login login Passwort vergessen? Registrieren

Interview mit Trouble Andrew

Am 17.4.2009 1 Kommentare
zu Favoriten

Ob auf Roll- und Schneebrett oder auf den Bühnenbrettern: Trouble Andrew performt, als wäre er dafür geboren. Trevor aka Trouble Andrew aka TRZA aka Private Joints aka Billy Lotion aka Trev Dirt aka Trev hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, zu tun, was ihm am meisten Freude bereitet und dies natürlich so gut wie möglich. kinki hat den Profi-Snowboarder und Trash-Sänger zu seiner Doppelkarriere befragt, und festgestellt, dass er nicht immer so durchgeknallt ist, wie er sonst erscheint.

 

trouble andrew

 

kinki magazine: What's So Strange About You? (Angelehnt an seinen Song: "What's So Strange About Me?")
Trouble Andrew: (Lacht.) Ich denke, es gibt sehr viele Sachen an mir, die seltsam sind. Aber eigentlich ist dieser Song ein Cover der deutschen Band <Eight Dayz> aus den 80er-Jahren. Der Sänger der Band war selber Skater und ich habe den Song durch ein Skateboard-Video entdeckt; dieses Cover ist quasi ein Tribut an ihn. Der Song hat mich stark beeinflusst, es war einer meiner Lieblingssongs. Ich entdeckte den Song in einem Skateboard-Video, ich konnte mich damals wirklich mit dem Song und dem Gefühl, das er vermittelt, identifizieren.

Ich bin übrigens gerade recht neidisch, dass du in der Schweiz bist, das ist einer meiner liebsten Orte. Ich komme sehr oft zum Snowboarden in die Schweiz. Am liebsten mag ich Port du Soleil, ich mag das Gebiet und den Vibe dort. Ich war schon überall in den Schweizer Bergen. Mindestens ein Mal im Jahr komme ich zum Snowboarden in die Schweiz.

Dann wirst du nächstes Mal auch in der Schweiz performen?
Ja, das möchte ich unbedingt.

Wie würdest du deine Musik beschreiben?
Meine Musik ist geprägt von 80er-Jahre Skateboardfilmen, dazu ein bisschen Electro und Hip Hop. Aber ehrlich gesagt ist diese Frage für mich sehr schwer zu beantworten. Ich kenne nur meine Einflüsse; wie die Verarbeitung dieser Einflüsse, also mein Sound tönt, kann ich selbst schlecht sagen.

Ist deine Musik mit deinem Lebensstil verbunden?
Ja sehr, die Musik ist aus meinem Lebensstil heraus entstanden. Es war eine natürliche Situation: als ich mich beim Snowboarden verletzt habe, habe ich einfach begonnen, Songs zu schreiben. Zudem stammen meine prägnantesten Einflüsse aus der Snowboard- und Skateboardszene.

Machst du typischen Snowboard-Sound, so wie Jack Johnson Surfer-Musik macht?

Nein, das würde ich nicht sagen, eigentlich gar nicht. Ich finde nicht, dass irgendeine Musik, die aus der Snowboard- oder Skaterszene entsprungen ist, ähnlich wie meine Musik klingt. Aber die Musik kommt schon gut an bei Leuten, die diese Snowboard-, Skate- und Surfkultur teilen. Leute, die skaten oder snowboarden können eine persönlichere Beziehung zur Energie und dem Gefühl aufbauen, das meine Musik vermittelt. Als ich die Musik kreiert habe, dachte ich oft darüber nach, dass die Musik zu einem Snowboard-Video passen müsste, ich habe meine Musik immer aus dieser Perspektive betrachtet. Meine Musik muss Energie und ein Lebensgefühl rüberbringen und mich auf dieselbe Weise berühren und pushen, wie die Musik, die ich selber zum Snowboarden höre. Wobei ich auch einige Songs geschrieben habe, die sanfter sind.

