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Beat! Beat! Beat!: Smells Like Dorfjugend

Am 18.10.2010 2 Kommentare
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Kaum ist die erste Single veröffentlicht, lassen die musikalischen Vergleiche nicht lange auf sich warten. Für die vier Jungs von Beat! Beat! Beat! hätte es da durchaus schlimmer kommen können: Als "die Foals aus Viersen" adelte das UK-Magazin NME das Quartett, das zusammen keine 80 Jahre alt ist und mit dem Album "Lightmares" den nächsten Versuch einer deutschen Indierockband unternimmt, den vorab verliehenen Lorbeeren gerecht zu werden. kinki Autor Bastian Steineck sprach mit Sänger Joshua über Dorfpunks, Heimatverwurzelung und den Teen Spirit.


kinki magazine: Verfolgt ihr, was im Internet über euch geschrieben wird?
Joshua: Alle paar Monate googeln wir uns selbst. Schon witzig, mit welchen anderen Bands man dann in einem Blog erwähnt wird. Obwohl wir selber noch Jugendliche aus Deutschland sind, stehen dann da Indie-Bands aus den USA, die wir selber gerne hören, das ist ganz schmeichelhaft.

Wenn man euren Bandnamen bei Google eingibt, ist der zweite Vorschlag der Filehoster Rapidshare, bei dem man sich eure Musik illegal runterladen kann. Andererseits hat euch das Internet das Bekanntwerden erleichtert, vielleicht sogar erst ermöglicht. Fluch oder Segen?
Rapidshare ist der zweite Treffer? Krass. Trotzdem ist das Internet zu hundert Prozent ein Segen. Wir sind vom Dorf, aus der Kleinstadt – ich komme aus Mönchengladbach, die anderen drei aus Viersen. Dass wir so schnell bekannt wurden, ohne aus Hamburg oder Berlin zu sein, haben wir nur dem Internet zu verdanken.  Wir waren nicht gezwungen, uns lokal einer Szene anzuschliessen oder die richtigen Leute in irgendwelchen Clubs kennenzulernen. Als wir unsere Seite hochgeladen haben, war Myspace ja noch total das große Ding. Darüber lief alles.

Und Viersen war indiefreie Zone?
Ja, das ist verkehrte Welt hier! Im Vergleich zu Berlin ist natürlich alles kleiner und hinkt weiter hinterher. Hier hört die Jugend Punk, Metal und Hardcore, eventuell noch Hip-Hop. Mittlerweile spielen wir eigentlich nur noch in den grösseren Städten, nicht mehr in Viersen. Als wir hier angefangen haben, hat das viele Leute auf den Plan gerufen, die das scheisse fanden, für die das seichte Musik war. Es war kein Geschreddere und kein Geschreie, das war schon sehr exotisch. 

Haben sich die Reaktionen in Viersen verändert, seitdem ihr bekannter seid?
So bekannt sind wir hier immer noch gar nicht, ich werde auch nicht auf der Strasse angesprochen, nur in der Schule. Das ist alles eher verhalten. Es gibt eine Handvoll Leute aus Viersen, gar nicht mal unbedingt enge Freunde, die auch mal nach Düsseldorf zu einem Konzert von uns fahren.

Glaubst du, eure Heimat ist einer der Gründe für euer Bekanntwerden, weil sich Viersen in der Band-Biographie spannender liest als Berlin?
Auch das ist mehr Segen als Fluch, weil man uns nicht gleich in eine Schublade stecken kann. Das ist eben anders als in Hamburg oder Berlin, es gibt ja keine "Viersener Schule", weil davor hier einfach nichts war. In Berlin lernt man zwar Leute kennen, aber als Band bist du eben auch nur eine von vielen. Hier in der Ecke waren wir irgendwie die bunten Hunde, obwohl unser Sound ja gar nicht mal so abgefahren ist. Ich denke, wir hätten auch voll auf die Schnauze fliegen können, auch weil wir so jung sind, aber im Nachhinein hat uns das total gepusht – diese Internetgeschichte, und dass wir eben nicht aus einer grossen Stadt kommen. 

Hält euch das langfristig davon ab, in die Hauptstadt zu ziehen?
Vo zwei Jahren hatte ich das noch ganz fest geplant, mittlerweile bin ich mir nicht mehr so sicher.  Ich bin Fan davon, wenn’s ein bisschen kleiner ist, Nordrhein-Westfalen ist auch ganz gut.  In Berlin tut man sich wahrscheinlich nicht so sehr hervor, aber den Drang hatten wir ohnehin nie. Es war mehr die Musik, die wir machen wollten. Die Leute würden nie sagen: "Das sind Beat! Beat! Beat! aus Berlin", dafür sind wir schon zu sehr als Dorfjugend etabliert. Wenn Leute uns kennen, dann kennen sie auch immer die Überschrift "die Foals aus Viersen", das ist schon in den Köpfen drin.

