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Murmeltier fürs Bündner Tourismusbüro

Am 24.2.2009 4 Kommentare
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Tierpräparationen: Sie stehen im Heimatmuseum, hängen in Berghütten oder zieren die Schaukästen von Biologiezimmern. Meist sind es heimische Tiere und Vögel aus der Bergwelt. Präpariert werden hauptsächlich die kleineren Gattungen, bei den grösseren begnügt man sich auch mal mit dem Kopf. Diese "Büsten" sind gewöhnungsbedürftig, da sie an den Wänden hängend aussehen, als würden die toten Viecher mal ins Wohnzimmer reinschauen und uns aus starrem Auge beobachten. Besonders in Jägerkreisen sind solche Trophäen verbreitet: je exotischer die Tiere, desto beliebter. Längst gibt es auch organisierte Jagdtrips nach Afrika, die den schiesswütigen Touristen helfen exotische Tiere vor die Flinte zu kriegen. Im kinki magazine #2 2009 stellten wir euch den Grosswildjäger Gorn vor, der in Namibia eine Tierpräparationsfabrik aufgebaut hat.

 

Foto: Steinbock von Lorenzo Vinciguerra

 

Da die Tierpräparation auch in der Schweiz ein altes Metier ist, haben wir den zoologischen Tierpräparator Lorenzo B. Vinciguerra besucht, und gefragt, wie sich das Ausstopfen toter Tiere hierzulande anfühlt. Herr Vinciguerra zeichnet ein differenzierteres Bild seines Berufes, als Herr Gorn, und beleuchtet damit das kritische Thema Jagd aus einem etwas anderen Winkel. Aber lest und seht selbst.

 

Fotos aus der Werkstätte von Lorenzo B. Vinciguerra findet ihr nach dem Interview.

 

Herr Vinciguerra, wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Lehre als Tierpräparator zu machen?
Mein Vater hat einmal einen Vogel bei einem Tierpräparator zubereiten lassen. Wir gingen das präparierte Tier zusammen abholen, da war ich zehn oder elf Jahre alt und da hat es mir den "Ärmel reingenommen". Das hat mich nicht mehr losgelassen, bis ich dem später nachgegangen bin und eine Lehrstelle gefunden habe.

Wie läuft der Präparierungsvorgang?
Das Tier muss frisch sein, das ist klar. Dann wird die Haut abgezogen und man stellt einen künstlichen Körper her, die Haut wird konserviert, man behandelt sie, dann wird sie über ein künstliches Tiermodell übergezogen. Das Tiermodell wird aus PU-Schaum hergestellt, kleinere Sachen kann man auch aus Styropor schnitzen. Man kann aber auch aus Holzwolle einen Körper wickeln, indem man die Holzwolle zusammenpresst und mit einem Faden umwickelt, bis man die Form hat, die man sich wünscht.
Man muss die Haut dann noch etwas richten, die künstlichen Augen einsetzen. Dann trocknet man das ganze und fönt es. Das muss man dann mit Bandagen und Nadeln fixieren, damit es sich beim Trocknen nicht verschiebt und wenn es nach ein paar Wochen Trocknungszeit getrocknet ist, kann man die Fäden und Nadeln rausnehmen und die beschädigten Stellen nachfärben und herrichten.

Wie viele Trophäen produzieren Sie im Jahr?
Das ist sehr unterschiedlich, das sind 3-4 Steinböcke, etwas gleich viele Rehe und Gemse und durchschnittlich zehn Wandkopftrophäen im Jahr.

Lorenzo Vinciguerra liebt die kreative Arbeit als Tierpräparator

Inwiefern ist Tiere präparieren kreativ?
Es ist schon ein Handwerk, aber jedes Tier muss man irgendwie nachbauen, es wird kreativ, weil man das Tier kennen muss, man muss wissen was typisch für das Tier ist, das man gerade macht. Man hat gewisse Freiheiten, die man dann in die Form, die man wählt und die Szenerie (künstlicher Lebensraum), in die man das Tier setzt, einfliessen lassen kann. Dazu braucht man auch eine gewisse künstlerische Begabung.

