Keziah Jones: Musiker mit afrikanischen Wurzeln

"Nigerian Wood" ist nicht nur Titel seiner aktuellen Platte, Keziah Jones ist eben aus jenem geschnitzt. Und ein unabhängiger Rabauke ist er obendrein: Anstatt wie sein Vater Stammeschef und Industrieller zu werden, entschied sich Keziah Jones für den etwas steinigeren Weg. Er schmiss kurzerhand seine schulische Ausbildung an einer elitären, englischen Schule und verfolgte fortan sein grosses Lebenziel - nämlich Musiker zu werden. In Eigenregie lernte der ambitionierte Jungspund Piano und Gitarre und präsentierte seinen eigenwilligen Sound auf den Strassen und im Underground und stiess nicht nur bei den Insulanern auf offene Ohren. Schon bald sattelte Keziah in die Pariser Metro über und verzauberte auch Jaques und Co mit seinen musikalischen Ausflügen. Und wie es der Zufall so wollte: Eines Tages spazierte ein gutgelaunter Labelchef an ihm und seiner Klampfe vorbei und verliebte sich prompt in den Sound des Afrikaners – Deal perfekt, "Blufunk is a Fact" sein erster Smasher und gleichzeitig Keziah Jones' Markenzeichen.
Konsequent aber tanzbar
Blufunk ist nicht nur ein Songtitel, es ist sein ganz eigener Stil. Seine geslideten und perkussiv eingesetzten Gitarrenakkorde, die komplexe Harmonik zwischen Gitarre und Bass, das treibende Movement seiner Mitmusiker und Keziahs markante Stimme machen den minimalistischen Funk des Afrikaners zwar hart und konsequent, aber auch unterhaltsam und tanzbar.
Neue Platte, neue Einflüsse
Inzwischen wohnt Keziah Jones dort, wo er sein neues Werk "Nigerian Wood" aufgenommen hat. Eine Platte, die sich von der ursprünglichen Herkunft, den Wurzeln auf dem Schwarzen Kontinent konsequent fortbewegt hat und ebenfalls da angekommen ist, wo Keziah derzeit lebt: beim amerikanischen Soul. Doch das tut der Scheibe in keinster Weise einen Abbruch. Es ist eine Platte, die mit vielen Leckereien und Überraschungen aufwartet. Zum Beispiel mit Ohrwürmern wie "My Kinda Girl", aber auch progressiveren Stücken wie "African Android" – Soulpoetik in ihrer reinsten Form. Obwohl Funk und Blues auch weiterhin den dominierenden Einfluss auf "Nigerian Wood" darstellen, Keziah kann die Einflüsse seiner neuen Heimat zu keinem Zeitpunkt verheimlichen.
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Musikvideo zum Song "My Kinda Girl"
Gedichte auf Schmierblättern
Der Mann mit einem Faible für edle Hüte ist aber nicht nur musikalische sehr versiert, der Mann ist ein Multitalent: Neben der Musik hat Keziah sich den bildenden Künsten verschrieben. Zudem betätigt sich der Wahl-New-Yorker auch gerne als Regisseur und kritzelt für sein Leben gerne eigene Gedichte auf irgendwelche Schmierblätter.
In der Printausgabe haben wir mit dem 40-Jährigen persönliche geplaudert: Das Interview mit Keziah Jones findest du in der #8 von kinki magazine.
Text: Florian Hennefarth

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