Interview mit George Romero
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Mister Romero, haben die Zombies in Ihrem neuen Film eine tiefere Bedeutung?
Sie können für alles stehen, für eine Naturkatastrophe, für einen Tsunami...
...oder Hurricane Katrina.
Viele Bilder in "Diary Of The Dead" sehen tatsächlich aus wie News-Material nach dem Hurrikan. Meine Zombies funktionieren stets als Platzhalter für eine Krisensituation und ich will zeigen, wie die Menschen mit dieser Krise umgehen - oder eben nicht umgehen können.
Dabei gelingt Ihnen immer wieder eine Momentaufnahme der Gesellschaft, über die so eine Katastrophe einbricht.
Alle Filme der "Dead"-Reihe nahmen sich ein Jahrzehnt vor: "Night Of The Living Dead" reagierte auf den Konservatismus der sechziger Jahre, "Dawn Of The Dead" (1978) funktioniert als Parabel für die Konsumgesellschaft, in "Day Of The Dead" (1985) ist eine gute Portion Rassismuskritik drin und "Land Of The Dead" (2005) handelt von der Welt nach 9/11.
In "Diary of the Dead" mischen Sie jetzt Kritik an der Regierung Bush mit einem gerüttelten Mass Medienkritik.
Ich bin kein aktiv politischer Mensch, aber überzeugt davon, dass die Republikanische Partei und die religiöse Rechte die USA direkt in den Abgrund führen. Und ich habe ein gewisses Misstrauen gegenüber den elektronischen Medien. Zeitungen - egal ob links oder rechts - lieferten immerhin noch Informationen. In Blogs und Internetforen geht es dagegen nur noch um Meinungen.
Mit dem an "The Blair Witch Project" erinnernden Film-im-Film-Plot übt "Diary Of The Dead" auch ganz ostentativ Kritik am manipulativen Charakter des Filmemachens.
Es geht um die altbekannte Tatsache, dass Filmemacher die Realität nicht abbilden, sondern nur interpretieren. Gleich zu Beginn verspricht meine Hauptfigur, beim Editieren alles zu tun, um die eigene Position zu untermauern - und alles wegzulassen, was dagegen spricht. So geht auch Michael Moore in seinen Filmen vor.
Lässt Ihnen Hollywood die ganze Sozialkritik eigentlich durchgehen, weil Sie "bloss" Horrorfilme drehen?
Nicht nur das - die Studios erwarten von mir sogar eine subversive Botschaft, weil sie glauben, dass die Filme damit bei den Kritikern besser ankämen. Aber letzten Endes scheren sie sich einen Dreck um meine politischen Ansichten, solange ich nur genügend Zombies auf möglichst amüsante Art aus dem Weg räume (lacht).
Ist es denn nicht schmerzhaft, auf das Label "Zombie-Regisseur" reduziert zu werden?
Natürlich tut das weh. Ich habe einige Filme ausserhalb des Genres gemacht, die mir sehr am Herzen liegen: "Martin" (1977) oder "Knightriders" (1981) zum Beispiel. Und es gab ein Projekt mit meinem alten Freund, dem Hollywoodstar Ed Harris. "The Assassination" sollte ein Politthriller über die Ermordung des dominikanischen Diktators Trujillo werden, an der die USA massgeblich beteiligt waren. Die Arbeiten waren schon weit fortgeschritten: Es gab ein wunderbares Script und Anthony Quinn sollte Trujillo spielen. Daneben waren weitere grosse Namen dabei: Neben Ed Harris selbst auch James Coburn als US-Botschafter und Ricky Martin als Revolutionsführer. Aber Quinn und Coburn starben 2001 und 2002 völlig überraschend innerhalb von wenigen Monaten. Ohne Starbesetzung zogen sich die Geldgeber zurück und so ist schliesslich auch das Projekt gestorben.
Bei "Diary Of The Dead" bin ich einen ganz anderen Weg gegangen: Der Film wurde mit einem winzigen Budget (die Rede ist von zwei Millionen Dollar, J.T.) ausserhalb des Studiosystems gedreht - in nur 20 Tagen und ohne einen einzigen Star. Es war das erste mal seit "Night Of The Living Dead", dass ich die komplette Kontrolle über meine Arbeit hatte und nicht vor jeder Entscheidung bei den Studiobossen um Erlaubnis fragen musste. Wenn ich noch ein paar solche Filme drehen kann, werde ich als glücklicher Mann sterben.
Interview: Jürg Tschirren
Links:
Website zum Film "Diary Of The Dead"
MySpace-Profil zum Film "Diary Of The Dead"
"Diary Of The Dead" bei IMDB
Wikipedia über George A. Romero
"Diary Of The Dead" hat noch keinen offiziellen Starttermin, soll aber noch 2008 in die Schweizer Kinos kommen.

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