Stéphanie Lafargue
Von Basel nach Paris – die Modedesignerin Stéphanie Lafargue ist schnellen Schrittes auf dem Weg, einen landauf, landab erträumten Wunschberuf zu ergreifen: Modedesignerin. Nach ihrem Bachelor-Abschluss in der Schweiz und Praktika in New York studiert sie mittlerweile am ehrwürdigen Institut Français de la Mode in Paris. In diesem Jahr bekamen 18 talentierte Jungdesigner aus 14 Ländern die Möglichkeit, das Programm zu absolvieren und mit Marken wie Chanel und Gucci zusammenarbeiten...
Wir zeigen euch einige Ausschnitte von Stéphanies frisch fertiggestellter Diplomkollektion und haben uns mit ihr über französischen every-day-chic und Frauen mit Schnauzern unterhalten.



Basel, New York, jetzt Paris – wo hat es dir am besten gefallen? Und wo hast du am meisten für dein Handwerk gelernt, wo war der kreative Input am grössten?
New York war eine tolle Erfahrung! Allerdings konnte ich mir bereits während meiner Praktis nicht vorstellen, dort zu arbeiten. Ich empfand die Auseinandersetzung mit Design oft als etwas zu ungenau, zu schnelllebig für meinen Geschmack. Zeitlich gesehen war ich natürlich am längsten in Basel. Den grössten Teil meiner Ausbildung habe ich dort absolviert und ich finde, dass dort auch die ausschlaggebende Entwicklung stattgefunden hat. Gleichzeitig war es manchmal aber schon etwas frustrierend, meine Ausbildung in der Schweiz zu machen, da die Mode einfach (noch) nicht so präsent ist wie in anderen Ländern oder Städten. Ich hatte oft das Gefühl, dass das, was ich studiere, ausserhalb des Instituts nicht wirklich existiert... Paris finde ich diesbezüglich spannender!
In welcher der drei Städte kleiden sich die Menschen denn am besten?
Die Kombination zwischen Tradition und Innovation ist typisch für Paris und auf der Strasse sowie in den Modehäusern sehr präsent. Ich kann mich damit persönlich identifizieren und sehe die Weiterentwicklung dieser Grundelemente als spannende Herausforderung. Ausserdem gefällt mir der every-day-chic der Franzosen. Somit würde ich sagen, dass für mich Paris am besten passt, was natürlich nicht heisst, dass die Leute hier am besten gekleidet sind. Es fehlt hier oft ein bisschen an Radikalität.
Wie wichtig ist die eigene Umgebung, der Aufenthaltsort überhaupt für das kreative Schaffen einer Modedesignerin? Kann es auch einen "Overkill" an Einflüssen und Inspirationen geben?
Ich denke, es ist wichtig, Aspekte wie persönliche Ambitionen in der Mode, den eigenen Stil, persönliche Stärken, aber auch das Wohlbefinden ausserhalb der Modewelt in die Wahl des Berufsortes einfliessen zu lassen. Die Stimmung und das eigene Empfinden eines Ortes fliessen meiner Meinung nach immer ins Design.
Konsequenterweise müssten deine nächsten Stationen Mailand und London heissen, oder?
Da ein grosser Teil der Produktion französischer Modehäuser in Mailand stattfindet, ist Mailand bereits eine gelegentliche Haltestelle. In Bezug auf Design kann ich mich mit Italien allerdings weniger identifizieren. Abgesehen von Prada fällt es mir schwer, Bezug zum italienischen Design zu finden. London hingegen fasziniert mich definitiv und könnte tatsächlich meine nächste Station werden. Zur Zeit ist es für mich allerdings noch zu früh, um meine Koffer wieder zu packen.
Du hast ein Praktikum bei Chloé absolviert und mit Chanel und Gucci zusammengearbeitet – hemmt die Tradition dieser Häuser die eigene Kreativität oder verleiht sie ihnen eher Flügel?
Sie verleiht Flügel!!! Mir macht es Spass, mich in die Universen der verschiedenen Modehäuser hineinzufühlen und deren Codes neu zu interpretieren. Die Tatsache, dass eine gewisse Handschrift respektiert werden muss, sehe ich einerseits als hilfreiche Rahmenbedingung und andererseits als spannende Herausforderung. Die Tradition dieser Marken sowie deren Grösse öffnet zudem die Türen zu einem über Jahrzehnte hinweg entwickeltem Savoir-Faire und bietet die Möglichkeit, in erster Linie ans Design zu denken und erst dann an den dafür nötigen Aufwand.
War bei deinen Stationen schon ein potentieller Traumarbeitgeber dabei?
Vielleicht...
Deine aktuelle Kollektion "Moustache" trägt den Untertitel "Magalie is getting hairy" – wie hängt der Schnurrbart mit femininer Kleidung zusammen?
Mit Moustache wollte ich mehrere Dinge aufzeigen: Es ging mir darum, eine witzige Idee auf elegante Weise umzusetzen. Der Titel soll die Leute schmunzeln lassen, die Keider nicht. Am wichtigsten ist mir aber zu zeigen, dass das Spiel mit den Geschlechtern mit Schulterpolstern und Anzugsinterpretationen noch lange nicht zu Ende ist. Ich finde die Idee spannend, dass eine Frau mit Schnauz oder Bart interessanter und attraktiver wirken kann als ein Mann mit Bart. Und vor allem wird die Frau dadurch nicht androgyn, sondern noch weiblicher.
Wo und wie möchtest du nach deinem Abschluss arbeiten?
Ich denke, für das kommende Jahr wird’s bei Frauen prèt-à-porter bleiben. Ich wünsche mir einen Platz in einem tollen Team zu finden, wo das Arbeiten Spass macht und herausfordert. Ich möchte mich mit der Marke, für die ich arbeite, identifizieren können und meine Ambitionen ausleben. Vorerst stehen französische Modehäuser ganz oben auf der Wunschliste aber zwischendurch gibt’s schon auch den ein oder anderen Gedanken an die Selbstständigkeit...
Credits
Interview: Bastian Steineck
Bilder: Stéphanie Lafargue
MOUSTACHE
Lejla Hodzic (Model, braune, kurze Haare)
Leona Sigrist (Model, blonde, lange Haare)
Anina Maria Reichmuth (Model, blonde, lange Haare, Fotos auf Sofa)
Michael Koritschan (Fotograf)
Eddine Belaid, Aveda Exclusive Salon
Markus Ramseier (Nägel)
MOUSTACHE
Lejla Hodzic (Model, braune, kurze Haare)
Leona Sigrist (Model, blonde, lange Haare)
Anina Maria Reichmuth (Model, blonde, lange Haare, Fotos auf Sofa)
Michael Koritschan (Fotograf)
Eddine Belaid, Aveda Exclusive Salon
Markus Ramseier (Nägel)
A VIEW THROUGH A FEATHER
Deborah Wicki (Model)
K-Pony Basel (Hair & Makeup)
PROCESS THIS
Valentina Neumeister (Model)
K-Pony Basel (Hair & Makeup)

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