Grosseltern dort wohnen. Deshalb gehe ich auch öfters hin, einige Male pro Jahr. Zu einem Zeitpunkt ging ich oft nach Japan, jetzt war ich aber schon lange nicht mehr dort. In Schweden sehen mich viele als Japanerin, ich weiss nicht wieso, aber japanisch fühle ich mich am wenigsten. Am ehesten fühle ich mich einfach schwedisch.
Text und Interview: Florence Ritter

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