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Sagenhaft bescheuert: Heinz Strunk

Am 27.7.2009 1 Kommentare
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Heinz Strunk

 

Mathias Halfpape weiss selber nicht mehr wie er auf "diesen sagenhaft bescheuerten Namen" Heinz Strunk gekommen ist. Als solcher bringt er jedoch schon seit Jahren seinen verschrobenen Humor an die Leute. In seinem letzten humoristischen Wurf "Fleckenteufel" geht es nicht nur um hormonelle Verstopfungen, sondern auch um andere Luken, "die seit zwo Tagen dicht sind". Dazu kommen etliche andere Probleme, mit denen der sechzehnjährige Thorsten im christlichen Ferienlager zu kämpfen hat. Ob als Musiker und Telefonscherzer beim Trio Studio Braun, als Fleischmann auf Viva, als Schöpfer von Titeln wie "Der Schorfopa" oder "Fleisch ist mein Gemüse" als Schriftsteller - Heinz Strunk ist vielbeschäftigt. Auch damit alle an der Nase herumzuführen. Ob er es auch dieses Mal wieder getan hat? 

Wieso bist du so im Stress, rauben dir deine neuen Projekte so viel Zeit?

Ich habe immer diverse neue Projekte, wobei ich das Wort Projekt eigentlich nicht mag, da es impliziert, dass aus Projekten nichts wird. Ich diesem dem Fall finde ich es sprachlich angemessener das Wort Vorhaben zu benutzen, denn Vorhaben werden auch realisiert. Ich bin  relativ viel unterwegs auf Tour. Ich bin immer eine Woche unterwegs und eine Woche in Hamburg. Wenn ich in Hamburg bin ist es aber nicht so, dass ich immer nur meine Vorhaben betreibe, sondern ich gehe in erster Linie sehr viel trinken. Das heisst 4 bis 5 Mal in der Woche und das bedeutet dass es dann gerne auch mal bis 6 Uhr morgens geht und ich dann einfach nicht in der Lage bin bereits um 12 irgendwelche Interviews zu geben, dann bin ich einfach fertig.

 

Heinz StrunkDu bezeichnest dich selber als Humorist und nicht als Comedian, und auch dein Buch "Die Zunge Europas" war eine Absage an die derzeitige Comedy-Landschaft Deutschlands. Kannst du den Fernseher überhaupt noch einschalten?
Abgesehen von Comedysendungen schaue ich sehr viel und gerne Fernsehen. Das fängt an bei den RTL Dokusoaps, Trashfernsehen, aber gelegentlich auch viel N24, Viva oder MTV - ich bin also total verwahrlost, ich zappe nur und ich gucke praktisch nie einen Film ganz. Fernsehen ist für mich reine Zeitvernichtung, auf dem Sofa zu liegen, quasi nach so ner Saufnacht und irgendwie so rum zu zappen. Das ist nun mal das Privileg, das ich geniesse, da ich nicht jeden morgen stramm auf der Arbeit stehen muss.

Du hattest früher eine eigene Sendung auf Viva, würdest du das heute wieder machen?
Nein! Ich möchte mit Fernsehen nichts mehr zu tun haben. Fernsehen ist für mich ein Durchlauferhitzer für Scheisse und ich nutze gelegentlich gewisse Fernsehpräsenz um meine Sachen zu verkaufen. Wenn ich eine eigene Sendung machen würde wäre sofort mein ganzes Image weg. Ich gelte ja als cooler und geiler Typ, der nicht käuflich ist. Wenn ich eine Fernsehsendung machen würde, wäre ich eine ganz normale dumme Schranze.

Gefällt dir dieses Image?
Ich gelte glaube ich als cool und gleichzeitig ernsthaft plus sexy, worauf ich besonderen Wert lege. Ich finde es wichtig, dass man mit dem was man macht eine gewisse Sexyness ausdrückt. Ich seh ja auch was für Weiber zu meinen Auftritten kommen. Da bin ich glaube ich auf der sicheren Seite.

Geht es bei deinem Begriff eines Humoristen darum, Lustiges mit Ernstem zu verbinden?
Humor kann auch nur albern sein, auch das funktioniert. Ich in meinem Fall bevorzuge da so ein Wechselspiel zwischen Melancholie und Gags. Das Eine ohne das Andere fände ich langweilig. Es gibt genug Leute, die über depressive Sachen depressiv schreiben, da hab ich keinen Bock drauf, das finde ich irgendwie überflüssig, ich mache das halt so wie ich das bis jetzt in den drei Büchern betrieben habe und das scheint ja auch gut zu funktionieren.

Wieso schreibt man ein Buch wie "Fleckenteufel"?
Weil ich Schriftsteller bin. Das Buch wird ja, wie man an der Covergestaltung unschwer erkennen kann, marketingmässig verkauft. Es ist eine Replik auf "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche. Charlotte kenne ich zum Einen ganz gut und gebe zum Andern unumwunden zu, ich hatte mit dem Thema "Pupsikackiwixikotzi" eigentlich abgeschlossen, ich habe das ja selber 10 Jahre unerfolgreich in Form von Hörspielen betrieben. Ich habe den Moment jedoch zum Anlass genommen um zu beweisen, dass man damit auch Erfolg haben kann.

Ist unsere Welt zu sauber?
In "Fleckenteufel" geht es nicht darum irgendwelche Tabus zu brechen. Es gibt keine Tabus mehr, alle sind schon tausendfach gebrochen und ich finde den Begriff anachronistisch und mittlerweile auch irgendwie unzutreffend. 

Heinz Strunk

 

Verfechtest du damit gewissermassen ein Monopol auf einer solchen Art des Schreibens?
Ich behaupte, dass ich das im Gegensatz zu allen anderen irgendwie ganz lustig machen kann, zumindest literarisch. Da gibt es niemanden, der das so lustig hätte machen können wie ich.

Findest du deine Texte gut?
Ja natürlich, das einzige Kriterium kann ja nur sein ob es mir gefällt. Die ersten Fassungen von "Zunge Europas" waren erschütternd schlecht, da hab ich schon befürchtet ich krieg den Stoff nie in den Griff, es war sehr deprimierend das zu lesen, es war ganz mies. Ich habe mich aber dennoch festgebissen und irgendwann wurde es dann immer besser und mit dem Ergebnis bin ich ganz zufrieden.

Wie verdaust du das Interesse um deine Person?
Ich bekomme schon mit was in den Medien über mich geschrieben wird und komme da auch mehrheitlich gut bei weg, über gelegentliche Ausrutscher ärgere ich mich manchmal schon ein bisschen. Jeder der mich kennt weiss dass ich für Kritik extrem zugänglich bin, aber wenn einer Quatsch erzählt, kann ich damit nichts anfangen.

Text und Interview: Xymna Engel

Photo Credit: Philipp Rathmer

 

Links:

Website von Heinz Strunk

 

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Tags: Interview, magazin nr 16, heinz strunk

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