Interview mit Ebony Bones
Wie im kinki magazine #12 zu lesen war, bin ich in London zufällig in die ausgeflippte Show von Ebony Bones gestossen. Vom ersten Moment an war ich infiziert und konnte es deshalb kaum erwarten, ein Interview mit Ebony Thomas zu führen. Bereitwillig gab mir die sehr gesprächige Londonerin Auskunft. Hier das Interview in voller Länge; Denn Miss Thomas hat einiges zu sagen!
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Musikvideo zum Song "Muzik" von Ebony Bones
kinki magazine: Wie war die Arbeit am Album?
Ebony Bones: Ich habe gerade erst den Titel für das Album gefunden, es wird "Bone Of My Bones" heissen. Letztens stiess ich auf den Satz aus der Genesis "Bone of my bones, flesh of my flesh; she shall be called Woman, because she was taken out of Man", und ich dachte nur, mein Gott, das ist so cool, das passt perfekt! Ich bin wirklich aufgeregt, ich habe für mein Album alles selber geschrieben und produziert und ich bin immer noch im Studio. Ich habe ein grossartiges Team um mich herum, meine Liveband ist wie eine zweite Familie.
Es war auch sehr schön zu erfahren, dass viele Leute meine Musik hörten, auch wenn sie sie nicht als CD besitzen konnten. Ich habe kürzlich meine erste Live-Show in Kanada und in den USA gespielt und beide Shows waren ausverkauft und das, obwohl niemand wirklich wusste, wer ich bin. Ich bin so überwältigt von dem ganzen Support, den ich von all diesen Leuten erhalte.
Wir sind dieses Wochenende aus Polen zurückgekehrt und es war so viel Spass, weisst du, wir verbringen 70% der ganzen Zeit mit Lachen. Das ist das Beste, du hast einfach eine gute Zeit mit deinen Freunden. Es fühlt sich auch nicht wie Arbeit an, es ist mehr so, als würdest du deinen Lebensstil mit anderen Leuten teilen und die Leute kommen, um sich daran zu erfreuen und ein Teil davon zu werden.
Das heisst, MySpace hat dich bekannt gemacht?
Ja, überhaupt das ganze Internet, nicht nur MySpace. Ich denke, in unserer Zeit gibt es nichts ansprechenderes und nützlicheres als Mund zu Mund-Propaganda, ich meine, verglichen mit Werbung oder Labels, die ihre neuen Künstler dem Publikum aufzwingen wollen. Ich finde es wunderschön, dass man zu seinen Freunden sagen kann: "Hey ich habe von dieser und dieser Person gehört, die hat ein MySpace-Profil." Dann kann jeder diese Person selber entdecken und sich seine eigene Meinung bilden. Das entspricht ziemlich genau dem Prozess, wie mein Projekt begonnen hat, es verlief alles über Mund zu Mund-Propaganda, Freunde, die Freunden erzählten etc., und bevor ich es wusste, brachte mich meine Live-Show so ziemlich rund um die Welt.
Ich habe dich zufällig in London im Club @proud gesehen.
Ich habe früher viele Geheim-Shows als Surprise Guest gespielt, im Moment performe ich aber selten in London. Es ist schön zu wissen, dass die Leute an die "Power of Tongue" glauben. Diese Musik berührt sie, auch wenn sie sie nicht besitzen können. Sie kommen zu den Liveshows.
Wie hat dein Projekt Ebony Bones begonnen?
Ich habe eigentlich immer Musik geschrieben, ich wurde aber erst vor ein paar Jahren auch gut darin. Mir wurde nie formell beigebracht, wie man Musik macht, aber ich hatte immer sehr viele Ideen. Mein Wunsch war es, visuelle Musik zu machen. Ich war schon immer ein Fan von Filmmusik, die ja sehr visuell ist, da habe ich mir überlegt, dass ich selber einen Film-Soundtrack machen könnte. Ich habe also begonnen mit Instrumentals rumzuspielen und viel auszuprobieren. Irgendwie wurde ich, ohne es zu bemerken, ganz gut darin. Ich habe es dann einer Freundin vorgespielt und sie sagte, ich solle es auf MySpace stellen. Ich wusste nicht mal, was MySpace ist…
Wann war das?
Das war so 2005, keine Ahnung. Ich habe damals einen MySpace-Account eröffnet und war monatelang nervös. Ich habe nur ein paar Leuten davon erzählt, meiner Familie habe ich nichts gesagt. Der ganze Prozess war ziemlich seltsam für mich, ich habe sozusagen meine Arbeit ausgestellt und die Zuhörer beurteilen lassen, um zu sehen, wie es ankommt.
Was für eine Ausbildung hast du gemacht?