Wohnt ihr denn noch in Viersen?
Ich bin von Zuhause aus- und mit einer Freundin zusammengezogen, von Mönchengladbach nach Viersen, Moritz macht noch seinen Zivildienst hier. Aber es ist wirklich nicht so spritzig hier, man kann auch abends nicht weggehen.


Wie wichtig ist dir deine Heimat?
Viersen ist gefangen in seiner Mittelmässigkeit, weder Dorf noch Land, aber auch keine Stadt. Das ist eine ganz frustige Geschichte, auch die Leute sind frustriert. Wenn ich mein Abi habe, bin ich hier weg, das ist ja nach 19 Jahren auch an der Zeit. Deswegen ist die Band ja auch so ein riesiger Glücksfall. Ich werde immer gerne zurückkommen, nur wohnen will ich hier nicht mehr. Aber ich finde es cool, wenn ich meine Eltern hier besuchen kann und selbst in Hamburg oder Berlin wohne – mal ein Wochenende im Haus am Feld verbringen, als Ruhepol auf dem Land. 

Merkt man denn bei Konzerten, wie es um die Indie-Szene in der jeweiligen Stadt  steht?
Klar! In Görlitz, an der deutsch-polnischen Grenze, haben wir mal vor 20 Leuten in einem besetzten Haus gespielt: zehn Skinheads und zehn kleine Indie-Mädchen mit Röhrenjeans. Wenn du nach Berlin kommst, merkst du, dass die Leute sich mehr damit beschäftigen, schon an den Klamotten: In Viersen haben dann 30 Leute ein Slipknot-Shirt an, in Berlin tragen sie Polohemden von Ben Sherman. Im Osten sind die Leute schon mehr drin in der Indie-Materie.

Es ist noch nicht lange her, dass ihr Konzerte als Fans besucht habt.
Wir sind noch nicht so routiniert, dass wir das alles als Arbeit ansehen. Ich bin freudig aufgeregt, weil es neu ist. Diese Sache wäre nicht möglich, wenn wir nicht in der Schwebephase vom Schule zu Studium oder Ausbildung wären und die Zeit hätten, uns einfach ein, zwei Jahre diese Unbeschwertheit zu leisten. Wenn wir dann nicht davon leben können, müssen wir uns eben einen anständigen Beruf suchen. Und wir sind noch jung – wenn wir mit 25 an diesem Punkt wären, einer hätte schon seine Freundin geschwängert, müsste man natürlich abwägen.

Ist überhaupt noch Platz am Indie-Markt, wenn man nicht eben mal einen komplett neuen Sound erfindet?
So strategisch sind wir gar nicht. Es kommt schon mal vor, dass wir im Proberaum merken, dass das an irgendeine andere Band erinnert. Wir sind ja nicht frei von aktuellen Einflüssen, das kann man auch nicht leugnen. Man hat ja nicht nur alte Vorbilder. Es ist eben sehr schwierig, sich hervorzutun und gleichzeitig Teil von irgendetwas zu sein. Da existieren ultraviele Ebenen: Bloc Party ist im Grunde genauso sehr Indie wie eine Band, die total noch Lo-Fi klingt. Ich bin mir nicht sicher, ob man da zwischen Indie und Indie unterscheiden muss.


Ihr kokettiert mit der Tatsache, dass ihr "blutjung" seid. Werdet ihr deshalb anders wahrgenommen?
Das ist schwierig zu sagen, auf jeden Fall erzeugt es Aufmerksamkeit. Mir fällt es so richtig auf bei älterem Publikum ab 30, weil wir ja auch viele sehr junge Leute auf unseren Konzerten haben. Die älteren gehen viel mehr darauf ein und erzählen dir Sachen wie: "Als ich 19 war, hab ich auch in einer Keller-Punk-Band gespielt!" Wir kennen viele Leute, die auch jung Musik gemacht haben, bei denen das aber nie über die Stadtgrenzen oder den Proberaum hinausging. Für diese Leute ist das dann mehr Thema als für uns selbst. 

Auf Myspace verkündet ihr, derzeit "grosse Pläne" zu schmieden. Wovon träumst du?
Erstmal will ich ein gutes Abitur schreiben, damit ich was Anständiges studieren kann. Und ich hoffe, dass es mit der Band weiter diesen steilen Verlauf nimmt, ohne irgendwann steil abzubrechen. Das wäre schlimm. Ich denke oft darüber nach, was passiert, wenn wir studieren. Wir vier sind mittlerweile wie Brüder und könnten auch in ein Haus ziehen und es wäre eher brüderlich als wie in einer WG. 

In Viersen oder Berlin?
In Berlin hoffentlich. Ich werde mal die anderen anhauen, vielleicht besetzen wir da ein Haus oder so.


Beat! Beat! Beat! mit ihrem Song "We are Waves"

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Interview und Text: Bastian Steineck
Fotos: Promo
Tags: indie, video, we are waves, beat beat beat

Kommentare (2)

  • Besetzen wir da ein Haus oder so :D

    von Max am 29.12.2010 11:04

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