Step aside for Pontus Alv!

Seit mehreren Jahren macht der wilde Skandinavier nicht nur durch sein kreatives Skaten und seine ausgefallenen Skatepark-Projekte (z.B. "Steppe Side") auf sich aufmerksam, sondern auch durch Fotos und Kurzfilme. Mit "Strongest Of The Strange" hat Pontus nun seine erste DVD veröffentlicht und damit einen Spagat zwischen knallhartem Skateboarding und fast schon performancehafter Videokunst gewagt. Mit Erfolg, wie es scheint, denn der Film geniesst in der Fachpresse hervorragende Kritiken, sowohl in Europa als auch in den Staaten.
Inspiriert wurde das eher düstere Werk von einem Charles-Bukowsky-Gedicht und schon der Vorspann des Films lässt erahnen, dass diese DVD weit über das übliche "Jeder zeigt sein Trickrepertoire" hinausgeht: in langen Unterhosen und mit Gasmaske im Gesicht stolpert Pontus um einen Picknicktisch, untermalt wird das Ganze von einem jiddischen Volkslied. Wenn der Regisseur dann auch noch sein bestes Stück in die Kamera hält, ist die Verwirrung komplett. Um zu verstehen warum Pontus tut, was er tut, sollte man wissen, dass der eigenwillige Schwede nur das tut, was er will.
Back to Malmö
Pontus wuchs in Malmö auf, entdeckte früh seine Leidenschaft fürs Skateboarding und träumte natürlich wie jeder junge Skater von einer Karriere als Profi im sonnigen Kalifornien. Allerdings war Pontus' Kindheit geprägt von einem schweren Schicksalsschlag, denn im Alter von zehn Jahren verlor er seinen Vater Torsten, bei welchem er seit der Scheidung seiner Eltern gelebt hatte. "Mein Vater beeinflusste meine ganze Persönlichkeit, im Guten sowie auch im Schlechten. Er war ein sehr spezieller Mensch und prägte mich als Person und meine Art zu handeln", meint Pontus nachdenklich. Torsten litt an einer seltenen Muskelkrankheit, die ihn innerhalb weniger Monate vor den Augen seines Sohnes dahinraffte.

Mit neunzehn Jahren zog es Pontus dann wirklich nach Kalifornien, wo er als Skate-Pro für Mad Circle das erreichte, was er sich seit Jahren gewünscht hatte: Pontus konnte endlich vom Skaten leben. Allerdings merkte er ziemlich bald, dass der Traum sich in Wirklichkeit etwas anders anfühlte, als er gehofft hatte. In Kalifornien warteten nicht nur unendlich viele Spots und ewig gutes Wetter auf ihn, sondern auch Verpflichtungen wie Video-Deadlines, Contests und haufenweise Papierkram. Nun habe ich ja bereits erwähnt, dass Pontus nicht unbedingt der Mensch ist, der sich mit seiner Lage zufrieden gibt, wenn er damit nicht wirklich zufrieden ist. So flog er also zurück nach Europa, wo er – nachdem er auch seinen letzten Boardsponsor Cliché-Skateboards aufgegeben hat – nun Skateparks plant und baut, Filme macht und natürlich weiterhin so viel skatet, wie er eben kann. "Ich habe einen ziemlich starken Willen. Wenn ich nicht zufrieden bin mit etwas, versuche ich, das zu erreichen, was ich wirklich möchte", antwortet er auf die Frage, ob er ein Mann der Prinzipien sei. "Früher war das zwar noch viel schlimmer, ich machte nur das, was ich wirklich wollte. Natürlich ist das nicht immer der beste Weg, aber diese Art führte mich dorthin, wo ich heute stehe. Es hat sich also bewährt für meine Ziele zu kämpfen. Heute gehe ich die Dinge ein bisschen relaxter an."
Uncorporated for life
Ob Pontus einen neuen Boardsponsor finden wird, hängt höchstwahrscheinlich davon ab, ob er selbst eine Firma auf die Beine stellt oder nicht: "Natürlich habe ich schon daran gedacht, meine eigene Company zu starten, das wäre ein logischer nächster Schritt in meinem Leben. Allerdings müsste ich dann jemanden finden, der sich um die finanzielle Seite kümmert. Eine Firma aufzubauen ist extrem aufwendig, ausserdem weiss ich ja auch nicht, ob die Leute meine Bretter kaufen würden." Noch wahrscheinlicher ist aber, dass Pontus der Arbeit hinter der Kameralinse treu bleiben wird. Allerdings sieht er sich selbst nicht als Künstler oder Teil einer Kunstszene, auch wenn seine Fotos und Filme weit über die reine Dokumentationsebene hinausreichen. "In meinem Herzen bin ich einfach ein Skateboarder! Aber ich suche ständig nach neuen Wegen um mich auszudrücken. Sei dies nun auf dem Skateboard, durch Fotos oder hinter der Videokamera. Es gibt so viele Dinge, die mich interessieren: Architektur im Allgemeinen, neuartige Skateparks zu planen und zu bauen macht mir zum Beispiel sehr viel Spass. Ich würde auch gerne mal Skulpturen oder so was in der Art anfertigen. Ich habe also keine Ahnung, was genau ich als nächstes tun werde, aber im Moment konzentriere ich mich sicherlich auf meinen nächsten Film."
Nach seinem Trip nach Stockholm, wo er für sein aktuelles Projekt filmt, wird er sich als erstes im von ihm entworfenen und soeben fertiggestellten Skatepark am Strand von Malmö austoben. Wohin auch immer es den eigenwilligen Schweden danach verschlägt, ob in eine Dunkelkammer, eine Bar, eine Galerie, oder vielleicht sogar noch mal in ein Paar lange Unterhosen... sicher ist, dass er auch weiterhin genau das tun wird, was er will. Und das ist gut so!
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Text: Rainer Brenner
Fotos: Alexis Zavialoff

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