Couturiers de Bâle
Ergänzend zu den zwei im Heft vorgestellten Designern, möchten wir Euch noch drei weitere Jungdesignerinnen präsentieren, die sich an der Diplom-Modeschau 2009 in Basel ebenfalls meisterlich mit Glamour geschlagen haben. Auch sie haben Rei Kawakubos Statement "The wearer can feel it if the clothes are free spirited" individuell umgesetzt und als Leitidee in ihre Kollektion einfliessen lassen.
Vorab präsentieren wir euch hier zudem die Arbeiten von Annemarie Bösch, Salomé Golliez und Sebastian Schibler bestaunen.
Die Galerien mit den Arbeiten der fünf ausgewählten Diplomandinnen und Diplomanden.
Arbeiten von Tanya Sonderegger
Arbeiten von Laend P. Phuengkit
Die Steckbriefe der fünf ausgewählten Diplomandinnen und Diplomanden.
Steckbrief von Stefanie Biggel
Steckbrief von Tanya Sonderegger
Steckbrief von Laend P. Phuengkit
Arbeiten von Stefanie Biggel
Steckbrief von Stefanie Biggel

Alter: 25
Herkunftsort: Zürich
Lieblingsmaterialien: Lammnappa, seit neuem auch Tüll
Liebstes Kleidungsstück: Momentan mein helles, verwaschenes Jeanshemd aus dem Brocki.
Wie bist du in die Modewelt gelangt?
Schritt für Schritt. Angefangen hat alles bei meiner schicken Grossmutter, bei der ich als Kind viel Zeit im Kleidergeschäft verbracht habe.
Was bedeutet dir Mode?
Viel, aber man sollte sie nicht zu ernst nehmen. Es sollte immer Spass machen.
Was trägst du?
Ein Mix aus Vintage, H&M und Designerteilen. Die besten T-Shirts gibt’s aber im Migros.
Inwiefern ist Mode wichtig für unsere Gesellschaft?
Nicht überlebensnotwendig, aber sie verkörpert für mich Individualität und Freude daran, sich auszudrücken und zu "schmücken".
Was beeinflusst dein Design am stärksten?
Innere Bilder, welche sich zu einer Geschichte verdichten, sowie männliche und weibliche Aspekte von Kleidung.
Hast du Ikonen?
Nicht konkret. Das variiert stark.
Wie, wo und wann arbeitest du am besten?
Unter enormem Zeitdruck und nachts.
Wie erlebst du die Modeszene, was hältst du vom Begriff "Modezirkus"?
Aufregend, aber auch schnell zu viel des Guten. Man muss halt mitmachen, wenn man dabei sein möchte. Kontakte sind nun mal sehr wichtig in der Modewelt.
Wer kleidet sich (nach deiner Meinung) am besten?
Alle, die ein Gespür dafür haben. Das kann man nicht lernen. Verkleiden geht gar nicht.
Wie heisst deine Abschlusskollektion?
i don’t need any apples, thank you!
Was war dein Konzept, das Thema, die Inspiration?
Schneewittchen im Glassarg, Kontraste, Farbspiele, Verdichtung geometrischer Elemente.
Wer sollte die Kollektion oder deine Mode allgemein tragen?
Aus dieser Kollektion soll man sich einzelne Stücke herausnehmen und in seine eigene Garderobe integrieren. Konkret geht es hier um Auftrittssituationen. Generell spreche ich selbstbewusste Frauen an, welche sich einen coolen neuen Look wünschen und gerne auffallen.
Was sind die schönsten und die schwierigsten Aspekte des Designberufs?
Etwas Neues, Eigenständiges zu entwerfen, das die Menschen noch nicht kennen. Sie sollten gleichzeitig verblüfft und irritiert sowie angetan davon sein.
Wohin möchtest du und was sind deine Pläne?
Ich möchte den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Mein Ziel ist Paris.
Mit wem würdest du gerne zusammenarbeiten?
Zuerst einmal möchte ich alle die Projekte mit meinen Freunden verwirklichen, für die ich während des Studiums nie Zeit hatte.
