Interview mit Matt Hensley

Das neue Album von Euch mit dem Titel "Float" klingt viel kompakter und auch folkiger im Vergleich zu den früheren Alben. Aufgenommen habt ihr es im irischen Niemandsland, lag es also am einsamen Setting der Produktion?
Grosses Ja, ich meine, die anderen Alben haben wir in Los Angeles oder Chicago eingespielt. Dort kommst du nicht zu einem durchgängigen Aufnahmeprozess, denn ständig wird unterbrochen, weil Freunde vorbeikommen und man ist abends immer unterwegs. Diesmal waren wir sehr fokussiert auf die Musik. Trotzdem ist es ein typisches Flogging-Molly-Album geworden. Wir haben nur das Tempo bei einigen Stücken etwas rausgenommen. Wir entwickeln uns eben als Band immer weiter, das Zusammenspiel ist besser geworden und damit klingt das Ganze auch kompakter.
Im letzten Jahr hattest du dir eine Auszeit von der Band genommen, um mehr Zeit mit deiner Familie zu verbringen. Was gab den Ausschlag, schon nach knapp einem Jahr wieder in die Band zurückzukehren?
Es stimmt, die Pause war dann doch nur ein Jahr. Zeitgleich mit der Bandgründung 1997 wurde ich damals auch Vater. Flogging Molly wurde mit der Zeit immer erfolgreicher und unser Tourkalender erschreckt mittlerweile auch gestandene Bands. Irgendwann hatte ich gemerkt, dass ich meinen Sohn nicht mehr verlassen wollte, ich wollte dabei sein, wenn er seine ganzen "Erstes-Mal-Geschichten" erlebt. Also verliess ich schweren Herzens Flogging Molly. Doch ich liebe diese Band auch viel zu sehr und ohne sie fühlte ich mich unausgefüllt. Ein Teil meiner Person fehlte und ich war nicht mehr ich selbst. Der Akkordeonspieler in dieser grossartigen Band zu sein, das ist definitiv mein Platz, dort gehöre ich hin. Ich vermisse meinen Sohn natürlich weiterhin, doch ich glaube, seine Träume zu leben ist ein Lebensstil, den ich ihm als Vorbild mitgeben möchte.

Was fasziniert dich gerade am Instrument Akkordeon?
Die Leute checken es meistens nicht, dass ich mich ausgerechnet für das Akkordeon entschieden habe. Doch das Akkordeon ist ein tolles Ding. Es zu lernen war echt schwierig, denn als ich mit den ganzen Knöpfen auf der einen Seite durch war, fragte ich mich die ganze Zeit, was zur Hölle sollen jetzt die anderen 1000 Knöpfe noch... Neben dem melancholischen Klang, mag ich die Tatsache, dass es ein internationales Instrument ist. Du kannst in fast jedes Land auf der Welt gehen und du wirst es in der Folklore vorfinden. Es ist ein echtes Working-Class-Instrument.
Bevor du mit der Musik angefangen hast, warst du bereits eine Ikone in der Skaterszene, als einer der ersten und vor allem der besten Pro-Skater. Beschreib doch mal bitte den Spirit der damaligen Pionierzeit.
Die Anfänge des Skatertums waren vor allem von Freundschaften geprägt. Wir waren ein kleiner, aber total verschworener Kreis von Typen. Auch das Umfeld war ja ganz anders, wir mussten regelmässig vor den Cops abhauen. Die Zeit damals gehört aber zu den schönsten Sachen in meinem Leben, denn das Zusammengehörigkeitsgefühl war so stark wie nie wieder in meinem Leben.
Skaten ist heutzutage längst in den Mainstream übergegangen. Wie empfindest du die Entwicklung und was nervt dich eventuell am Status Quo?
Also, die Szene war ja damals wie gesagt sehr klein, wir waren wie eine Gang und so war es überall. Heutzutage ist es unüberschaubar geworden und dieselben Typen, die mich und meine Skaterfreunde damals immer blöd angemacht haben, würden heute garantiert selbst skaten. Ich finde aber die Entwicklung sehr cool, denn ich liebe das Skaten, und der riesige Erfolg, den der Sport heute hat, ist absolut verdient. Ich finde es auch gut, dass die Topskater heute einen Haufen Kohle machen, denn sie bekommen es zu Recht. Ich finde es nur schade, dass die Kids heutzutage nicht mehr dieses Gemeinschaftsgefühl erleben können.
Hast du eigentlich so etwas wie einen Lieblingstrick beim Skaten?
Ja hab ich natürlich, der Ollie, einfach deshalb, weil man so viele Sachen mit diesem Trick anstellen kann, es ist endlos...
Wie läuft das Geschäft mit dem Clothing-Label Innes, das du ja mit deinem Bruder Chris betreibst? Und was hat es eigentlich mit der Schwalbe als Logo auf sich?
Das Geschäft läuft gut. Die Philosophie von uns kann man ganz gut mit dem Namen erklären. Innes ist ein alter schottischer Name für einen Clan, dem auch meine Vorfahren angehörten. Er steht sinngemäss für Zuverlässigkeit und wir versuchen auch entgegen aller aktuellen Strömungen Skaterklamotten zu verkaufen, die sich an den Anfängen orientieren. Man konnte also bei uns schon immer auch andere Hosen als eine Baggy kaufen... Die Schwalbe war eigentlich ein Tattoo von mir, sie ist ein sehr altes Symbol und wurde früher oft bei Seeleuten auf die Haut gestochen. Die Message dahinter war, dass sie immer zurückkommen werden und loyal zu ihrer Familie sind. Für mich das perfekte Symbol für unsere Sachen, denn wir sind auch loyal zum Skaten und der Sport wird immer unsere Familie sein.
Skaten, Musik, eigenes Label und seit kurzem betreibst du auch noch eine eigene Bar. Was treibt dich zu all den verschiedenen Projekten an?
Ich denke, dass ich nicht mehr Talent besitze als andere Menschen. Aber ich habe in mir jede Menge Energie und Ambitionen. Ich mag es, mich herausfordern zu lassen und vor allem bin ich bei meinen Projekten gnadenlos diszipliniert. Ich verfolge sie zu 100 Prozent und damit erklärt sich auch der Erfolg. Man darf keines der Projekte nur aufgrund des Erfolgs verlängern, sondern man muss sie mit Spass betreiben.
Mit deinem bisherigen Lebenslauf, der für drei Leben locker ausreichen würde, sind wir natürlich gespannt was man als nächstes Projekt von dir erwarten darf?
Nein, da muss ich dich jetzt enttäuschen, ich bin komplett ausgebucht mit den momentanen Sachen. O.K., eine neue Sache gibt es doch: Ich habe angefangen, meine Sammlung an "uncoolen" Instrumenten zu erweitern, denn ich lerne jetzt auch Banjo zu spielen...
Interview & Text: Mathias Bartsch
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