trouble andrewWie vereinbarst du das Snowboarden mit dem Musikmachen?
In letzter Zeit habe ich vermehrt Musik gemacht, Songs aufgenommen und bin auf der Bühne gestanden. Ich hatte vor zwei Saisons eine weitere Verletzung, bei der ich mir fast den Rücken brach – das war übrigens in der Schweiz – also habe ich mich stärker auf die Musik konzentriert. Vor meinen Verletzungen machten Snowboarden, Skaten und Surfen meinen Lebensstil aus, das sind Kulturen, nicht nur Sportarten. Sie atmen wie Kunst, es ist nicht aussergewöhnlich, dass ein Snowboarder oder ein Skater auch Maler, Musiker oder sonst ein Künstler ist. Natürlich braucht es athletische Fähigkeiten, aber für mich ist es eine Form von Kunst. Deshalb gibt es auch zahlreiche Künstler aus dieser Szene, die dasselbe machen wie ich. Das ist bei Basketball- und Baseballspielern nicht der Fall.


Als ich mich 2004 von meiner Knieverletzung erholte, ging ich tagsüber snowboarden, danach machte ich Musik und gab am Abend noch Konzerte. Ich führte meinen Lifestyle also einfach fort wie zuvor. Auch wenn ich fürs Snowboarden auf Tour bin, gehen wir abends aus, treffen Leute und machen Party. Jetzt versuche ich einfach noch eine Show zu organisieren und aufzutreten, wenn ich ausgehe.

Du begannst Musik zu machen, als du dich am Knie verletzt hast und nicht mehr Snowboard fahren konntest?
Ich habe meinen ACL-Muskel in meinem Knie verletzt und musste neun Monate lang aussetzen. Also habe ich auf der Gitarre und den Instrumenten meiner Freundin (Santi White) rumgeklimpert − aus reiner Langweile. 2004 während der Ruhephase schrieb ich das ganze Album und nahm es für mich auf einem 4-Spuren-Aufnahmegerät auf. Die Musik war für mich etwas sehr Persönliches. 2005 habe ich das Album dann in New York noch mal richtig aufgenommen. Trotzdem wollte ich es nur für die Snowboard- und Skatboardwelt publizieren und die Musik für Skate-Videos verwenden. Ich dachte nicht, dass es etwas Grösseres werden würde, das war nur mein kleines Kunstprojekt. Mit dem CD-Release 2005 und meiner MySpace-Seite hat sich das Projekt dann quasi verselbständigt.

Löst die Musik das Snowboarden als Hauptlebensinhalt ab, hilft sie dir vom Snowboarden zurückzutreten?
Mit der Musik begann ich ja ziemlich zufällig. Aber ich denke, dass ich immer snowboarden werde, natürlich werde ich nicht immer meterhohe Jumps springen können und dabei mein Leben riskieren, aber ich werde das Snowboarden immer lieben und ich werde es sicher immer machen, so viel und so lange ich kann. Ich brauche das Snowboarden einfach, ich habe das mein Leben lang gemacht, es ist ein Teil von mir, snowbarden und skaten, das bin ich.


Und Musik hat mich immer begleitet und stark beeinflusst, Musik hat mich inspiriert und angespornt, gewisse Dinge zu tun. Da gab es Songs, die mir das Gefühl gaben, dass ich alles tun könnte. Und als es dazu kam, dass ich selber Musik machte, war das wie ein weiteres kreatives Ventil für mich. Ich kann meine Musik karrieremässig sicher noch weiter bringen, aber Snowboarden wird immer ein grosser Teil von meinem Leben bleiben. Ausserdem bin ich stark in die Snowboardszene involviert. Ich arbeite mit Burton über das Snowboarden hinaus zusammen. Ich mache auch meine eigenen grafischen und künstlerischen Designs für Kleider und Boards. Snowboarden gehört für mich einfach zum Leben dazu.