Ich habe keine musikalische Ausbildung gemacht, wirklich. Ich denke, dass viele Sachen gar nicht gelernt werden können, sondern dass man sie instinktiv in sich hat. Es kann dir höchstens jemand helfen, dieses Potential hervorzubringen, ein Musiklehrer zum Beispiel. Aber ich denke, ein grosser Teil der Musik ist eine spirituelle Sprache, die auf eine spezielle Weise mit den Leuten in Verbindung tritt. Ein Musiker ist nicht wie ein Staatsanwalt oder ein Doktor, der wirklich Übung und eine Ausbildung für seinen Job braucht. Bei der Musik gelten ganz andere Kriterien. Ich wollte immer Musik machen, die die Leute berührt und ich hoffe, dass mein Album das erreichen wird.
Hast du gesungen, als du klein warst?
Ja, so als 5-Jährige nervte ich die Leute, indem ich mit meiner Haarbürste bewaffnet vor dem Spiegel sang. Aber ich habe nie aussergewöhnlich viel gesungen, ich war in keinem Chor. Ich hatte niemals eine Stimme die wie (überlegt)… damals war Whitney Houston in den Charts und so viele andere, und meine Stimme tönte überhaupt nicht so. Und ich war auch nicht so, ich mochte andere Sachen, auch andere Musik als meine Freunde; die hörten Kids on the Block und MC Hammer und ich hörte höchstens Talking Heads auf meinem Walkman. Ich hatte schon sehr jung einen sehr eklektischen und aussergewöhnlichen Musikgeschmack. Aber ich dachte damals auch nie daran, selber Musik zu machen. Kein bisschen. Jedoch sah ich mich immer als Performerin. Das war etwas, das ich erforschen wollte und was ich jetzt mache ist sozusagen die Weiterführung davon.
Was hast du gearbeitet, bevor du mit Ebony Bones begonnen hast?
Oh, ich habe viele unterschiedliche Sachen gemacht. Als "junges Mädchen" habe ich ein bisschen geschauspielert, ich war aber nicht sehr gut darin. Damals habe ich begonnen Songs zu schreiben, weil ich dadurch kreativ herausgefordert wurde und ich mit Leuten durch meine eigene Art und Weise anbändeln wollte. Ich denke, bei Musik und Mode geht es hauptsächlich um den Drang sich mit den Leuten in Verbindung zu setzen. Die Musik wird von dem Gefühl angetrieben, das ich kriege, wenn ich sie spiele und das kann sich von Tag zu Tag ändern, das ist so spannend daran, es ist jedes Mal anders. Meine Musik hat so viele unterschiedliche Seiten, manchmal ist sie sehr wütend, mal traurig, mal ganz fröhlich, dann ziemlich albern, aber es ist alles wunderschön.
Wie würdest du deine Musik beschreiben?
Ich tendiere dazu, das gar nicht erst zu machen. Weisst du, es ist so ein Mischmasch und Meltingpot von unterschiedlichen Genres und Sounds, ich glaube Kunst ist generell nur eine Perspektive von dem, was ein Künstler täglich in seinem Umfeld hört und erlebt. Ob das nun ein Computerspiel oder eine Waschmaschine ist, der Künstler wird Kunst anfertigen, die danach tönt. Ich bin in London aufgewachsen, diese Stadt ist der Meltingpot von verschiedenen Ethnien. Da ich dort gross geworden bin, hörte ich alle möglichen Musikstile, du kannst die Strasse runterlaufen und Punk hören, um die Ecke hörst du Reggae, in einer weiteren Strasse hörst du noch was anderes… Weisst du, das ist nicht nur London, sondern das ist die kosmopolitische Gesellschaft, zu der die ganze Welt gehört. Vor allem durch das Internet sind wir offener gegenüber anderen Musikgenres geworden, weil es die Zugänglichkeit zu Musik enorm erhöht hat. Meine Musik bezieht sich auf diese Entwicklung, die auf der ganzen Welt vor sich geht, Musik aus anderen Ländern ist nur noch ein Klick von uns entfernt: die Welt ist zu einem kleineren Ort geworden. In meiner Musik spiegle ich diesen Clash der Kulturen wider.

Was magst du besonders an London?
London ist wirklich ein einzigartiger Ort, es ist ein magischer Ort, du kannst so viele verschiedene Leute aus unterschiedlichsten Kulturen treffen, sie kulminieren alle hier in diesem seltsamen Meltingpot. Ich denke, London war schon immer eine Art Magnet für, ich weiss nicht, fürs Exzentrische, für die Seltsamen. There is no beauty without strangeness. Und London hat diese gesunde Mischung, um Schönheit zu kreieren.
Könntest du deine Bandmitglieder kurz vorstellen?
