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Little Boots - Big Steps

Am 27.7.2009 1 Kommentare
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Bei einer Interviewanfrage merkt man immer schnell, wie es um den Status des Interviewpartners steht. Einige Musiker kann man treffen oder sie um zehn Uhr morgens oder abends zu Hause oder im Studio anrufen, um ein unkompliziertes und zeitlich uneingeschränktes Gespräch zu führen. Bei anderen vermittelt man nur mit den Agenten und erhält dann einen fixen Termin für ein Telefongespräch, das eine Viertelstunde nicht überschreiten soll.

 

Little Boots


Zu den Künstlern, die eben ins Meer der professionell vermarkteten Musiker gespült worden sind – sprich von einem Majorlabel unter die Fittiche genommen wurden – kann sich Little Boots aus London zählen. Auf ihrem MySpace Profil – das je nach Professionalität ebenfalls ein guter Indikator für das Renommee eines Künstlers ist – lassen sich gleich ein Dutzend Songs anhören, gleich darunter kann man in der Touragenda verfolgen, wo Little Boots aka Victoria Heskteh in den nächsten drei Monaten in Asien, Europa, Australien und Amerika über 30 Shows spielen wird (hauptsächlich Festivals). Ein toughes Programm für die erst 25-jährige Engländerin: Victorias nächste Schritte im Musikbusiness sind präzise geplant, ihr Erfolg quasi vorprogrammiert, und das obwohl ihre Anfänge als Little Boots ihre Anerkennung gerade ihrer Spontaneität verdankten. Doch schien Victorias Lebensweg schon immer auf Musik programmiert zu sein, sehr früh begann sie das Klavierspiel, schrieb Texte, nahm als Teenager an einer BBC-Talentshow teil, versuchte sich in allen möglichen Musikstilen und trat schliesslich als Bestandteil des Dance-Pop-Trios "Dead Disco" auf. Die Herzen der englischen Musikfachjury und der Musik-Labels gewann Victoria aber erst, als sie sich letztes Jahr für den poppigen und anfangs sehr eigenständigen Weg entschied und als Little Boots kleine selbstgedrehte Filmchen mit Liedern und Covers, die sie selbst auf dem Klavier oder dem japanischen Tenori-On begleitete, auf ihr MySpace Profil zu stellen begann.

Diese "Bedroom YouTube Coverversion"-Serie ging übers Internet um die Welt, und ihre Vorliebe für jegliche elektronischen Klanggeräte wie das Yamaha Tenori-On und das Stylophon kamen ebenso gut an wie ihre Stimme, ihre selbst geschriebenen Lieder und ihre vielfältigen Coverversionen. Eine klassische YouTube- und MySpace-Erfolgsstory also, die dankbar von den englischen Medien aufgenommen nachdem Little Boots von der BBC-Fachjury zur amtlich beglaubigten Hoffnung des britischen Pop fürs kommende Jahr erklärt wurde. Als aufsteigender Phoenix aus der Popasche des Inselreichs wurde Little Boots gefeiert und löste geradezu einen Hype aus, der nun auch auf das europäische und amerikanische Festland übergeschwappt ist.

 

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Musikvideo zum Song "New In Town" von Little Boots

 

Heute ist die Vermarktungsmaschinerie in vollem Gang und kein europäisches Medium verpasste oder wird es in naher Zukunft versäumen, die hübsche Engländerin und ihren kometenartigen Aufstieg zu erwähnen und ihr Ende Juli erschienenes Album "Hands" in den Himmel zu loben. Auch kinki hat vor dem Album-Release mit Little Boots gesprochen und einiges über ihre Anfänge erfahren, der rasant ansteigenden Medienallgegenwärtigkeit wegen entschieden wir uns schliesslich für ein Online-, anstelle eines Print-Features.

Bei all diesen unglaublich beeindruckenden Musikbusinessmechanismen soll die Musik von Little Boots nicht in den Hintergrund geraten, schliesslich ist es das, wofür Victoria sich mit "Talent, Köpfchen und mit Herz" einsetzt. Little Boots bastelt aus obskuren elektronischen Gerätschaften, ihrer tollen Stimme und einschlägigen Popmelodien ein wahres Elektropop-Universum. Die Musik ist nicht anspruchsvoll, eher leicht und sorgenlos. Den besten Einblick in ihr Schaffen erhält man aber, wenn man im YouTube-Archiv die unzähligen, unprätentiösen Videos der Sängerin ansieht, denn was ich noch nicht erwähnt habe: neben all dem Talent ist Victoria Hesketh auch sehr sympathisch und ein hübsches, feines Wesen – wie ihre Stimme eben.

Nun kommen wir aber nicht umhin, die Zukunft dieser mit Teilchenbeschleuniger und Medien-Hype vorangetriebenen Karriere mit einer Sorgenfalte auf der Stirn zu betrachten, schliesslich ist so viel Lob und plötzliche Popularität auch mit einem enormen Druck verbunden und auch ein erwartungsvolles Label im Nacken kann trotz unbestreitbar vorhandenem Talent einengend auf die Kreativität wirken. Wir werden sehen und hoffen, dass dieser in die Atmosphäre katapultierte Stern den Pophimmel noch eine Weile zieren wird.