Das schönste Tier zum Ausstopfen?
Mein persönliches Lieblingstier ist der Leopard. Da kann man richtig schön in der Form und der Anatomie schwelgen. Ich habe jahrelang in Afrika gearbeitet und gelebt, dort ist der Leopard ein sehr häufiges Tier zum Präparieren.


Wir haben in unserem Magazin einen Artikel über den Grosswildjäger Herrn Gorn geschrieben? Haben Sie bei ihm gelehrt?
Ich habe mal für Herrn Gorn gearbeitet. Ich war paar Monat bei ihm, weil ich einen Weiterbildungsaufenthalt machen wollte. Ich bin aber nicht lange bei ihm geblieben, weil die Arbeit nicht so interessant war. Die Arbeit in Afrika unterscheidet sich hauptsächlich dadurch, dass man in Afrika sehr viel mehr Personal zur Verfügung hat. Da gab es Angestellte, die die kleineren Arbeiten erledigten, da konnte ich mich aufs Modellieren konzentrieren und musste auch die Arbeit der Einheimischen kontrollieren. Hier mache ich alle Schritte selber.

Wer sind Ihre Hauptkunden?

Das ist quer durch, das kann jemand sein, der einen Vogel gefunden hat, der in eine Scheibe geflogen ist, oder ein Jäger, der etwas erlegt hat und gerne präparieren lassen möchte. Oder Schulen, die Budget haben für neue Präparate, kleine Museen, die sich noch neue Präparate leisten können, die brauchen auch Sachen für Sonderausstellungen. Eigentlich kann jeder ein potentieller Kunde sein.

Kommen auch Personen zu Ihnen, die ihre Haustiere präparieren lassen wollen? Was sagen Sie dazu?
Das mache ich nicht mehr! Ich habe das früher mal gemacht, aber ich bin ganz davon weggekommen. Weil, so wie der Hunde- oder der Katzenbesitzer sein Tier in Erinnerung hat, so bringe ich das Tier niemals hin. Wenn man jetzt für die Schule oder für eine Ausstellung einen Hund oder eine Katze braucht, dann mache ich das schon. Aber nicht, wenn das nachgebaute Tier auch den Charakter des Tieres reflektieren muss. Ausserdem ist so ein Tierpräparat nachher steif und kalt und nicht warm und weich wie vorher, da sind die Besitzer immer enttäuscht, weil sie etwas anderes erwarten. Deshalb mache ich keine Haustiere für Private mehr.

Reagieren Leute negativ auf ihre Arbeit?
Es gibt schon solche, die das Gefühl haben, dass man einfach raus geht und die Vögel abballert, damit man sie präparieren kann. Und dann denken die Leute auch, dass die Präparate "gruusig sind" und stinken würden, dabei stinken nur Tiere, die eben nicht präparierbar sind, weil sie schon zu alt sind. Diese typischen negativen Assoziationen, eben.

Was halten Sie von der Jagd in der Schweiz?
Also, die Schweiz hat auf jeden Fall eine gewisse Berechtigung. Da haben die Jäger auch die Aufgabe, dass der Wildbestandteil unter Kontrolle gehalten wird, weil das Wild teilweise auch Schäden anrichtet. Der Fuchs zum Beispiel verbreitet Krankheiten wie den Fuchsbandwurm, das kann für den Menschen sehr gefährlich werden. Der Fuchs kommt verstärkt in die Stadt, wo es keine natürlichen Feinde mehr für ihn gibt. Deshalb gibt es auch Jäger, die dafür zuständig sind, den Fuchs- und Krähenbestand zurückzuhalten.
Dann gibt es in der Jagd natürlich auch ein kulinarisches Interesse für Hirsch, Wildschwein, etc., die für ihr Fleisch gejagt werden. Das ist aber eine kontrollierte Jagd: Die Jagdverwaltung legt ganz klar fest, wie viele Tiere in einem Gebiet erlegt werden dürfen, ohne dass dem Bestand geschadet wird. Im Frühling wird jeweils eine Wildzählung durchgeführt aufgrund welcher man dann sagen kann, wie viel Prozent des Wildbestands erlegt werden darf. Es wird also jährlich für jedes Gebiet pro Wildtierart eine Quote festgelegt, die geschossen werden darf. Kein Jäger hat das Interesse den eigenen Bestand zu eliminieren. Die Vernunft ist schon stärker geworden, als vor hundert Jahren.