trouble andrewWelches Gefühl bevorzugst du im Moment: auf dem Brett, dem Board oder auf der Bühne zu stehen?
Oh, das ist eine wirklich schwierige Frage. Mit dem Skaten begann alles, es hat mich an viel coole Musik herangeführt und auch zum Snowboarden gebracht. Mein grosse Liebe ist aber das Snowboarden, es hat mich um die Welt gebracht, mir einen Job gegeben und die Freiheit, in die Welt raus zu gehen und andere Länder zu entdecken. Ich habe sehr viele Erfahrungen als Pro-Snowboarder gesammelt, die ich sonst nie erlebt hätte. Und das Snowboarden und das Skaten zusammen haben mich zur Musik geführt und nun ist es für mich sehr schwierig, diese Bereiche getrennt voneinander zu sehen, weil ein Ding zum anderen führte, sie gehören für mich alle zusammen. Also kann ich dir unmöglich eine klare Antwort auf die Frage geben, ich brauche und liebe alle drei. Ich war schon immer ein Musikfan, auch als ich selbst noch keine Musik machte. Das ist ein Teil von mir.

Was möchtest du mit deiner Musik erreichen?
Anfangs hatte ich kein Ziel, da ich ja einfach so reingeschlittert bin. Nun denke ich, dass ich ein besserer Performer werden möchte. Wie in jedem Bereich meines Lebens − sei es Snowboarden oder Skaten oder was auch immer − möchte ich einfach vorankommen und besser werden.


Als ich mit der Musik begann, dachte ich überhaupt nicht daran, einen Plattenvertrag zu bekommen oder ein berühmter Performer zu werden. Jetzt, da meine Musik veröffentlicht wurde, möchte ich sie so weit wie möglich bringen. Das ist in allen Sachen so, ich möchte Fortschritte machen und so weit wie möglich kommen.

Was ist der nächste Schritt in der Musik?

Meine aktuelle CD "Remixed + Remastered" hatte ich ja schon 2004 geschrieben, dann haben wir sie noch mal aufgenommen und neu gemixt. In der Zwischenzeit habe ich die Texte für die neue Platte geschrieben, also war ich die letzten paar Wochen über im Studio und werde es auch die nächsten zwei Monate sein. Wenn wir diese Platte fertig haben, werde ich wahrscheinlich im Sommer nach Europa kommen und danach in den Staaten touren. Ich werde sicherstellen, auch in die Schweiz zu kommen. Ich habe auch viele coole Freunde dort.

 

trouble andrew

 

Erzähl etwas über die "Trouble Gang"!
Die Trouble Gang ist meine Band. Das sind auch sehr viele Kumpels, die zum Teil nicht mal Musiker, sondern Fotografen oder Snowboarder sind. Das sind einfach meine Jungs, die mich unterstützen und die auch mit mir zusammenarbeiten. Das ist meine Crew, meine Freunde und Leute, die die <Trouble-Bewegung> unterstützen. Es wird auch eine Troublegang-Platte geben, das wird ein Kollaborationsplatte von Trouble Andrew mit Leuten aus meiner Crew.


Meine eigene Musik hat mehr Live-Instrumente, viele Keyboards und Drums; die Trouble Gang ist mal stärker elektronisch geprägt oder vom Hip Hop beeinflusst, je nach dem, mit welchem Künstler ich zusammenarbeite. Es gibt keine Einschränkungen, wir können experimentieren und machen, wozu wir gerade Lust haben. Es könnte sogar ein Countryalbum sein: wenn Willy Nelson Lust hätte eins zu machen, ich wäre dabei.


Das ist wie beim Snowboarden, wo man sich gegenseitig pusht: wenn man mit verschiedenen Leuten im Studio ist, ergeben sich unterschiedliche Energien und Vibes, die inspirieren und deine Kunst auch mal in eine andere Richtung führen. Das macht wirklich Spass.

Wie war es mit deiner Fiancé Santi White zusammenzuarbeiten?