Mein Gitarrist Geki The Great ist aus Japan und mein Schlagzeuger aus Mexico, Mr. Mendiola. Ich habe zwei wundervolle Background-Sängerinnen, da ist zum einen Angie Blue, sie ist phänomenal, sie trägt übrigens die blaue Perücke. Meine zweite Background-Sängerin heisst Helena Of Troy, wie in der griechischen Mythologie, und mein Trompeter heisst Barry Bones. Und mein Keyboarder heisst Dr. Heptinstall. Sie sind alle wie eine zweite Familie für mich, ich bin so glücklich wenn ich mit ihnen unterwegs bin. Wenn wir touren oder fliegen, dann lachen wir so viel zusammen. Und wenn wir auf der Bühne sind, sind wir wie ein kleines karibisches Dorf, wir kümmern uns nicht, es ist unsere Party und wir laden andere Leute dazu ein, mit uns zu feiern. Es macht so viel Spass, ich denke, wir sind eine grossartige Liveband.
Wie hast du deine Bandmitglieder kennengelernt?
Ich habe diese Leute zufälligerweise getroffen. Ich war wie Dorothy im Zauberer von Oz, die den Löwen und die Vogelscheuche auf ihrem Weg trifft. Ich habe diese Leute im wahrsten Sinne auf der Strasse getroffen. Und alle waren sie keine Professionellen, sie haben einfach ein bisschen Gitarre oder Schlagzeug gespielt. Sie waren alle gute Freunde von mir und ich dachte mir, dass wir zusammen eine gute Truppe abgeben würden. Und wenn man mit den richtigen Leuten auf der Bühne steht, dann passiert etwas Magisches. Das ist wie Kunst, man kann es nicht richtig erklären oder in Worte fassen, aber es weist wieder darauf hin, dass Musik eine spirituelle Sprache ist, die mit dem Publikum in Verbindung tritt. Meine Band ist aber nur meine Liveband, ich schreibe und komponiere meine ganze Musik selber und spiele auch selbst viele Instrumente; wenn ich aber auftrete, dann mit meiner Live-Band.
Demnach überlegst du dir auch die Kostüme, die Shows & Choreografien?
Jaaa, ich bin ein grosser Fan von Glamrock, von Bands wie Funkadellic, Parliament and George Clinton und David Bowie, die New York Dolls, Leute, die wirklich an der Visualität ihrer Musik arbeiten! Weisst du, ich ging an all diese Indie-Rock-Konzerte und habe diese Jungs in skinny Jeans gesehen, die über ihr "suicidal girlfriend" singen und ich war so gelangweilt und dachte "Oh mein Gott", ich möchte eine Show sehen und unterhalten werden. Ausserdem liebe ich Theater und ich habe mich gefragt, wie ich diese Elemente in meine Live-Shows einbringen könnte? Und wie kann ich weitere Leute miteinbeziehen, so dass sie teilhaben möchten und sich auch so kleiden möchten, wenn sie unsere Show sehen kommen? Glücklicherweise hatte ich die richtigen Individuen in meiner Band, um das zu tun. Ich habe viele der Kostüme designt und ja, es ist sehr DIY (do it yourself), es ist diese alte Punk-Ethik des Selbermachens anstatt zu warten, dass es jemand anderes für dich macht. Sei dein eigener Held!
Du wirst oft für deinen Modestil gelobt, wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Wie die wieder auferstandene Kleopatra auf der Suche nach einem Mc Donald’s.
Ich bin nicht sehr modeorientiert, das meiste, was ich trage, mache ich selber. Und weisst du, es kostet mich meist weniger als eine grosse Pizza. Ich mag die Idee, dass man nicht nur die Musik kreiert, sondern auch die Kleider, die Mode, die Visuals. Und ich denke Mode und Musik passen sehr gut zueinander: meine Musik ist die Reflektion der Mode und umgekehrt.
Kannst du eigentlich von deiner Musik leben?
Im Moment kann ich davon leben und das ist es, was für mich zählt. Es kommt halt sehr darauf an, was du vom Leben verlangst.
Wie würdest du einen durchschnittlichen Tag in deinem Lebens beschreiben?
Morgens stehe ich auf und gehe 25 Minuten in den Park zum Joggen. Danach gehe ich ins Studio und nehme für 12-13 Stunden auf, manchmal auch länger. Manchmal habe ich am Tag noch ein Fotoshooting oder ein Interview. Ausserdem trinke ich sehr viel Tee und ich lache sehr oft. Ja, das ist so in Ungefähr mein Tag.
Wirst du in Zukunft mehr reisen und auf Tour sein?
Ja, ich war während zwei Wochen jeden Tag in einem anderen Land, das hat mir viel Spass gemacht. Ich denke, das muss einem einfach Freude bereiten. Wenn man etwas macht, das einem selber keinen Spass macht, dann wird es auch sonst niemandem Spass machen. Und ich geniesse es wirklich, Musik zu machen, und ich hoffe, dass die Leute sie wirklich gerne hören werden.
Text und Interview: Florence Ritter
Photo Credit: Sunday Best
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