Tour de Cola
Passend zu Tin Fischers Cola-Odyssee durch die Schweiz im aktuellen Heft, wollen wir euch hier die Möglichkeit geben, diese kleine Pilgerwanderung zu den Heimatorten der verschiedenen Indie-Cola-Brands nachzulaufen bzw. –fahren. Wer sich selbst also in unmittelbarer Zukunft ebenfalls als Produzent des blubbrigen süssen Gesöffs betätigen möchte und auf diesem Weg nach Inspiration sucht, oder wer ganz einfach am eigenen Leib erfahren möchte, wie sich die Geschmäcker denn nun eigentlich unterscheiden, der sollte unbedingt Tins Route folgen. Tenuevorschläge und Rahmenprogramm inbegriffen…

Eglisau: Vivi Kola
Entgegen der Behauptung im Artikel, hat Eglisau weder eine abschliessbare Stadtmauer, in der die Einwohner eingesperrt werden, noch hatte jemand mit dem Gedanken gespielt, Christian Forrer in ein Fass zu nageln und in den Rhein zu stossen, weil sein neues Vivi Kola anders schmeckt als das alte. Eglisau ist – wenn nicht gerade das alljährliche Drachenbootrennen stattfindet – ein zivilisiertes Städtchen, das nach eigenen Angaben "in den letzten 50 Jahren eine ruhige Entwicklung" erlebt hat. Man kann sich die Aufregung also vorstellen, als plötzlich ein neues Café eröffnete, noch dazu eines mit eigener Cola.
Tour: Weil Eglisau am Rhein liegt und Vivi Kola als Sponsor der Tour de Suisse auch "Rennfahrerbier" genannt wurde, empfehlen wir eine Velotour dem Rhein entlang. Von Schaffhausen nach Eglisau sind es gemütliche 30 Kilometer. Wie es ist, mit dem Velo von Zürich nach Eglisau zu fahren? Nun, man kommt am Flughafen vorbei und fährt durch Bülach…
Tenue: Wer durch die halbe Schweiz fährt, um eine alte Cola zu trinken, sollte sich entsprechend kleiden. Unser Autor trug eine Nadelstreifenhose, ein Ledertäschchen und Lederhalbschuhe, womit er sich perfekt ins hölzerne Interieur des Vivi-Cafés integriert hatte. Aber auch Velorennfahrer-Trikots passen gut.
Gontenbad: Goba Cola
Unser stellvertretender Chefredakteur behauptet ja, ein Appenzeller zu sein, weil er Wurzeln in Herisau hat. Das ist natürlich grotesk, einen Ort, der seinen Kreisel als sein "attraktives Zentrum" bezeichnet, zum Appenzellerland zu zählen. Das echte Appenzellerland – das mit den Gnomen, Zwergen, Elfen, Feen, Einhörnern und Kühen – beginnt erst, wenn man aus Herisau, diesem Loch, raus ist. Erfunden hat es Gabriela Manser, die in Gontenbad eine Getränkefabrik betreibt, nämlich die sagenumwobene Mineralquelle Gontenbad mit dem (zumindest in der Ostschweiz) oft getrunkenen Holunderwasser Flauder. In diesen Monaten hat das Unternehmen eine "Goba Cola" auf den Markt gebracht, die Cola aus der Welt, in der Schmetterlinge Bären küssen (und umgekehrt).
Was tun? Die Mineralquelle Gontenbad bietet Betriebsbesichtigungen an. Ob man so was bei einem Betrieb, über den mehr Geschichten erzählt werden als über den Wiener Wald, absolvieren will, muss jeder für sich selbst entscheiden. In der nahegelegenen Schaukäserei von Stein ist die "Entmythisierungsgefahr" vielleicht kleiner.
Südlich von Gonten erhebt sich ausserdem der Alpstein und nördlich die Hundwiler Höhe, ersteres ein veritables Kleingebirge, zu dem eine Seilbahn hochfährt, und letzteres ein gemütlicher Zwergberg, den man zu 90 % mit dem Auto bestreiten kann. Wir lassen uns also Zeit mit der Abklärung, ob es oben ebenfalls Goba Cola gibt.

Winterthur: Hako Getränke
Winterthur ist eine Stadt, die einem immer wieder die eigene geistige Beschränktheit vorführt. Das beginnt beim ersten Ausflug ins Technorama, wo du dich auf dem Heimweg fragst, was dieser Spiegel mit deinem kleinen Körper bloss angerichtet hat und warum du nicht kapierst, wie er dich so verzerrt hat. Später besucht du das Casinotheater und auf dem Heimweg verachtet dich deine Familie, weil du nie gelacht hast. Du verteidigst dich, dass das doch nicht deine Schuld sei. Aber sie sagen nur: "Es ist auch eine Frage der Einstellung".
Es gibt also Vorzeichen, die dafür sprechen, dass du dich auch im Hako Getränkemarkt blamieren wirst, wenn du glaubst, dass du Cola von Cola unterscheiden kannst. Hako verkauft sie alle: Afri-, Fritz-, Vita-, Palma-, Vivi- und Mate-Cola. Wer prüfen will, ob an unserer Behauptung, dass sie eh alle gleich schmecken, etwas dran ist, der komme hierher und degustiere. Aber wir bleiben bei unserer These: Den Cola-Blindtest besteht nur, wer bloss eine Cola im Test hat und schon im Voraus weiss, wie sie heisst. Bei der zweiten fühlst du dich wie damals vor dem Spiegel im Technorama.
Hako steht übrigens nicht für den Namen eines Riesen, sondern für "Handelskollektiv". Ironischerweise hat der kollektivistisch organisierte Getränkeladen nur eine Cola nicht im Sortiment: Die kollektivistisch organisierte Premium (von der wir geschrieben haben, sie habe 500 Sprecher; es sind allerdings nur 44, ist also noch Platz für neue!). Vom Blind-Test soll das niemanden abhalten. Premium hat das fast gleiche Rezept wie Afri. Eine Falle weniger.
Text: Tin Fischer
Illustration: Anne Vagt

Kommentare (2)
Die beste Falle ist immer die, in die man 2x tappt :-)...... http://www.ipremium.de/startseite.htm
von markus am 15.11.2010 22:05