Little Boots

 

kinki magazine: Du hast ziemlich früh begonnen Musik zu machen, ist deine Familie sehr musikalisch?
Little Boots: Meine Mutter hörte sehr viel Musik, meine Familie an sich ist aber nicht sehr musikalisch. Es war einfach so, dass ich schon mit fünf Jahren begonnen habe Klavier zu spielen und ziemlich darauf abfuhr. Mit 13 Jahren habe ich dann angefangen Lieder zu schreiben, das kam vermutlich daher, dass ich schon so früh mit Spielen begonnen hatte und das Ganze eine Stufe weiterbringen wollte. Ich sang viel, von dem her war es der nächste natürliche Schritt. Ich war früher sehr schüchtern und habe meine Lieder lange Zeit nicht vor anderen gesungen.

Obwohl du von klein an Musik gemacht hast, hast du dich für ein Studium der Kulturwissenschaften entschieden, weshalb?
Da Musik ein bedeutender Teil der Kultur ausmacht, werden in den Kulturwissenschaften alle Formen von Kunst, also auch Musik, behandelt. Jedoch betrachtet man Musik nicht aus der ausführenden Perspektive, sondern inspiziert sie aus einem kritischen Blickwinkel. Ich wollte keinen technischen Abschluss in Musik oder Gesang absolvieren, das interessierte mich nicht. Wenn ich Musik mache, dann möchte ich kreativ sein können. Deshalb habe ich etwas gewählt, wo ich viel über Musik schreiben und lernen und Musik von einer anderen Seite betrachten konnte, was mir in der Umsetzung wiederum hilfreich sein könnte.

Und wusstest du schon während dem Studium, dass du eine professionelle Musikerin werden wolltest?
Ich denke, dass ich schon immer Vollzeitmusikerin werden wollte, aber ich wusste immer, dass es sehr schwierig und hart sein würde, erfolgreich zu sein. Also hatte ich immer einen Plan B, aber es war natürlich immer mein Traum, nur habe ich mich nie getraut, wirklich daran zu glauben.

Du warst ja eine Zeit lang in der Band Dead Disco, wann hat das Projekt Little Boots richtig begonnen?
Das war ungefähr in der Weihnachtszeit letztes Jahr, als ich wirklich angefangen habe viele Songs zu schreiben. Ich wollte poppige Musik machen, was meine zwei Bandmitglieder nicht wollten. Im Februar habe ich dann meine Musik auf MySpace gestellt.

Dein erstes Album "Hands" wurde soeben veröffentlicht, wie fühlst du dich?
Es ist eine riesige Erleichterung, es endlich publiziert zu haben. Es ist sehr schön, etwas realisiert zu haben, das die Leute nun haben und hören können. Nun kann ich mich auch wieder aufs Spielen, Performen und Schreiben konzentrieren, aber der Druck davor war schon sehr gross.

Little BootsDu spielst diesen Sommer auf sehr vielen Festivals, welchen Teil des Musikprozesses magst du am liebsten?
Das gehört alles zusammen, das ist wie Ying Yang, auf der einen Seite schreibt man Songs und nimmt im Studio auf, man ist sehr kreativ, aber versteckt und isoliert, auf der anderen Seite geht man hinaus und spielt seine Songs live und sieht die Reaktion der Leute, da sieht man, dass sich die ganze Arbeit im Studio gelohnt hat, weil man merkt, wie die Leute es geniessen. Aber manchmal kann es einen auch verrückt machen, von demher ist es sehr angenehm, wenn man genug vom einen gemacht hat, einfach zum anderen übergehen zu können, so bleibt es sehr aufregend. Man kann es mit den beiden Seiten einer Münze vergleichen, eine funktioniert nicht ohne die andere.

Du spielst viele originelle Coverversionen, hast du eine spezielle Beziehung zu den Liedern, die du coverst?
Ich nehme irgendwas, ob ich den Song im Supermarkt gehört oder im Fernsehen gesehen habe oder eben ein Song von früher, den ich eine Zeit lang vergessen hatte. Manchmal schicken mir auch Leute Anfragen für Covers auf MySpace, das sind alles sehr unterschiedliche Lieder. Das mache ich wirklich gerne.

Was beschäftigt dich inhaltlich?
Ich singe wohl viel über die Liebe, vermutlich weil ich denke, dass Liebe so etwas Universelles ist, womit sich jeder identifizieren kann. Ich möchte über Dinge singen, zu denen die Leute eine Beziehung aufbauen können. Also versuche ich über Themen zu schreiben, die alle ansprechen, aber es gibt keine bestimmte Mitteilung, es soll einfach kraftvoll sein. Viel davon ist sehr persönlich, wahrscheinlich 80–90 Prozent, dann gibt es aber auch andere Lieder, die mehr von Situationen handeln, die zum Beispiel Freunde von mir erlebt haben oder von Leuten handeln, die ich beobachte.

Dein Image besteht aus Pyramiden, Pferden und mystisch-futuristischen Hintergründen, was bedeutet das alles?
Ich mag all diese Bilder von Zeit und Raum und versuche sie auch in meine Musik einfliessen zu lassen, meine Musik soll möglichst fantasievoll und magisch klingen, wie Bilder, Kunstwerke und Farbe, so dass es sehr fantastisch und nicht weltlich wirkt.

Text und Interview: Florence Ritter

 

Links:

Website von Little Boots

 

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Tags: musik, Interview, magazin nr 16, little boots, Pop

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