The Redneck Manifesto
The Redneck Manifesto geben es zu: Sie schreiben ihre Musik einzig und allein für sich selbst und haben der Welt auch sonst nicht viel zu sagen mit ihrem instrumentalen Sound, der trotz allen Eigennutzes irgendwie inspirierend klingt. Gitarrist Matthew Bolger plaudert fürs kinki über alte Jungfern, Gesang und tiefe Freundschaft. Und verrät, warum „The Redneck Manifesto“ trotz allem nicht egoistisch sind. Ein Portrait.

Euer neues Album heisst „Friendship“. Drauflosgeraten: Der Name spielt auf ein gutes Klima innerhalb der Band an?
Stimmt natürlich. Neunzig Prozent des Titels beziehen sich auf unsere fast brüderliche Freundschaft, immerhin sind wir seit 12 Jahren The Redneck Manifesto. Die Band würde heute nicht mehr existieren, wenn wir uns nicht so gut verstehen würden. Und die restlichen zehn Prozent der Namenswahl? Naja, der Sound des neuen Albums ist typisch für uns, auch „klassisch“, klingt dabei ein wenig wie aus den 70ern und im Grossen und Ganzen fast ein wenig altmodisch: Wir wollten keine digitalen Elemente darin. Passend dazu ist „friendship“ ein klassischer Titel für ein Album. Und er klingt einfach gut.
Ihr veröffentlicht nicht sehr viele Platten, „Friendship“ hat vier Jahre auf sich warten lassen. Ist die Band eine Art Hobby für Euch oder würdet ihr gerne von Eurer Musik leben können?
The Redneck Manifesto ist vielleicht eine Art Organisation, eine Gruppe halt, aber sicher kein „Hobby“, dafür sind wir uns gegenseitig viel zu wichtig. Freunde sind keine „Freizeitbeschäftigung“. Aber natürlich macht uns das Spielen so viel Spass wie jedes Hobby auch, ich liebe es.
Was das Finanzielle betrifft, ist es niemals unser Ziel gewesen, gross Geld zu scheffeln mit The Redneck Manifesto. Wir wollen Musik machen, sonst nichts. Was die Band abwirft stecken wir in neue Alben und Tourneen. Hätten wir vor allem Geld im Kopf, würde uns das unter Druck setzten und wohl auch die Entfaltung der Musik zerstören. Aber natürlich wäre es schön, wenn plötzlich so viele Leute unsere Alben kaufen würden, dass wir davon leben könnten.
Im Moment verdienst Du Deine Brötchen aber mit Design. Könntest Du Dir im Falle des grossen Erfolges vorstellen, diesen Job aufzugeben?
Nein, Design ist für mich, wie Musik, auch eine Art Kunst. Ich könnte weder ohne Musik noch ohne Design leben. Unmöglich.
Du lebst in Schweden, Niall in San Francisco und der Rest der Band in Dublin. Ist es nicht fast unmöglich, gemeinsam in einer Band zu spielen wenn man nicht einmal im selben Land lebt?
Nein, es funktioniert zum Glück ziemlich gut. Ich bin ja erst vor zwei Jahren nach Schweden gezogen, da hat die Band bereits seit zehn Jahren existiert und es bestand keine Gefahr, dass sie meinetwegen draufgehen könnte. Niall lebt auch erst seit acht Monaten in San Francisco. Wenn wir proben, dann intensiv: Bevor wir „Friendship“ aufnehmen konnten, mussten wir uns drei Wochen lang im Proberaum einkerkern…
The Redneck Manifesto: Warum nennt ihr Euch so? Seid ihr politisch engagiert?
Wir sind alle an Politik interessiert. Aber nicht, wenn es um unsere Musik geht. „The Redneck Manifesto“ war der erste Name, der uns allen gefallen hat. Er klingt gut. Das ist alles.
Euer Name soll dem Publikum also nichts mitteilen. Wie steht es mit Eurer Musik?
Da ist es genau das Gleiche. Unsere Musik steht für sich alleine. Sie hat keine ungeheuer wichtige Botschaft, die wir unserem Publikum mitteilen wollen. Wir machen unsere Musik ja auch für uns selbst…
…das klingt jetzt aber ein bisschen egoistisch. Wie wichtig ist Euch denn Euer Publikum?
Egoistisch? Nein, auf keinen Fall. An einem Konzert ist das Publikum das Allerwichtigste. Wenn wir etwas schreiben, machen wir uns deshalb natürlich Gedanken, wie der Song live klingen wird. Aber man kann als Band keine Musik fürs Publikum schreiben. Man schreibt sie für sich selbst. Würden wir unsere Musik nur für andere schreiben, würden wir bald nicht mehr wie The Redneck Manifesto klingen. Das ist es doch, was eine Band ausmacht: Ihr eigener, selbstbestimmter Sound. Nicht der, den sich das Publikum wünscht.
Eure Musik ist „nur“ instrumental. Mögt ihr keinen Gesang? Oder könnt ihr vielleicht gar nicht singen?
(Fast etwas beleidigt) Doch, wir mögen Gesang sehr gerne und singen können wir auch. Fast alle von uns waren früher die Sänger ihrer alten Bands – danach haben wir eine Gesangspause gebraucht und einfach zusammen spielen wollen. Immerhin singen wir ja auch alle in unseren Soloprojekten. Bis jetzt hat unsere Musik auch ohne Gesang immer vollständig geklungen. Sollte das irgendwann nicht mehr der Fall sein hätten wir kein Problem damit, zu singen.
Soviel zur Zukunft. Zu Vergangenem: Wie habt ihr Euch seit Eurer Gründung entwickelt?
Sehr stark. Wir haben uns gegenseitig beeinflusst. Ich würde nicht so Gitarre spielen wie ich es heute tue wenn ich nicht mit Niall zwölf Jahre in derselben Band dasselbe Instrument gespielt hätte. Er füllt die Lücken auf, welche ich offenlasse und umgekehrt. Und wir wissen jetzt auch, wie wir unsere Musik produzieren machen damit es gut tönt.
1998, als wir die Band gegründet haben, das war eine andere Zeit und wir andere Menschen…ja, wir haben uns stark verändert.
Letzte Frage Matthew, nur aus Neugierde: Wie haben Deine musikalischen Anfänge ausgesehen?
Uff, meine Eltern haben mich und meinen Bruder seit ich fünf Jahre alt war zu Klavier und später Gitarrestunden gezwungen. Wir haben immer versucht, daraus zu entkommen. Dazu sind wir durch Hecken gekrochen und über Mauern gesprungen. Unsere Lehrerin war eine langweilige alte Jungfer und zu Hause hatten wir einen Commodore 64, ein super Spielzeug. Damals wussten wir ja noch nicht, dass unser Leben heute ohne Musik schrecklich anders aussehen würde. Auch mein Bruder ist beim Gitarrespielen geblieben, er ist in einem klassischen Quartett. Also schickt Eure Kinder in den Instrumentalunterricht, auch wenn sie Euch im Moment dafür hassen werden.
Ab September 2010 touren die fünf Iren durch Japan. Uns bleibt die Hoffnung auf eine baldige Europa-Tournee danach.
Interview: Laura Studer
Foto: Promo

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