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"Ich mag es, das Gesicht meiner Musik zu sein"

Am 26.4.2011 1 Kommentare
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George Lewis Jr. aka Twin Shadow scheint ein wenig in seiner Traumwelt zu leben. Denn schon lange bevor der gebürtige Dominikaner als Twin Shadow verspielten, weichgespülten Wave Pop produzierte, verzog er sich gerne in seine Gedankenwelt: Aufgewachsen im öden Florida, konstruierte sich der stylishe Friseursohn sein eigenes Universum und schrieb an süffigen Popsongs mit tragischem Pathos.

Heute wohnt Lewis in Brooklyn und hat vor kurzer Zeit zusammen mit Chris Taylor sein erstes Album aufgenommen. In Brooklyn saugte er alles auf, was ihn inspirierte und bastelte daraus einen ziemlich einzigartigen und authentischen 80s-Sound – auch wenn er eigentlich eher auf die Beatles steht als auf Joy Division. Wir haben den verträumten Wuschelkopf in Zürich getroffen und ihm einige Fragen gestellt.




kinki magazin: Du bist in der Dominikanischen Republik geboren, in Florida aufgewachsen, dann nach Brooklyn gezogen, hast viel Zeit in Europa verbracht – wo fühlst du dich eigentlich zuhause?
Twin Shadow: Irgendwie nirgendwo. Ich habe noch keinen Ort gefunden, an den ich immer wieder zurückkehren möchte, ich suche aber danach. Ich bin mir nur nicht sicher wo er liegt. Brooklyn ist für mich schon irgendwie mein Zuhause, ich nenne es zumindest so, ich weiss aber nicht recht ob es sich auch so anfühlt.

Okay, dann erzähl mir doch mal davon, wie es war in Florida als Teenager aufzuwachsen.
Florida war eine sehr einsame Zeit. Es gab da wo ich aufgewachsen bin nicht viele Leute in meinem Alter. Ich bin in einer kleinen Stadt aufgewachsen und hatte nicht viele Freunde. Um Leute zu treffen, musste ich aus der Stadt raus. Erst als ich auf der Highschool war wurde es etwas besser. Aber Florida ist schon ein seltsamer Ort. Es gibt nicht viel zu tun und man gerät schnell in Schwierigkeiten.

Aber es ist immer schönes Wetter und es gibt einen Strand und so…
Ja, aber wenn du nicht so auf dieses Strand-Ding stehst, dann ist es echt hart. Es gibt keine gute Musikszene oder irgend so etwas.

Was für Musik hast du denn während dieser Zeit gehört?
Alles was so im Radio lief. Country, Heavy Metal… alles.

 

 

Bist du eigentlich eine Person, die oft über sich selber nachdenkt? Bist du selbstkritisch?
Ja, sicher. Ich glaube ich bin vor allem sehr kritisch, wenn ich darüber nachdenke, was mein nächster Schritt sein wird oder mein nächstes Ziel. Dann fokussiere ich nur noch auf das und vergesse alles andere. Es ist sehr wichtig für mich zu wissen, dass ich ein Ziel habe und dass ich es verfolge.

Lass uns über deine Musik reden. Es finden sich ziemlich viele Parallelen zur Musik der 80er Jahre in deinen Songs. Woher kommt die Faszination für diese Zeit?
Eigentlich habe ich keine Faszination für diese Zeit. Ich mag schon verschiedene Sachen an den 80ern, wie zum Beispiel die damaligen Sportwagen. Was Musik oder Kunst angeht bin ich eigentlich für fast alle Dekaden zu begeistern, egal ob 80er oder die 70er. Am liebsten mag ich sowieso den Sound der 60er. Ich liebe die Beatles mehr als Tears for Fears, Depeche Mode oder Joy Division. Aber klar, auf dem Album sind viele 80ies-Sounds. Das kommt aber davon, weil ich Equipment aus dieser Zeit verwendet habe. All die Synthies die ich aufgenommen habe, sind nun mal aus den 80er Jahren. Wie du siehst ist der Grund ein rein praktischer. Es war nicht so, dass ich absichtlich so klingen wollte. Natürlich lässt man sich aber von den Sounds beeinflussen, mit denen man aufgewachsen ist.

 

 

Du hast gesagt du magst Autos. Was bedeuten dir materielle Dinge?
Umso älter ich werde, desto mehr bedeuten mir materielle Dinge. Ich weiss schon, dass du das wahrscheinlich anders erwartet hättest, aber ich verstehe das Problem nicht. Ich weiss, wie es ist, wenn man Dinge besitzt, ich weiss aber auch wie es ist, wenn man einfach nur mit sich selber und seinen Gedanken ist. Ich finde das Leben ist eigentlich ziemlich lang. Länger als viele Leute glauben. Und es gibt viel Zeit die man irgendwie füllen muss. Für mich können materielle Dinge diese Zeit mit Freude füllen. Weißt du, wenn man sich einen schönen Ring kauft, eine schöne Uhr oder ein schönes Paar Schuhe, dann erfreut einem das und man geniesst den Moment, in dem man diese Dinge bei sich hat. Für mich sind diese Momente eigentlich genau so wichtig, wie wenn ich einfach nur mit meinen eigenen Gedanken herumsitze. Ich mag materielle Dinge. Ich finde sie wunderschön!

Was für ein Auto fährst du denn?
Ich fahre gar kein Auto. Das ist das Traurige daran!

Also also interessierst du dich eher für die "Hülle", das Design?
Nein, nein. Dass ich kein Auto fahre hat eigentlich ganz praktische Gründe: ich habe nie wirklich Zeit dazu und vor allem kein Geld um mir so eine Karre zu kaufen – aber das werde ich haben. Schon sehr bald (lacht)!

Gut, wenn wir schon von schönen Dingen und Design reden: du bist einmal vom Timeout New York Magazine zum "Most Stylish New Yorker" gekürt worden. Bist du eitel? Und magst du es, dich selber vor der Kamera in Szene zu setzen?
Ich würde nicht sagen, dass ich es liebe, vor einer Kamera zu stehen, aber es ist okay. Eitel bin ich… na ja, ich schaue oft in den Spiegel. Ich… ich weiss nicht. Ich würde nicht soweit gehen und sagen, dass ich in mich selber verliebt bin, aber ich mag es, das Gesicht meiner Musik zu sein. Es ist eine Show. Es ist Theater. Es ist echt. Bilder sind wichtig.

 

 

Text und Interview: Antonio Haefeli

Fotos: Ellin Anderegg

Tags: twin shadow, Interview, ellin anderegg, george lewis jr, musik, wave pop

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