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Arbeiten von Tanya Sonderegger
Steckbrief von Tanya Sonderegger
Alter: 25
Herkunftsort: Zürich
Lieblingsmaterialien: Seide, Wolle
Liebstes Kleidungsstück: Verschiedene... ein schwarzes Kleid von Shelly Steffee (New York) und Winterstiefel von DKNY gehören dazu.
Wie bist du in die Modewelt gelangt?
Nach der Matura wollte ich ein Handwerk erlernen, gestalterisch tätig sein und gleichzeitig auch konzeptuell arbeiten. Ich finde das Inszenieren des menschlichen Körpers faszinierend und ich arbeite gerne mit Stoffen. Alle diese Dinge kamen im Mode-Design Studium zusammen.
Was bedeutet dir Mode?
Vielfältigkeit, Komplexität, Möglichkeiten und spannende Gratwanderungen...
Was trägst du?
Vorwiegend H&M und Zara, weil mir das Geld für teure Kleider fehlt. Meine Mutter offeriert mir aber auf gemeinsamen Reisen immer mal wieder Kleidungsstücke, die mein Budget hoffnungslos sprengen würden. So zum Beispiel die oben erwähnten Stiefel oder meinen Mackage Mantel.
Inwiefern ist Mode wichtig für unsere Gesellschaft?
Die meisten Menschen wollen einerseits wie alle anderen wirken und andererseits speziell und einzigartig sein. Für beides benutzen sie unter anderem Kleider als Gestaltungsmittel.
Kleidung ist etwas vom ersten, was wir (bewusst oder unbewusst) wahrnehmen, wenn wir jemanden kennenlernen. Sie ist ein Indiz, das wir benutzen, um die Person gleich in die erste – hoffentlich provisorische – Schublade zu stecken.
Was beeinflusst dein Design am stärksten?
Mein Geschmack und der Versuch, Kleider zu kreieren, die zeitgemäss, tragbar und vielschichtig im Ausdruck sind.
Hast du Ikonen?
Ich habe eine Schwäche für Filmschauspieler/innen.
Wie, wo und wann arbeitest du am besten?
Mit fixem Arbeitsrhythmus. Am Morgen. Nicht bei mir zu Hause.
Wie erlebst du die Modeszene, was hältst du vom Begriff "Modezirkus"?
Ich kenne nur die New Yorker Modeszene ein bisschen und da gab es nur im Zusammenhang mit der Fashion Week "Zirkus". Ansonsten war es vor allem viel Arbeit.
Wer kleidet sich (nach deiner Meinung) am besten?
Maggie Gyllenhaal und Roisin Murphy haben beide einen guten Geschmack, sie sind stilsicher und experimentierfreudig.
Wie heisst deine Abschlusskollektion?
St. Elmo's.
Was war dein Konzept, das Thema, die Inspiration?
St. Elmo’s ist eine Kollektion für Frauen, die ihren Körper gerne inszenieren, ohne ihn jedoch ausstellen zu wollen.
Das Gleichgewicht zwischen einem pulsierenden, erotischen und abstrakten, skulptural anmutenden Körper ist dabei zentral. Die Kleider haben einen geometrischen Touch in der Linienführung, der aber durch die Luftigkeit und die Geschmeidigkeit der Stoffe wieder zurückgenommen wird. Obwohl man durch die einzelnen Stoffschichten hindurch sieht, reicht der Blick nur an ausgewählten Stellen bis auf die nackte Haut, die unter dem Kleidungsstück steckt. Dieser Effekt wird erreicht durch Bodysuits, die unter den Kleidern getragen werden und deren Schnittstellen sich an den darüber getragenen Stücken orientieren. Geometrie, Volumen und Linienführung sollen ebenso zelebriert werden wie die Sinnlichkeit und die Erotik des weiblichen Körpers.
Was sind die schönsten und die schwierigsten Aspekte des Designberufs?
Für mich ist der Anfang jeweils der schwierigste Teil. Das leere, weisse Blatt...
Am tollsten ist der Moment, in dem die Kleider dann photographisch in Szene gesetzt werden. Da kommt dann endlich alles zusammen...
Wohin möchtest du und was sind deine Pläne?
