Interview: Revolver
Manche Bands sind einem der Musik willen sympathisch, andere der Aufmachung wegen und andere schaffen den Balanceakt zwischen den beiden perfekt zu meistern und unterstreichen ihr Image glänzend mit einem Akzent, der mir noch lange im Kopf bleiben wird.
Zur Einstimmung präsentieren wir euch hier das Musikvideo zum Song "Get Around Town" von Revolver:
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Die drei französischen Jungs von Revolver singen auf Englisch, erinnern stark an die 60er Jahre, unter anderem mit Einflüssen der Beatles, und etablieren sich doch mehr und mehr mit einem Musikstil, der auf sie zugeschnitten ist und nicht einfach eine billige Kopie der alten Musiklegenden wiedergibt.
kinki sprach mit Ambroise, Christophe und Jérémie, der etwas später zum Interview dazu kam, über alte Zeiten, das leben als Stars, Mädchen, die auf der Strassen stehen gelassen werden und man kann es schon erraten: über Musik.

Revolver - Ambroise, Christophe und Jérémie.
Interview mit Revolver
Inwiefern veränderte sich eure Musik seit der Gründung von Revolver im Jahr 2006?
Ambroise: Wir versuchten die Seele der Musik, das Chamber-Pop Gefühl, wie es auch schon vor drei Jahren war, mit vielen stimmlichen Harmonien, genauso viel akustischer Gitarre und natürlich dem Cello aufrecht zu erhalten. Entgegen diesem Gefühl untermalten wir viele Songs mit dem Schlagzeug, was dem Ganzen einen neuen Code verlieh, das Technische daran zum Vorschein brachte. Als Band durchlebten wir in den letzten drei Jahren viele Launen und Gemütszustände, schrieben viele neue Songs, die bis dahin noch in keiner Weise bestanden und versuchten die Gestaltung und den Aufbau des Songschreibens zu verfeinern. Diese Bewegung, das neu Erlernte bezüglich des Rhythmus änderte sich in dieser Zeit.
Hör dir hier den Song "Luke, Mike & John" von Revolver an:
Revolver - "Luke, Mike & John" (auf den Play-Button klicken)
mp3
Ihr habt alle verschiedene musikalische Hintergründe. Woher kommt ihr?
Ambroise: Jérémie und ich kommen von der klassischen Musik, wir studierten bereits als Kinder zwei Jahre zusammen Musik in Paris. Und mit Christoph teilen wir die Beziehung zur Pop-Musik.
Christophe: Ich studierte nicht klassische Musik, sondern begann mit Gitarre als ich 15 war. Ambroise und ich spielten und sangen zusammen zu Künstlern wie Simon&Garfunkel, The Kinks oder den Beatles, um zu wissen wie man gute Musik macht.
Es besteht eine tiefe Verbindung zwischen Revolver und älteren Künstlern wie Simon&Garfunkel und The Beatles. Aber auch mit Elliot Smith und The Kinks: inwiefern inspirieren sie eure Musik?
Ambroise: Elliot Smith war für Christophe und mich eine Art Revolution, weil er uns mit seiner Arbeit dazu brachte eigene Songs zu schreiben. Davor hörten wir Musikgrössen wie Bob Dylan und Simon&Garfunkel und waren so tief beeindruckt von deren Leistung, dass wir selber zu wenig Selbstbewusstsein hatten im Versuch eigene Lieder zu komponieren. Bei der ersten musikalischen Begegnung mit Elliot Smith verspürten wir gleich einen Bezug zu ihm und seiner Musik, als ob er unser Bruder sei. Er stärkte unser Vertrauen eigene Songs zu erschaffen.
Christophe: Er hatte die gleichen musikalischen Einflüsse wie wir: Die Beatles, alles aus den 60ern, und schaffte es dennoch mit diesen grossen Persönlichkeiten und deren Musik im Hinterkopf seinen eigenen Weg zu finden und den auch musikalisch auszudrücken.

Revolver - Ambroise, Christophe und Jérémie.
Das neue Album trägt den Namen "Music for a while". Soll das bedeuten, dass der Hörer nur ein paar Minuten dabei verweilen kann?
Ambroise: Es ist ein echt kurzes Album von 35 Minuten, dessen Songs alle nicht länger als drei Minuten dauern. Wir wollten einen direkten Eindruck hinterlassen und keine Zeit mit Unnötigem vergeuden.
Christophe: Wir wollten, dass das Wesentliche der Songs auch wirklich zur Geltung kommt.
Ambroise: "Music for a while" ist auch eine Anspielung auf Henry Purcell, den englischen Barock-Komponisten, mit dem jeden von uns verschiedene persönliche Geschichten verbinden. Es erschien uns als perfekten Titel für unser erstes Album, weil wir ja gerade dazu auch das Ziel hatten, Musik für eine kurze Dauer zu komponieren. Der Bezug zu Percell war dann noch die richtige Ergänzung.
Hör dir hier den Song "Back To You" von Revolver an:
Revolver - "Back To You" (auf den Play-Button klicken)
mp3
Im Video zu "get around town" sieht man eine junge Frau, die mit Autostopp ihr Glück versucht. Wieso habt ihr die Arme nicht mitgenommen, sondern seid einfach an ihr vorbeigefahren?
Ambroise: (lachen). Wir mussten fahren, hatten ein Ziel vor Augen und absolut keine Zeit der Dame eine Mitfahrgelegenheit anzubieten. Die Zeiteinteilung bis wir zum Haus gelangen sollten war echt kurz. Aber sie ist eine gute Freundin von uns. Oder besser gesagt sie war es auf jede Fälle früher einmal. (lachen)
Ihr alle liebt das Cello. Gibt es ein Instrument, das dem Cello den Rang abläuft?
Ambroise: Es gibt so viele schöne Instrumente. Ich kann nicht sagen, welches ich bevorzuge. Ich liebe die Gitarre und das Cello. Sie sind wundervoll. Die drei Instrumente in der Band, Cello, Gitarre und Piano sind meine Liebsten. Wobei... Es ist echt schwer. Ich kann’s dir nicht sagen.

