Paint it black!
Jeder von uns kennt sicherlich mindestens einen Turnschuhsammler: diese kuriose Spezies, die in der Nacht vor Erscheinen der limitierten Treter vor den Shops campiert, um die heiss ersehnten Latschen dann originalverpackt wie einen wertvollen Schatz im Regal zu lagern, wo sich dieser in Reih und Glied neben anderen Raritäten der Sneaker-Tradition einreiht, meist ohne auch nur ein einziges Mal getragen zu werden.
Auch Jesse Leyva, der Design Director of Sport Culture bei Nike, kennt diese Sammelleidenschaft von sich selbst. In seiner Position ist Jesse nun sogar fähig, das zu tun, von was mancher Sneaker-Junkie sein Leben lang träumt: er darf sich seine eigenen Prototypen herstellen lassen. Allerdings nicht, um sie im Regal aufzustellen, nein, die Schmuckstücke werden auch gleich vom Direktor persönlich getestet!
Im Interview verriet uns Jesse, wovon ein klassisches Sneakerdesign abhängt, warum seine Sneakers immer schwarz sein müssen und natürlich auch, welches denn sein persönliches Lieblingsmodell ist.
Jesse Leyva photocredit: Daniel Shaked.
Interview mit Jesse Leyva
kinki magazine: Jetzt, da du für Nike arbeitest und eigentlich alle Schuhe für dich zugänglich sind, meinst du, dass es dein Sammlerverhalten geändert hat? Gehst du noch raus und kaufst dir Modelle?
Jesse Leyva: Ich würde mich nicht als Sammler bezeichnen, sondern eher als jemanden, der viele ähnliche Dinge kauft. Die meisten Sammler tragen ihre Schuhe nicht. Ich kaufe alles, um es zu benützen.
Als ich vor gut 12 Jahren anfing für Nike zu designen, besass ich etwa 100 Paar Schuhe, diese Zahl wuchs natürlich in den ersten Jahren meines Jobs ungemein an, doch eines Tages wurde meine Wohnung ausgeraubt und all meine Schuhe waren mit einem Schlag weg! Meine Air Jordan 1, die ich noch als Kind an der Hand meines Vaters gekauft hatte, Air Revolution… – alles weg. Aber wer auch immer die gestohlen hat, wird nicht viel Geld bekommen haben, denn sie waren alle getragen. – Im Moment trage ich also gern Prototypen, ganz in Schwarz gehalten. But I’m a little strange… Ich trage meine Sneaker zwei Wochen lang jeden Tag und dann nie mehr. Nächstes Paar.
Um sie zu testen?
Ja, nur um sie zu testen. Ich trage gerne die Modelle, an denen wir gerade arbeiten. Wir halten sie ganz in Schwarz, um unnötiges Aufsehen zu vermeiden und die neuen Materialen etwas zu verbergen. Das Probetragen hilft damit natürlich auch dabei, den Tragekomfort zu optimieren. Meist behalte ich das Paar dann auch für mich
Spielt da auch ein Nerd-Faktor mit, dass du dir die Prototypen anfertigen lässt?
Vielleicht, denn ich neige schon dazu, auf kleine Details abzufreaken, aber eigentlich geht es mir darum, meinen Teil dazu beizutragen, den Schuhe zu verbessern.
Wenn ihr an Icons, die die Marke mitgeprägt haben, arbeitet, gibt es gewisse Guidelines, die ihr einhalten müsst?
Komischerweise nicht. Doch die Leute, die ich für mein Team einstelle, teilen meinen Respekt für gutes Design, selbst wenn sie keine Sneaker-Heads sind. Ich bin halb Purist, halb Innovator. Aber nur weil wir die Macht haben, Designs zu ändern, bedeutet es nicht, dass wir es auch müssen. Wir schätzen die klassischen Formen und es wäre fahrlässig, sie ihrer Identität zu berauben. Zumal Nike uns wirklich sehr viel Vertrauen entgegenbringt und wir keine wirklichen Einschränkungen haben. Die meisten in meinem Team sind Design-Puristen, bringen also dieses Grundverständnis für klassisches Design mit – seien es Schuhe, Industrieartikel oder auch Möbel.
Wenn ihr einen Schuhe gestaltet, gibt es einen speziellen Typ Träger, den ihr dabei im Hinterkopf habt?
(Denkt nach.) Ich glaube es wäre doch schwierig, das nicht zu tun. Aber wir versuchen, es doch zu vermeiden. 90 Prozent der Produkte, an welchen wir arbeiten, würde ich wahrscheinlich nie anziehen. Wir reisen viel, das ist auf jeden Fall eine starke Inspirationsquelle, wenn ich wildfremde Personen sehe, deren Style mir gefällt. Oft denke ich mir, dass ich mich zwar so nie herrichten würde, aber für diesen Typ das richtige Paar Sneaker designen möchte. Wir sind also auch in gewisser Weise Stylisten.
Ginge es nach mir wären alle Schuhe schwarz – das wäre für die meisten wohl eher fad. Aber ich denke, dass darin nicht die wirkliche Stärke unseres Teams liegt. Dann doch eher im Austüfteln kleiner Details, und wie man alten Modellen mit Mitteln der heutigen Technologie zu besserer Leistung verhilft.
Ist das der Grund, weshalb ihr immer wieder szenespezifische Leute einladet, eine Edition zu gestalten?
Es gibt einfach nichts Authentischeres als solche Szene-Leute, die im Schuh ihren eigenen Vibe kicken. Für den Brooklyn-Style arbeite ich mit Clark Kent oder für die AF1 Geschichte holten wir uns Bobbito hinzu. Das ist was das ganze ausmacht. Sie verkörpern das. Vielleicht liegen wir dann manchmal nicht richtig, aber es ist Phil Knight (Gründer und CEO von Nike) lieber, ausgewählte statt zahlreiche Partnerschaften zu pflegen.
Was wäre dein Lieblingssneaker? Selbstverständlich in Schwarz gehalten...
Oh. Das ist schwer (lacht)! Das ändert sich, aber die drei Top-Modelle sind der Trainer 1, Terra Humara und der Dunk! Ich liebe den Dunk. Er passt zu allem, hat eine ideale Form und ist nicht so schwer wie der AF1. Den einzigen AF1, den ich besitze, kaufte ich 1996 für 20 $ im Ausverkauf im Mitarbeiterstore von Nike. Es war ein Canvas Modell, die Mutter eines Freundes arbeitete damals bei Nike und sie schleuste mich rein.
Gibt es dennoch etwas, das du an den Dunks verbessern würdest?
Das ist wirklich schwer. Am Max 90 und Max 1 ja, sogar mit dem Trainer habe ich schon experimentiert, aber der Dunk bleibt was Besonderes. Keine Ahnung was es ausmacht, aber der Dunk ist perfekt, so wie er ist. I don’t wanna mess with that one!
Nur für die Girls haben wir besondere Schnitte gemacht, weil ich der Meinung bin, dass auch Frauen in Dunks wirklich fresh aussehen. Ausserdem trauen sie sich mehr, was die Farbkombinationen betrifft.
Meinst du dann eher die Vintage Dunks oder allegemein?
Nein, ich tendiere immer zu den originalen Modellen, die Goldenrod- oder die erste SB-Serie von Team Rider. Die ersten sind die freshsten. Und nicht zu vergessen: die erste Kollabo mit Stüssy!
Weiter informationen von Jesse Leyva, Nike oder den neusten Modellen gibt's auf der Website von Nike.
Interview: Daniel Shaked

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