Les Garçons de Glasgow
In der aktuellen Ausgabe des kinki magazines stellen wir euch Jonathan Daniel Pryce vor. Seit Oktober fotografiert er sich durch die Strassen seiner Heimatstadt Glasgow und füttert seinen Blog "Les Garçons de Glasgow" mit Streetstyles, Fashionfotos und Interviews. Wir haben uns mit Jonathan unterhalten.

kinki magazine: Seit Oktober betreibst du den Blog "Les garçons de Glasgow". Bist du Franzose oder arbeitest du als Kellner in Glasgow?
Jonathan Daniel Pryce: Weder noch – leider. Als ich mich dazu entschied, den Blog zu starten, hatte ich gerade eine Reise nach Paris gebucht. Mein Kopf war voll mit französischen Gedanken und das kam offenbar dabei heraus, als ich dem Blog seinen Namen gab.
Was hat dich zum Bloggen gebracht?
Ich bin seit etwa vier Jahren Fotograf, ausserdem habe ich schon immer gerne Modeblogs gelesen. Mein Freund Daniel und ich diskutierten regelmässig über unsere Lieblingsblogs, bis wir uns entschieden, dass wir auch einen für unsere Heimatstadt gründen sollten: Glasgow. Für mich ist der Blog eine grossartige Möglichkeit, als Fotograf zu wachsen und die Plätze und Menschen, die man sieht, zu dokumentieren.
Ihr habt euch innerhalb weniger Monate einen festen Leserkreis aufgebaut. Setzt das auch unter Druck, den Blog regelmässig mit spannendem Inhalt zu versorgen?
Tja, das kostet viel Zeit und ich denke, man muss es lieben, um es fortzuführen. Ausserdem sind wir ja zu zweit, obwohl Daniel gerade sein letztes Jahr an der Universität begann, als ich den Blog gründete.
Wie lässt sich der glasgowsche Style beschreiben?
Es gibt hier zwei Hipster-Typen: Der lebensferne Vintagetyp geht auf die Glasgow University oder die School of Art, trägt klobige Strickpullover, ein Waxjacket und massgeschneiderte Hosen. Der andere Typ fährt mit seinem Fixie-Fahrrad durch die Stadt, hat eine Schwäche für Tattoos und trägt gerne Shorts. Glasgow ist eine neugierige Stadt, mit vielen Studenten und einer sehr lebendigen Kunstszene.
Als Fotograf und Streetstyle-Blogger siehst du jede Menge Leute. Was macht eine Person für dich zum interessanten Fotosubjekt?
Ich liebe vor allem die unterschiedlichen Reaktionen, wenn ich mich den Leuten nähere. Als Fotograf baust du innerhalb kurzer Zeit eine Beziehung zu der Person auf und findest einen Schnipsel über ihr Leben heraus. Ich mag es, die Persönlichkeit eines Menschen in der Art, wie er sich kleidet, zu finden – du musst deinen Style kennen und ihn wirklich durchhalten, um mein Auge auf dich zu ziehen.

Wie wählst du deine Motive aus: Sprichst du die Menschen an oder kommen sie auf dich zu?
Ich bin eher spontan – ich versuche, meine Kamera immer dabei zu haben und zuzuschlagen, wenn ich etwas Grossartiges sehe. Wenn ich nach spannenden Menschen Ausschau halte, finde ich meistens keine – also ist es am besten, locker zu bleiben. Angebettelt um ein Foto werde ich nie – aber es gab schon den ein oder anderen, der aufdringlich neben mir auf- und abgegangen ist.
Konzentriert ihr euch für euren Blog auf Glasgow, oder seid ihr auch international unterwegs?
Die meisten Streetstyles entstehen in Glasgow. Aber Berlin ist in Sachen Style meine Lieblingsstadt: ziemlich chic, aber doch entspannt. Die Leute nehmen sich selber nicht zu ernst und haben Spass mit dem, was sie tragen.
Auf eurem Blog finden sich Streetstyles, Fashionfotografien und Interviews. Welche davon ist die Königsdisziplin für dich?
Ehrlich gesagt, sind das die Interviews: Wenn du jemanden dazu bekommst, sich hinzusetzen und dich mit etwas Interessantem zu fesseln. Ausserdem habe ich dann mehr Zeit, um Fotos zu machen und das ein oder andere auszuprobieren.
Du fotografierst nicht nur, sondern hast mittlerweile auch deine eigene Brand entworfen: "Le Garçon Designs". Wie kam es dazu?
Ich habe schon immer gerne Dinge entworfen und T-Shirts designt. Die zwei Siebdruckprints für die "Garçon Shirts" waren also die logische Konsequenz. Das eine erinnert mich an Glasgow und seine trendigen Bewohner, das andere ist eher ein klassisches Grafikshirt. Als ich auf einmal eine Bestellung aus Singapur bekam, war ich total überrascht.
Stehst du denn auch gerne vor anstatt hinter der Kamera?
Schwierige Frage. Ich mag es nicht besonders, aber mittlerweile fühle ich mich vor einer Kamera ganz wohl. Die besten Streetstyle-Fotos entstehen, wenn die Menschen selbstbewusst vor der Linse sind – ansonsten scheint die Angst durch sie durch.

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