Ich möchte ins Ausland, am liebsten nach Paris oder New York, und Erfahrung sammeln in der Branche, auch "Zirkus" genannt.
Mit wem würdest du gerne zusammenarbeiten?
Mit Menschen, die engagiert sind und angenehm im Umgang.
Arbeiten von Claudia Zuber
Steckbrief von Claudia Zuber

Alter: 24 Jahre
Herkunftsort: Zürich
Lieblingsmaterialien: Baumwolle, Leder.
Liebstes Kleidungsstück: Meine Fuchspelzweste von Adrienne Landau.
Wie bist du in die Modewelt gelangt?
Das erste Mal während meiner Praktika bei Kai Kühne und Doo.Ri in New York.
Was bedeutet dir Mode?
Alles und nichts.
Was trägst du?
Schwarz.
Inwiefern ist Mode wichtig für unsere Gesellschaft?
Mode bedeutet Auseinandersetzung mit Konventionen aller Art, mit Themen wie Integration und Abgrenzung, Selbstdarstellung, Selbstinszenierung oder Körperempfinden.
Was beeinflusst dein Design am stärksten?
Das Experimentieren mit verschiedenen Materialien und Stoffen; spannende Kombinationen, Schnittlinien, die Form des weiblichen Körpers.
Hast du Ikonen?
Ich habe eine Muse.
Wie, wo und wann arbeitest du am besten?
Morgens um 4, in aller Ruhe bei einem Glas Rotwein.
Wie erlebst du die Modeszene, was hältst du vom Begriff "Modezirkus"?
Die Schnelllebigkeit des Business hat Vor- und Nachteile. Es ist wichtig, immer möglichst gelassen zu bleiben, nicht alles allzu ernst zu nehmen. Man darf also auch mal lachen, zu einer Zirkusvorstellung sollte Mode jedoch nicht verkommen.
Wer kleidet sich (nach deiner Meinung) am besten?
Emily Haines finde ich sehr cool.
Wie heisst deine Abschlusskollektion?
Ready Susan.
Was war dein Konzept, das Thema, die Inspiration?
Susan hat mich inspiriert. Ansonsten arbeitete ich mit Schichtungen, Beschichtungen und einer spannenden Linienführung in den Schnitten.
Wer sollte die Kollektion oder deine Mode allgemein tragen?
Alle Cool Cats.
Was sind die schwierigsten Aspekte des Designberufs?
Organisation und Kreativität unter einen Hut zu bringen.
Wohin möchtest du und was sind deine Pläne?
Mit meinem Label an die Pariser Fashion Week.
Mit wem würdest du gerne zusammenarbeiten?
Julie Morstad, Alexander Wang.
Arbeiten von Laend P. Phuengkit
Steckbrief von Laend P. Phuengkit

Alter: 27 Jahre
Herkunftsort: Zürich/Bangkok
Was trägst du? Casual
Lieblingsmaterialien: Ich liebe es mit verschiedenen Materialien zu arbeiten, daher ist es für mich schwierig, mich auf ein spezifisches Material festzulegen.
Liebstes Kleidungsstück: Ich habe viele Lieblingsstücke. Sie sind zeitlos und können immer wieder getragen oder mit neuen Teilen kombiniert werden.
Wie bist du in die Modewelt gelangt?
Durch meine Grossmutter. Sie war Damenschneiderin. Ich mochte es, ihr beim Nähen und Stricken zuzusehen. Das hat mich als Kind immer fasziniert.
Was bedeutet dir die Mode?
Fast alles ist schon mehr oder weniger da gewesen. Stilelemente aufzugreifen, um mit Vertrautem und Unbekanntem ein neues Lebensgefühl zu schaffen, gehört zum Handwerk dazu. Man kocht auch mit den gleichen Gewürzen die unterschiedlichsten Gerichte. Wir brauchen wahrscheinlich immer eine Leiter, um nach den Sternen greifen zu können. Deswegen hat Mode für mich eine bestimmte Bedeutung: Voraussehen und Zeitlosigkeit!
Inwiefern ist Mode wichtig für unsere Gesellschaft?
