Interview: Hien Le
Der junge Modemacher mit Wurzeln aus Laos schockiert sein Publikum nicht mit provokanten Designs, sondern setzt auf zeitlose Eleganz mit spannenden Details. Die halbverdeckten Knopfleisten haben Wiedererkennungswert und sind mittlerweile fast schon Les Markenzeichen. Im Interview sprach der sympathische Berliner unter anderem über seine Inspiration und seine Vergangenheit als PR-Agent.
kinki magazin: Kannst du uns etwas über dich erzählen, was du bis jetzt in noch keinem Interview gesagt hast?
Hien Le: Ich koche und esse leidenschaftlich gern, besonders wenn ich Gäste habe. Ich versuche dann immer ein richtiges Drei-Gang-Menü zuzubereiten. Und ich lebe recht gesund. Ich halte beispielsweise die Nächte vor der Fashion Week ohne Alkohol und Zigaretten durch. Doch ich muss zugeben, ich habe in der Vorbereitungsphase für meine aktuelle Kollektion das Getränk Cola für mich entdeckt. Da ich das sonst nicht trinke, war die Wirkung dementsprechend.
Wie heißt deine aktuelle Kollektion?
Es ist meine dritte Kollektion und ich mag ungerade Zahlen sehr gerne, deshalb habe ich sie ganz einfach „3“ genannt. Außerdem sagt man ja auch: „Aller guten Dinge sind drei“.
Hat deine Kollektion ein Thema?
Ich habe sie meinem Großvater gewidmet. Die Inspirationsquelle waren alte Fotoalben meiner Familie.
Bist du aus Zufall auf die Fotoalben gestossen oder hast du das Thema aus einem bestimmten Anlass in Angriff genommen?
Meine Mode wird sehr oft mit Asien in Verbindung gebracht, weil meine Wurzeln in Laos liegen. Ich habe meine Entwürfe aber immer als westlich empfunden. Mein Stil ist durch deutsche und skandinavische Designs geprägt. Bei asiatischer Mode dachte ich immer sofort an Trachten und traditionelle Gewänder. Bei dieser Kollektion wollte ich einfach schauen, was wirklich hinter asiatischer Mode steckt. Ich fing an in alten Familienalben zu blättern und entdeckte Fotos aus den 70ern. Die Kleidung auf den Bildern könnte man auch heute noch tragen. Ich habe den Stil aufgegriffen und ihm meine eigene Handschrift verpasst. Die einzelnen Kleidungsstücke tragen auch Namen von Familienmitgliedern. Ein Sakko heisst beispielsweise „hoang“, das ist der Name meines Großvaters.
Welche Materialien verwendest du bevorzugt für deine Designs?
Ich arbeite bei den Frauenlinien gerne und viel mit Seide, weil mir der fliessende Charakter des Materials gut gefällt. Bei den Männerstücken verwende ich Baumwolle; besonders gerne Schweizer Baumwolle aufgrund der guten Qualität. Hochwertigkeit ist mir generell wichtig. Ich habe in dieser Kollektion auch ein neues Material für mich entdeckt. Es ist ein Mikrofaserstoff mit dem Namen Alcantara. Er fühlt sich an wie Leder und ist sehr vielseitig. Das Material gab es bereits in den 70ern und es ist, meiner Meinung nach, wieder im Kommen.
Du hast nach deinem Studium in einer PR-Agentur gearbeitet. Warum hast du nicht sofort mit Modedesign losgelegt?
Bereits während des Studiums war mir immer klar gewesen, dass ich mich nach meinem Abschluss erstmal nicht selbstständig machen möchte. Ich wollte mein eigenes Label erst viel später gründen. Mich hat es zu diesem Zeitpunkt sehr interessiert, was um Modedesign herum noch alles passiert. In die Agentur bin ich ganz klassisch mit einem Praktikum eingestiegen. Ich habe zwei Jahre im Vertrieb gearbeitet und dabei bemerkt, dass mir der kreative Aspekt fehlt. Im Rückblick kann ich jedoch sagen: Die Zeit in der Agentur war eine sehr gute Schule für meine jetzige Tätigkeit. Aber nicht nur die Erfahrungen aus dieser Zeit sind wertvoll, sondern auch die Kontakte.
Wenn du kreierst, denkst du durch deinen PR-Hintergrund auch automatisch an die wirtschaftlichen Aspekte einer Kollektion?
Es ist nicht so, dass mich die wirtschaftliche Seite total einschränkt. Aber ich habe sie bei der Arbeit schon im Hinterkopf. Es geht ja nicht nur darum, die Stücke zu zeigen, sondern auch darum, sie zu verkaufen. Diesen Anspruch hat, glaube ich, jeder Designer. Ich habe bei der ersten Kollektion geschaut, welche Stücke sich gut verkaufen und dies bei der zweiten Kollektion natürlich bedacht. Teile, die gut beim Publikum angekommen sind, habe ich in der zweiten Kollektion in abgewandelter Form wieder aufgegriffen. Ich halte es für sinnvoll, wenn Kollektionen aufeinander aufbauen. Gerade bei einem jungen Label ist der Wiedererkennungswert wichtig. Diese Strategie hat bis jetzt auch gefruchtet.
Lass uns wirtschaftlich bleiben: Wie siehst du deine Zielgruppe?
Ich möchte mich beim Kreieren nicht auf einen bestimmten Typ oder ein bestimmtes Alter festlegen. Meine Stücke sollen zeitlos und für jeden sein. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass modebewusste und kosmopolite Menschen mit Sinn für Ästhetik meine Kleidung gerne tragen. Es sind Leute, die einen gewissen Anspruch an Hochwertigkeit und gute Qualität haben.
Wenn du deine Kollektion mit einer künstlerischen Strömung vergleichen könntest, welche wäre es und warum?
In der Gesamtheit passt meine Mode nicht wirklich in eine Kunstrichtung. Ich würde die Kollektionen als sehr minimal und auf das Wesentliche reduziert beschreiben. Was das Farbspektrum meiner Stücke betrifft, fällt mir spontan der Künstler Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch ein.
Du hast sowohl Männerkleidung als auch Kleidung für Frauen in deinen Kollektionen. Gehst du die Linien unterschiedlich an?
Nein, für mich gibt es dabei keinen Unterschied, denn ich habe immer nur ein Thema, sprich ein Farb- und Stoffkonzept, pro Kollektion. Sicherlich, es gibt bestimmte Stoffe, die ich nur für Frauen oder nur für Männer benutze. Aber wenn ich beispielsweise an einer Frauenkollektion arbeite, fallen mir automatisch auch passende Männerstücke ein. Das Kreieren von Männer- und Frauenstücken geht bei mir Hand in Hand und ich möchte weder das eine noch das andere missen. Meine Mode soll aufeinander aufbauen und insgesamt homogen sein. Ich mache keine Unisex-Kleidung, aber dennoch soll es nie so wirken, als würde ich zwei separate Kollektionen zeigen.
Wie sieht es in den kommenden Monaten aus? Hast du spannende Projekte in Planung über die du schon sprechen kannst?
Meine Stücke sind seit kurzem auf der Internetseite thecorner.com erhältlich. Das ist für mich eine Ehre, denn dort werden große Namen wie Jil Sander, Alexander Wang oder Missoni verkauft. Im November präsentiere ich meine Mode dann auf der Fashion Week in Jakarta.
Text und Interview: Ramona Demetriou
Credits:
Promo: SS12 at Mercedes Benz Fashion Week, FW11/12 Lookbook
Photo Hien Le: Ramona Demetriou









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