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Im Land der Puppen

Am 28.11.2011 0 Kommentare
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Man kann Shara Worden einiges nachsagen, aber sicherlich nicht Gewöhnlichkeit. Erst die Ausbildung zur Opernsängerin, danach Auftritte mit The National, Sufjan Stevens und Jeff Buckley oder The Decemberists. Als My Brightest Diamond verzaubert Shara seit numehr sieben Jahren die Welt und Ende November eben auch den Papiersaal in Zürich.

 

Kinki traf die feengleiche Miss Worden vor ihrem Auftritt und sprach mit ihr über Strategien, Tragik in Komik zu verwandeln, der Welt von Zeit zu Zeit mit den Augen kindlicher Naivität entgegenzutreten und gemeinschaftliche Regentänze.

 

kinki magazin: Shara, du hast musikalisch ja so ziemlich alles ausprobiert – von Oper bis Rock. Wie würdest du deine Musik beschreiben?

Shara Worden: Bei meiner Musik gehts ums Geschichtenerzählen. Sie ist sehr emotioal und an manchen Stellen auch sehr persönlich. Und je nach Situation ändert sich auch der Sound der Musik. An einem Tag tritt man mit einem Orchester oder einer Kammermusik auf, an einem anderen interpretiert man einen Song solo oder im Rock-Kontext. Ich kann mich wirklich nicht an eine einzige "Art" von Musik binden. So verläuft schliesslich auch mein Leben nicht. Ich glaube, es wird mit jedem Album anders sein.

Es ist ja recht cool, dass du die Fähigkeit hast, in all den Genres zu brillieren. Das kann nicht jeder Künstler von sich behaupten.
Es macht mich manchmal verrückt (lacht).

Ach, tut es das?
Es ist nicht einfach. Man muss etwas erst erleben, um es in ein Album zu packen. Du kannst dich aber auch ins Traumland begeben und ein Album machen, wie du es möchtest. Und wenn man auf Tour ist, muss man sich immer wieder neu anpassen. Wenn man mit einem Orchester spielt, fällt die Interpretation völlig anders aus. Das ist sehr aufregend, passiert aber auch nicht jeden Tag. Und man würde wahrscheinlich auch gar nicht wollen, dass es jeden Tag passiert.

 

Ja, das wär ziemlich massiv. Aber bei dir ist Performance und Spiel ja Teil des Auftritts. Ich hab von Zaubertricks und Schattenspielen gelesen. Woher kommt das?
Ich bin sehr beeindruckt von Künstlern wie Laurie Anderson oder Tom Waits, die Storytelling und visuelle Elemente aus der Welt des Theaters in Popshows integrieren. Und ich schätze, ich hab nach Möglichkeiten gesucht meine eigenen Geschichten zu erzählen und das Puppenspiel wurde zu einem spassigen Experimentierfeld für mich. Es gibt diese Puppenspielerin und Regisseurin in New York – Lake Simons – die mich sehr beeinflusst hat. Sie hat mich aufs japanische Kabuki- und Banraku-Theater aufmerksam gemacht, und nun benutze ich Dinge wie Masken, Puppen oder Schattenspiele, um die Stories zu erzählen.

Bei all den Dingen handelt es sich ja um eine Art des Entertainments. Aber glaubst du, dass die Show und die Musik dahinter immer ernst genommen werden müssen oder was würdest du sagen, was die Intention dahinter ist?
Ich glaube, dass es bei allem was ich tue und getan habe immer wieder ein wenig anders ist. Auf der letzten Tour waren die Masken dazu da, dem Publikum zu erlauben, das Kind in sich hervorzuholen. Als Kind ist man viel offener – man hört die Songs auch anders. Ich hab einen dramatischen Wandel im Publikum und im Raum gespürt – als ob die Puppen die Zuhörer weniger werten und sie sich öffnen lässt. Die Wände und Barrieren, die Leute um sich errichten – die Puppen schienen sie innert Sekunden niederzureissen und den Fokus von mir wegzulenken. Ob man mich mag oder nicht, die Puppen erlauben eine Bewusstseinsverschiebung. Ich weiss nicht wie ich das erklären soll...

