Kuti Kuti

Vier Mal im Jahr präsentiert das finnische Kollektiv Kuti Kuti die Schmuckstücke der Kunst, die ihnen aus allen Winkel der Welt nach Helsinki geschickt wird. Doch bevor eine weitere Kerze auf der Geburtstagstorte ausgeblasen wird, beantwortet Tommi die Fragen von kinki.
kinki: Kuti Kuti ist ein Spiel. Was sind eure Spielregeln?
Tommi: Obwohl wir das Aussehen vom asiatischen Spiel Kuti Kuti mögen, kennen wir die Spielregeln nicht. Es gibt auch keine Regeln fürs Kuti Magazine. Wir spielen ums Überleben: Wir arbeiten unabhängig und wollen in unserem Schaffen frei sein. Das ist jedoch bloss ein Ideal und in vielen Dingen unmöglich. Wenn wir Bücher oder Publikationen veröffentlichen, bewegen wir uns in der Welt der Verlage, die vom Kommerz kontrolliert wird. Wenn wir Ausstellungen veranstalten, bewegen wir uns in der Welt der bildenden Kunst, die auch kommerziell ist. Um es kurz zu fassen: Um die Freiheit in seinem Schaffen zu erhalten, muss man sich dieser Sklaverei unterwerfen. Es ist gut, eine Vision und eine Richtung zu haben, aber Regeln sind nicht die Art zu spielen.
Wieso wird Kuti veröffentlicht?
Als wir anfingen, Kuti zu veröffentlichen war unsere Hauptidee, ein neues Medium für Comics und narrative Grafikkunst zu gründen. Damals (und eigentlich auch noch heute) konnte man die Bücher, die wir mochten, nur in speziellen Läden, online oder in Galerien kaufen. Das Feld war elitär und das Publikum limitiert. Wir sehen Comic als eine starke Art sich auszudrücken – es geht hinter die geschriebene Sprache und hat nicht die Last der Kunst auf sich. Fast jeder liest Comics. Die meisten Menschen haben vor Comics keine Hemmungen, im Gegensatz zur Poesie. Wir entschieden uns deshalb, Kuti an Plätzen wie Cafés, Restaurants, Bars, Schulen, Bibliotheken und Coiffeursalons – alles Orte, an denen normale Menschen verkehren – zu verschenken. Man könnte sagen, dass wir versuchen ein neues Publikum für die Dinge zu begeistern, die wir mögen.

Der Platz im Internet ist endlos, der Platz in eurem Heft begrenzt. Wie wählt ihr die Kunst aus?
Kuti wird von Kutikuti veröffentlicht, einem 15-köpfigen Künstlerkollektiv aus Helsinki. Ich als Editor kümmere mich hauptsächlich um die Koordination, der Rest wird von allen mitbestimmt. Für jede Ausgabe kriegen wir über hundert Bewerbungen. Wir möchten neue Künstler präsentieren und sind süchtig nach Kunst, die das Normale überschreitet und Comics in Allgemeinen. Die aktuelle Auswahl ist ein Mix von all dem.
Die Texte im Kuti sind auf Finnisch und Englisch. Wie international ist die Kunst im Heft?
Die Bewerbungen kommen zu einem Drittel aus Finnland. Der Grossteil stammt jedoch aus der ganzen Welt. Bis jetzt haben wir Künstler aus über 20 Ländern veröffentlicht. Wir konzentrieren uns auf aktuelles Schaffen und zeigen das den Lesern. Comics überwinden auch leicht Sprachbarrieren.
Wie oft druckt ihr eure Kunst in dem Magazin ab?
Das Herz von fast jeder Kuti-Ausgabe ist "in-house" produziert worden. Wir machen Kuti auch für uns. Es ist ein Weg für uns den Inhalt und die Publikation zu lenken. Das Kuti mit zufälligen, eingeschickten Arbeiten zu füllen würde es mehr zu einer Sammlung machen. Wir möchten aber, dass das Kuti ein "anthologisches" Heft ist.
Wer Kuti jetzt auch in seinem Briefkasten möchte: Das Fanzine gibt es im Abo. Nähere Informationen dazu und wie du deine Kunst im Heft unterbringen kannst, gibt es auf der Webseite von Kuti Kuti.

Text und Interview: Eva Hediger

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