Rockstars need supermodels (need rockstars)!

Wer sich dabei vor einer bereits bestehenden Band ans Mikrofon stellt, hat kein leichtes Los. Viel schwieriger wird die Sache allerdings wenn es sich dabei um Agyness Deyn handelt, die den Five O'Clock Heroes mit ihren langen Beinen die Schau stiehlt.
Eine durchschnittliche Indie-Band engagiert ein internationales Topmodel als Gastsängerin für einen Song. Diese nimmt dankend an, freut sich über ihre Rolle als Rocksängerin. Eine Rolle, bei der sie ihren Stil und ihre einzigartige Persönlichkeit zur Geltung bringen kann. Der Song floppt. Die britische Presse preist im selben Atemzug die langen Beine der Schönen und zerreisst die Band in der Luft wie einen Plüschhasen im Mixer. Die Band reagiert enttäuscht und verständnislos. Dem Model kann's egal sein. Sie sonnt sich im Scheinwerferlicht, in dem sie wie immer umwerfend aussieht.
Rock'n'Roll-Muse
Niemand erwartet von einem Model, dass es singen kann, vor allem nicht, wenn es sich wie hier um Stil-Ikone Agyness Deyn handelt: Exfreundin und Muse von Designern und Rockmusikern wie Henry Holland, Josh Hubbard oder Albert Hammond Jr. Andererseits hat aber auch kein Mensch Verständnis oder Sympathie für eine Band wie die Five O'Clock Heroes, die einen so unterdurchschnittlichen Song wie "Who" mit den Federn eines Topmodels zu schmücken versucht und sich dann empört und beleidigt von Deyn distanziert, weil sie die ganze Aufmerksamkeit abräumt. "In den Interviews werden wir immer nur nach Agy gefragt. Das kann sehr frustrierend sein, denn eigentlich sollten sich die Fragen um unsere Musik drehen, nicht um Agy und ihre aktuellen Dates und solches Zeug", so Sänger Antony Ellis. Und weiter: "Was mir am meisten auf die Nerven geht, ist, dass Fotos von Agy und der Band oft so zugeschnitten werden, dass die Band gar nicht mehr drauf zu sehen ist – dabei hat sie nur einen Song mit uns aufgenommen." Selber schuld, Antony. Im Video zur Single wird das berühmte Model zwar langweilig, aber mehr als aufdringlich in Szene gesetzt - das stinkt nach "drastic measures", nach dem Kalkül einer Promo-Abteilung oder nach einem ungeschickten Schachzug untalentierter und wenig beachteter Jungs. Denn das Video- oder vielmehr Deyn- ist hübsch anzusehen, aber den Sound kann man getrost ausmachen. Obwohl sie nicht einmal so schlecht singt.
Vom Catwalk auf die Bühne
Die Geschichte der Band könnte banaler nicht sein: Sänger Antony Ellis trifft in einer New Yorker Bar auf Elliott Thompson, "der gerne mal Gitarre spielte, und so spielten sie zusammen. Nach zwei Wochen stieß Nader Khierbek mit seinem Bass dazu und es folgten diverse Drummer in den nächsten Jahren, bis sie in England Sam Embery trafen". (motor.de)
"Es war eine Zeit in New York, in der es das natürlichste der Welt war, in einer Band zu sein", erzählt Antony Ellis über die Bandgründung. Kein Ruch, kein Glamour, kein charismatischer Frontmann – ein dürftiges Startkapital, um in der Indie- und Singer-/Songwriter-Arena Anerkennung zu finden. Und der Trick mit dem befreundeten, scheinwerferlicht-süchtigen Topmodel, das sich gerne als Rock'n'Roll-Braut und Kate Moss-Erbin feiern lässt, hätte auch besser abgeschaut werden können. Denn Königin Moss hat in ihrer Karriere mehrfach und gewinnbringend gezeigt, wie sich durch körperliche Vorzüge die Beliebtheit eines Songs boosten lässt. Man denke nur an ihren Auftritt im Video zu White Stripes' "I just don't know what to do with myself", in welchem sie sich, nur in Unterwäsche und High-Heels räkelnd, um eine Stange schwingt, ihren hübschen Mund nur um den einen lasziven Model-Zentimeter geöffnet. Nicht um zu singen, sondern nur genau so weit, dass ein Finger zwischen die Lippen passt, wie Bruce Darnell seinen Next Topmodels so schön eintrichterte. Unvergessen auch "Je t'aime (moi non plus)" von Serge Gainsbourg und Jane Birkin, deren Gestöhne im Summer of Love die Welt zu einer einzigen erogenen Zone verwandeln konnte. Vierzig Jahre später ist es beispielsweise Juliette Lewis, die das Publikum mit schweisstreibenden Live-Shows, Powerpop und Punk-Attitüde in ihren Bann zieht. Oder First Lady Carla Bruni, die mit einfachstem Gitarrengeklimper und naiv-erotischem Gesäusel einer ganze Nation feuchte Träume beschert. Leider versuchten sich auch Starzicke Naomi Campbell, Schmollmund-Lolita Scarlett Johansson, Doherty-Ex Irina Lazareanu (mit Sean Lennon), L'Oréal-Gesicht Milla Jovovich (mit Plastic Has Memory) und Porno-Sternchen Jenna Jameson (mit der Schweizer Band FAQ) als Sängerinnen – und floppten. Fazit: Frau sollte sich nicht in allen Disziplinen üben. Vor allem dann nicht, wenn sie zu gut aussieht.
"I'd shag her, though"
Die Liste singender Models, Schauspielerinnen und Musen ist lang. Perlen sind darauf selten. Die auffälligste Gemeinsamkeit der Erfolgreichen ist eine Besetzung mit der Klasse eines Rassepferds, die in der Lage ist Songs mit Charme und Substanz zu produzieren, deren Erfolg an der Kasse nicht davon abhängt, ob eine schöne Sängerin auf dem Cover des Albums abgebildet ist. Denn selten ist das singende Model daran schuld, dass ein Album oder ein Song zum Schlag ins Wasser verkommt.

Der New-Wave-Pop der Five O'Clock Heroes ist einschläfernd und langweilig. Zu bemüht die Anleihen bei The Clash, The Who, The Police und dem schon ach-so-abgedroschenen Eighties-Post-Punk. Schon tausend Mal, aber tausend Mal besser gehört.
"The verdict? We're not falling over ourselves to add it to our music collection. But it's not bad". (www.myfashionlife.com)
Oder wie der User shaunyeah in den Comments zum Song-Review auf NME so schön sagt: "Why does this woman think that because she wears a trilby she can sing in a band? What a monotone and annoying voice she has, I'd still shag her though".

Kommentare (2)
die band wird in dem artikel voll runtergemacht...das find ich voll mieß...ich mein:jeder macht ma nen fehler und diese band wollte ma n bissl auffallen mit agy. aber manche leute mögen ihre musik nunmal und sie machen die denk ich mal auch gerne also kann man nich über die musik von denen herziehen weil das geschmackssache is...sonst find ich den text sehr informierend...
von Anonymous am 8.12.2008 19:28