Das war cool. Santi und ich sind schon seit sieben Jahren ein Paar. Sie hat mich ermutigt, meine Songs aufzunehmen und einen Produzent zu suchen. Sie hat die Songs schliesslich selbst einem Produzenten vorgespielt, was dann zu meinem Album geführt hat. Der Song <Bang Bang> war der letzte, den wir für mein Album produziert haben. Sie war damals an einem Projekt, das Stiffed hiess, beteiligt. Das war ein paar Jahre bevor sie mit Santogold durchstartete. Ich mochte schon immer, was sie machte. Als sie ihr Album Santogold aufgenommen hat, habe ich auch einen Song gefeaturet. Das ist für uns eine ganz normale und natürlich Situation, nicht schwierig oder unangenehm, im Gegenteil, es hat wirklich Spass gemacht, sie in mein Projekt zu involvieren und an ihrem Projekt teilzuhaben.

Hatte sie auch einen Einfluss auf deinen Musikstil?

Nein, das denke ich nicht. Ich habe meine Songs ja 2004 geschrieben, bevor sie ihr Santogold-Album gemacht hat. Mein Album ist wirklich eine Kombination der Musik, mit der ich aufgewachsen bin: Punk, Hip Hop, Pop und all das Zeugs. Aber natürlich beeinflusst sie als Person mehr als alles andere meine Musik. Und da ich diese Songs ursprünglich für mich und nicht zum veröffentlichen geschrieben haben, kommen sie wirklich von Herzen und aus meinem Inneren.

Pusht du sie im Gegenzug beim Snowboarden?
Ja, sie ist eine grossartige Snowboarderin, aber sie unterschätzt sich wirklich. Wir waren erst gerade zusammen an den X-Games, wo wir beide performt haben. Dann waren wir auch zusammen in Aspen snowboarden.

Wie habt ihr euch kennengelernt?
Wir haben uns in New York getroffen, als ich wegen der Burton-Welttournee dort war. Ich war bei Freunden zu Hause, die auch mit ihr befreundet waren. Also haben wir gemeinsam herumgehangen, gingen Essen und Party machen. Am nächsten Tag musste ich in die Schweiz, dann telefonierten wir ungefähr jeden Tag, bis ich sie nach der Tournee besuchte. Meine Telefonrechnung war horrend teuer nach diesem Trip.

Möchtest du bald sesshaft werden?
Nein, nein, ich werde mich in meinem Leben niemals fest niederlassen. Ich werde immer reisen. Das ist ein Teil meines Lebens. Wenn ich mal für eine längere Zeit, so ein bis zwei Monate, an einem Ort bin, dann werde ich verrückt und möchte weitergehen. Seit ich 12 Jahre alt bin, lebe ich aus meinem Koffer und reise um die Welt. Ich geniesse es sehr, immer wieder andere Leute um mich zu haben, die unterschiedliche Sachen machen. Und auch unterschiedliche Orte zu sehen, wo mich niemand kennt.

Was ist dein Ziel im Leben?
Glücklich und gesund zu sein und Wege zu finden, um kreativ zu sein. Liebe und Freunde zu haben und einfach weiterhin meine Arbeit so zu lieben, dass sie sich nicht wie Arbeit anfühlt. Einfach Spass haben, das ist so ziemlich mein wichtigstes Ziel, das ich schon immer verfolgt habe. Ich möchte weiterhin die Dinge machen, die ich liebe und die Leute um mich haben, die ich liebe.

Interview und Text: Florence Ritter

 

Links:
Website von Trouble Andrew
Trouble Andrew auf MySpace

 

Bei iTunes kaufen

Bei cede.ch kaufen

Tags: Electro, rock, musik, magazin nr 13, trouble andrew, Skateboard, snowboard, boardsports

Kommentare (1)

Kommentar schreiben

abschicken

suche

go

kinki newsletter

Willst du immer auf dem Laufenden bleiben? Dann melde dich hier beim kinki Newsletter an.

go

kinki magazine abonnieren

Hach, wir sind ja so unheimlich generös: Ihr bestellt ein Abo und wir beschenken euch dafür. Viel Spass und willkommen im kinki Kosmos!

Präsent wählen

werbung