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Interview mit Michael Stor

Am 16.11.2009 1 Kommentare
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Michael Stor und Alex Riegler vom Wiener Lichtkunst-Duo "mumu" wollen im Untergrund Glühbirnen produzieren. Das Interview beginnt Michael Stor gleich selbst:

 

"Sagen Sie, Herr Fischer, wird das Glühlampen-Verbot eigentlich auch in der Schweiz umgesetzt?"

Ja, in einem Jahr wird auch die Schweiz die EU-Richtlinien adaptieren.
Oje. Dann wird auch die Schweiz in furchtbarem Licht erstrahlen. Das ist echt schlimm. Die Schweiz hätte ein Stronghold sein können in dieser ungleichen Schlacht! 

 

Michl und Alex
Michl und Alex

Und Sie wollen tatsächlich in die Untergrund-Produktion einsteigen?
Absolut. Wir wollen einerseits kaputte Glühbirnen reparieren. Das ist relativ einfach. Wenn wir dann noch eine günstige Produktionsstrasse kriegen, nehmen wir die gerne, um im Untergrund Unruhe zu verbreiten.

Im Ostblock haben wir bereits Kontakte. Wir sind momentan auf der Suche nach dem, was das Vintage-Label trägt, also Glühbirnen aus den 60er, 70er-Jahren. Diese sind viel schöner als die heutigen, viel grösser. Wir suchen eine Maschine aus dieser Zeit. Bisher reden wir aber alle nur von Plänen.

Wie würde der Vertrieb funktionieren?
Na der ist hochgefährlich! (lacht) Ich verwende immer das Schlagwort Guerillaaktion. Es soll ziviler Ungehorsam sein. Und weil wir Künstler sind, darf ich unter dem Titel Kunst alles machen, auch Glühbirnen herstellen, solange da was dran ist.

Was macht Ihre Glühbirne zur Kunst?
Wir wollen Kunsteditionen machen, also zum Beispiel 10 000 Stück handsigniert herausgeben. Ich kann mir auch vorstellen, die Dinger öffentlich zu produzieren. Kunst ist immer auch Widerstand und zeigt die Inkohärenz einer Gesellschaft auf. Wir wollen zeigen, dass da eine Bevormundung stattfindet, die einer realen Analyse nicht stand hält.

 

engl.baba1

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Und das läuft dann juristisch unter Kunst?
Das ist sehr schwierig vorher abzuklären. Wir würden uns weit aus dem Fenster hängen, aber wir haben auch nicht vor, 1000 Glühbirnen pro Tag zu produzieren. Und wir wollen damit kein Geld verdienen. Ich glaube dass es der Staat Österreich dulden wird. Es wird ja nicht in jeder Gemeinde eine Glühlampenproduktion stehen, auch wenn das natürlich das beste wäre, wenn wir das schaffen, einen Flächenbrand zu verursachen.

Die Debatte um die Glühbirne hat keine klaren politischen Fronten. Links und rechts, grün und liberal, das gerät alles durcheinander. Wo verorten sie sich?
Vermutlich in einer sehr romantischen Ecke. Die intelligente Entwicklung des Menschen ist ursächlich verbunden mit der Kultivierung von Feuer. Jeder Mensch sitzt vor dem offenen Feuer und schmachtet. Die Glühlampe ist das letzte Überbleibsel im täglichen Leben, wo wir einem Verbrennungsprozess beiwohnen.

 

Diesen einer Effizienzideologie zu opfern ist ein kulturgeschichtliches Desaster. Die normale Allgebrauchsglühlampe wird mir nicht abgehen. Für die gibt es Ersatz. Aber die 200 Watt wird abgehen und all die ganzen Speziallampen, die Glühlampen, die funkeln können, die kleinen, die man auf Lustern findet etc. 

 

Pop Eye von mumu

Pop Eye von mumu

 

 

Sie sagten mal: "Licht ist nur das Sandkorn, es geht ums Leben, es geht darum, was wir alles noch mit ansehen und ab wann wir beginnen, selbst anzupacken". Das war 2003. Prophetisch?
Hehe... Das war damals einfach schon Ausdruck der Gesinnung, in der wir arbeiten. Jede unserer Arbeiten hat zum Hintergrund, ein Bewusstsein zu bilden. 2003 hatten wir eine Ausstellung. Ein Jahr davor hatten wir eine Serie von Leuchten irrsinnig billig an Studenten, alleinerziehende Mütter und so weiter verkauft.

 

Und im Jahr darauf kam eine dieser Mütter zu uns und hat sich bei uns überschwänglich bedankt, weil diese Lampe ihr Leben verändert hat. Das war das grösste Kompliment, das wir bekommen haben, dieses Verändern und Bereichern eines Lebens. Deswegen mache ich meinen Job, deswegen bin ich Künstler.

Wie kann eine Lampe mein Leben verändern?
Wir hatten eine Serie von hundert Lichtobjekten, lustigerweise mit Energiesparlampen, die ja ein sinnvolles Produkt ist, der wir aber versucht haben das scheussliche Licht zu nehmen. Wir hatten Kugellampen produziert mit Farbfolien, mit denen man spielen kann. Man konnte damit das Zimmer ausmalen.

 

Aus dieser Beschäftigung mit dem Licht kann man Bereicherung ziehen. Und für Sie? Dass man sich in den Menschen und seine Wohnung hineinspürt und fragt, wie man hier die Stimmungen hineinbringt, die man sich ersehnt.

 

Lichttopf von mumu
Lichttopf von mumu

Ihr Produktionsvorhaben ist gefährlich, teuer, zeitintensiv und Sie wissen nicht, ob es funktionieren wird. Was motiviert sie?
Es ist einerseits das sich nicht auf den Kopf scheissen lassen wollen, Sie verzeihen meine klare Wortwahl. Wir sind permanent einer Bevormundung ausgesetzt. Ich erinnere an die alten Käsereien in Oberitalien und Südtirol, die zusperren mussten, weil sie keine Milchbottiche hatten, wie sie die EU vorschrieb.

 

Das fusst in dem Phänomen, dass die Menschen nicht mehr interessiert sind am wahren Leben, daran, wo die Dinge herkommen und was Wahrhaftigkeit bedeutet.

 

Ich kämpfe dafür zu sagen: die Glühlampe ist völlig ineffizient – und das ist gut so, das brauchen wir in unserem Leben! Es ist nicht alles immer effizient. Wie kann Liebe, Wohlwollen, Freude, Erregung effizient sein? Wir versuchen alles zu kontrollieren. Das ist eine völlig falsche Denke.

 

Text und Interview: Tin Fischer

 

Zu diesem Thema gibt es in der aktuellen Ausgabe eine lustige Zukunftsreportage aus dem Jahr 2013.

Tags: magazin nr 19, michael stohr, alex riegler, Interview

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