Revolver - Ambroise, Christophe und Jérémie.
Einige von euch beschäftigen sich schon seit der Kindheit intensiv mit Musik. Wird es da nicht irgendwann langweilig?
Ambroise: Jérémie, der Cello-Spieler begann mit fünf oder sechs Jahren das Musik-Studium und musste nicht gross entscheiden was er wollte, da das Spielen für ihn enorm wichtig und auch schon normal war. Bei Christophe und mir war es etwas anders. Das erste Mal spielten wir zusammen als wir 15 waren. Ich begann aber auch schon davor einmal mit sechs Jahren ein Musikstudium zusammen mit Jérémie, hörte aber ziemlich schnell wieder damit auf, weil meine Eltern das so wollten. Während meines achten und fünfzehnten Lebensjahrs spielte ich keine Musik. Erst als ich mit 15 zusammen mit Christophe das Gitarre-Studium anfing, und wir zu spielen und komponieren begannen wurde daraus eine Überzeugung. Es entwickelte sich eine tiefe Beziehung zur Musik. Ich wollte spielen, Konzerte geben, Songs komponieren, Albums aufnehmen. Es wurde zum Ziel in meinem Leben. So beendete ich auch schnell einmal mein Architektur-Studium der Musik wegen und versuche so viel Zeit wie nur möglich ins Musikstudium und ins Spielen zu investieren. Dieses Album ist sozusagen die Konzentration der Träume.
Hör dir hier den Song "Do You Have A Gun" von Revolver an:
Revolver - "Do You Have A Gun" (auf den Play-Button klicken)
mp3
Was macht ihr als Ausgleich zur Musik?
Christophe: Bis vor zwei, drei Jahren studierte ich noch Film, bevor ich das Studium aufgrund der Musik abbrach. Es ist aber bis heute ein grosser Teil meines Lebens geblieben.
Ambroise: Ich habe nicht wirklich viel Freizeit. Ich mag Urlaub oder freie Tage auch nicht besonders. Das Einzige, was ich will, ist Musik machen und hören. Sogar wenn ich von zu Hause weg bin, ist das Erste was ich versuche, Musik zu machen oder zu hören aus dem einfachen Grund, dass ich mich wohl fühlen möchte. Selbst wenn ich mal nicht arbeiten muss versuche ich neue Instrumente zu lernen um mit der Band voran zu kommen. Eines Tages will ich so richtig gut sein. Irgendwann, wenn ich dann vielleicht mal in Rente bin. (lachen)
Macht ihr immer noch “chamber music” wie in alten Jahren?
Ambroise: Ja, das machen wir immer noch. Wir haben ja zwei verschiedene Versionen für unsere Konzerte. Auf der einen Seite lieben wir es mit einem Schlagzeuger zu spielen, um den Sound des Albums zu repräsentieren. Mit elektrischer Gitarre, Keyboards und dem Schlagzeug. Andererseits wollen wir aber auch auf der Chamber Music beruhen, mit welcher alles anfing und die so viel wiedergibt von echter und unverfälschter Musik. Wir versuchen sooft es geht solche Konzerte zu geben, nur wir drei, ohne künstliche Töne, nur die drei Stimmen, die Gitarre, das Cello und wir. Es ist sehr angenehm und einfach die anderen zu hören und zu verstehen: wir haben die perfekte Balance zwischen Instrumenten und Stimmen gefunden.

Revolver - Ambroise, Christophe und Jérémie.
Es gab eine Zeit, da war euer Ziel für jedes bevorstehende Konzert einen neuen Song zu komponieren. Setzt ihr euch dieses Ziel auch heute noch?
Ambroise: Nein, wir haben heute zu viele Konzerte, dass es unmöglich geworden ist. Glaub ich. (lachen). Aber vor zwei Jahren spielten wir noch nicht so viele Gigs wie heute, vielleicht hatten wir gerade mal eines im Monat. Es war eine Art Spiel, eine Motivation, jeden Auftritt anders und einzigartig zu gestalten. Wir schrieben auch schon einen Song am Nachmittag eines Konzertes. Zwei Stunden davor sassen wir in der U-Bahn, schrieben den Text und spielten ihn dann Abend vor Publikum. Das war echt super lustig.
Ihr seid eine französische Band, die Lieder in Englisch singt. Gibt es eine Chance, dass ihr eines Tages auf Französisch singt?
Ambroise: Ich glaube schon, aber im Moment noch nicht. Für uns war und ist es der einfachere und natürlichere Weg Songs auf Englisch zu komponieren. Wir wollten uns nicht gegen diesen natürlichen Willen auflehnen. Die ersten Songs, die wir komponierten und mochten waren alle auf Englisch. Aber man weiss nie: vielleicht eines Tages, wenn ich im Ausland lebe, mich in New York niedergelassen habe und ein grosser, sehr grosser Star bin, schreibe ich Songs auf Französisch. (lacht). Aber im Moment weiss ich es echt noch nicht.
Christophe: Die stimmlichen Harmonien sind viel einfacher auf französisch, denn auf Englisch zu singen. Es ist natürlicher.
Text und Interview: Katja Alissa Müller
Mehr über die französische Band gibt es auf der Website von Revolver oder auf dem MySpace-Profil von Revolver.

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