Ich glaub, ich hab's verstanden.
Für diese Show trag ich eine Maske und ein Plus- an der einen und ein Minuszeichen an der anderen Hand. Der erste Song beschäftigt sich mit Konflikt und ich glaube es ist ein spielerischer Weg über etwas zu sprechen, das eigentlich ziemlich schwierig ist – Themen wie Krieg, Macht und Diskurs. Beim Song "Be Brave" schüttel ich drei schwarze Stofffetzen, was für mich den 2009er Ölteppich im Golf von Mexiko symbolisiert. Und es gibt so viel Menschenhandel – Mädchen und Jungs, die Sklaverei und sexueller Unterdrückung ausgesetzt sind. Ich wollte einfach einen Weg finden, der ähnlich funktioniert wie in den Tagen, als es noch diese Tanz-Traditionen in unserer Gemeinschaft gab. Aber die Volkstänze von vor 100 Jahren gingen irgendwie verloren. Wir gehen heute zu Rock-Shows, aber wir führen keine gemeinschaftlichen Regentänze mehr auf. Ich versuche mit den Puppen, dem Tanz und den Bewegungen sowas wieder aufzugreifen und das Bedauern für diese sozialen und umweltbedingten Ungerechtigkeiten auszudrücken, aber eben auf eine etwas leichtere Art.

 



Ja, wollt ich grad sagen – etwas Unbeschwertheit zuzusetzen. Und es vielleicht sogar in etwas Positives zu verwandeln.

Ja! Es steckt wirklich eine Menge Intention dahinter, schätz ich.

Das hört sich alles sehr ernst an. Gibts denn da überhaupt Raum für etwas Humor?

Ich glaube damit versuche ich, ihn zu finden. In Songs wie "We Added It Up" und "There's A Rat" zum Beispiel. Bei "There's A Rat" gehts um wirklich schwere, düstere Sachen. Und ich glaube, das ist warum ich immer wieder zurück zum Puppenspiel komme. Weil man mit den Puppen auf eine unbeschwertere Weise an diese tief-dunklen Themen ran kann. 

Was bedeutet Humor denn für dich persönlich? Was bringt dich zum lachen?
Ich weiss nicht. Über sich selbst zu lachen, macht Spass. Ironie und Zufall. Verspieltheit ist auch gut. Ich meine, ich bin selbst sehr albern. Mich mit solchen Leuten zu umgeben, bringt mich zum Lachen.

Gibts dazu einen Geschichte, die du mir erzählen möchtest?
Ich weiss nicht... Ich habe einen Freund, der mich besonders zum lachen bringt. Er veranstaltet immer diese affige Körper-Comedy, was eigentlich nichts anderes ist, als dem Kind ich sich uneingeschränkten Freilauf zu geben. Man muss halt immer neugierig sein und auch bleiben. Es geht darum, sich den mystischen Blick auf die Welt zu bewahren. Zum Beispiel daran zu glauben, dass Magie und Zauberei existieren und daran festzuhalten. Eine Geschichte? Als ich auf einer Geburtstagsparty war, hab ich mich mit einer Fünfjährigen unterhalten, die auch Gast war. Es gab viele Luftballons und sie sagte: "Ich hatte auch Luftballons auf meiner Party letztes Jahr, aber meiner ist weggeflogen." Und dann sah sie mir direkt in die Augen und sagte: "Irgendwann werde ich in einem Heissluftballon in den Himmel fliegen und meinen Ballon finden." Ach, ich habs geliebt! Geliebt! Und im Song "Everything Is In Line," gehts ziemlich genau um das Statement des kleinen Mädchens: Daran zu glauben, dass etwas scheinbar Unmögliches passieren kann. Und dass die Macht der Vorstellungskraft noch immer sehr stark und sehr real ist.

Wer war denn nun die witzigste Person, die du je getroffen hast? Dein Körper-Komik-Freund?
Ja, mein Freund Steve. Er ist unheimlich witzig. Lake Simos, die Puppenspielerin, ist auch sehr lustig. Mit ihr lache ich sehr oft. Sie macht ständig irgendwas Albernes, zieht sich eine Maske an und wird zu einem dieser Cartoon-Charaktere. Du weisst, was ich meine.

Ja, ab und zu wärs schön in einer Cartoon-Welt zu leben.
Ha, ha! Ja!

Und dann noch eine Sache: Hast du einen Lieblingswitz?
Einen Lieblingswitz? Völlig aus der Spur zu singen (lacht). Das ist vermutlich etwas, was ich sehr geniesse... (fängt an vor sich herzusingen). Ich finds  sehr unterhaltsam. Es ist halt albern.

Mehr Infos zu My Brightes Diamonds gibt es auf Sharas Website.

 

 

Interview: Melanie Biedermann

 

Tags: my brightest diamond, musik, Interview, shara worden, musikinterview

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