Und wie denken Sie über die Trophäenjagd in Afrika?
Die Trophäenjagd der Antilopen und Löwen, wird ja auch kontrolliert. Die Jagdblöcke legen ebenfalls Quoten fest, wie viele Löwen beispielsweise gelegt werden dürfen. Das ganze wird weltweit von Genf aus kontrolliert. In Genf wird auch bestimmt, wie viele Tiere pro Tierart ein Land exportieren darf. Die Quote hängt immer von der vorherrschenden Tierpopulation ab. Wenn ein Land zu viele Tiere einer Art erlegt, erhält es ein Exportverbot, wodurch es sich selber blockiert.
Wenn ein Jäger nach Afrika kommt, muss er jeweils Gebühren zahlen, die zum Teil auch an die umliegenden Dörfer der Jagdblöcke gehen. Diese pflanzen Gemüse an, damit die Jagdgäste auch ernährt werden können. Für die Verpflegung (oder die Führung) der "Jagdtouristen" werden Leute aus den umliegenden Dörfern angestellt. Davon profitieren ganze Dörfer. Ich denke, dass nach wie vor die Lebensraumzerstörung einen schlechteren Einfluss auf die Tiere hat, als die Jagd. Solange man den Lebensraum aufrecht erhält, gibt es auch genügend Wild, von dem man einen Teil abschöpfen kann.

Hängen oder stehen ausgestopfte Tiere in Ihrer Wohnung?
In der Wohnung nicht. Ich habe Tierpräparate im Werkraum und im Ausstellungsraum. Die Wohnung ist privat, da hat der Beruf nichts zu suchen. Eigentlich stelle ich persönlich keine Tierpräparate als Dekoration auf. Natürlich bin ich sehr verwöhnt, da ich einen Ausstellungsraum und somit genügend Platz habe, um die Tiere auszustellen. Da gibt es Leute, die keinen Ausstellungsraum haben, und deshalb die Tiere, die sie präpariert haben wollen ins Wohnzimmer stellen müssen.

Ihre Hobbys sind unter anderem die Falknerei und die Wildtierfotografie, persönlich bevorzugen Sie die Tiere lebend?
Ja, als es bei mir zur Berufswahl gekommen ist, hatte ich einfach keine Lust in die Schule zu gehen. Ich meine, hätte ich studiert, dann hätte ich mir vielleicht ein Zoologie-Studium leisten können und mich auf diesem Weg mit den Tieren beschäftigen. Aber ich wollte einfach nicht mehr in die Schule. Alle Tiere interessieren mich auch Reptilien und Insekten und die Natur an sich, das geht also viel weiter als mein Beruf, deshalb reise ich auch sehr gerne.

Interview und Text: Florence Ritter

 

Links:

Website Zoologisches Praeparatorium Vinciguerra

 

Fotos aus der Werkstätte von Lorenzo B. Vinciguerra:
Tags: Interview, Lorenzo Vinciguerra, magazin nr 11

Kommentare (4)

  • Kann einen präparierten männl. Jung-Löwen (Kenia) anbieten b.z.w. vermitteln.

    von UBA am 10.3.2009 19:16
  • wow, du bist ja echt der held! da kann ich mit meinem präparierten männl. Meerschweinchen (Schweiz) nicht mithalten.

    von cerco am 12.3.2009 10:44
  • ..ich bin dafür das sich UBA und cerco zusammen tun. hier stimmt einfach chemie :)

    von selin am 15.3.2009 16:57

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