Es ist wichtig, wie man auftritt und da spielt Kleidung auf jeden Fall eine grosse Rolle. Man kann mit seinem Kleidungsstil und seiner Gestik viel beeinflussen und hinterlässt damit zweifelsohne einen ersten Eindruck bei anderen.
Was beeinflusst dein Design am stärksten?
Die asiatischen Einflüsse wie z.B. Drapierungen, Wickelmethoden, bei denen ich durch klassisches Tailoring mit legeren Turnschuhen den Look breche.
Hast du Ikonen?
Ja, ich habe Ikonen wie Rei Kawakubo oder Martin Margiela. Ich mag ihre konzeptionelle Arbeiten und die Denkweise, wie sie entwerfen.
Wie, wo und wann arbeitest du am besten?
Wenn ich eine Idee habe, fange ich gleich an zu recherchieren. Stöbere durch die Magazine und alte Kostümbücher in den Bibliotheken. Ich arbeite oft mit Bildern. Es sind Bilder, die eine atmosphärische Stimmung hervorrufen. Es sind Anhaltspunkte, die ich für den Entwurf benötige. Ich arbeite oft in meinem Atelier, vor allem liebe ich es bis in die Nacht zu arbeiten, da bin ich am produktivsten.
Wie erlebst du die Modeszene, was hältst du vom Begriff "Modezirkus"?
Ist eher nicht mein Ding, aber wir brauchen diese Szene, schliesslich sind die Leute, die im Modezirkus auftreten, unsere Kunden und dienen als Aushängeschild für unser Label.
Wie heisst deine Abschlusskollektion?
Der Titel meiner Kollektion lautet "Suwannabhum" und bedeutet "das goldene Land".
Was war dein Konzept, das Thema, die Inspiration?
Meine Inspiration war Südostasien. Genauer genommen das impulsive Bauwerk "Wat Arun", der Tempel der Morgenröte, welcher durch die Reflexion des Lichtes über dem goldenen Land erstrahlte. Das Konzept ist das Zusammenspiel zwischen zwei Kulturen: auf der einen Seite steht die asiatische, auf der anderen die europäische Kultur. Eine Vermischung beider Lebensarten findet statt, so entstand meine hybride Kollektion. Es ist eine Erfassung einer neuen Form, die durch das intensive Collagieren verschiedener Bausteine entsteht. Gemeint sind damit Entwicklungen und Mischformen, die durch die Verschmelzung ursprünglich getrennter Bereiche entstehen. Das unvertraute in der Kollektion soll vertraut, aber ebenso in seiner Eigenart verstanden werden!
Mit wem würdest du gerne zusammenarbeiten?
Mit Rei Kawakubo!
Arbeiten von Lea Walti
Steckbrief von Lea Walti
Alter: 24 Jahre
Herkunftsort: Bern
Lieblingsmaterialien: Chiffon, Leder
Liebstes Kleidungsstück: Kleid
Wie bist du in die Modewelt gelangt?
Ich habe mich eigentlich schon immer sehr für Mode und auch für die Herstellung von Kleidung interessiert. Deshalb war für mich nach der Schule klar, dass ich eine Schneiderlehre machen will und da mir diese auch sehr zugesagt hat und ich mich unbedingt weiterhin mit Mode beschäftigen wollte habe ich mich für ein Mode-Design Studium entschieden.
Was bedeutet dir Mode?
Alles und nichts.
Was trägst du?
Schwarz.
Inwiefern ist Mode wichtig für unsere Gesellschaft?
Sie ist Ausdruck unserer Identität und unseres Lebensgefühls. Sie kann auch
als visuelle Kommunikation und Inspiration angesehen werden.
Was beeinflusst dein Design am stärksten?
Der weibliche Körper.
Wie, wo und wann arbeitest du am besten?
Zu Hause, alleine in meinem eigenen Atelier. Ich zeichne selten und arbeite am liebsten direkt mit den Stoffen.
Wie erlebst du die Modeszene, was hältst du vom Begriff "Modezirkus"?
Bei meinem Praktikum in New York musste ich feststellen, dass es oft ein ziemlich oberflächlicher Zirkus sein kann. Aber natürlich nicht nur – denn dieser Zirkus bietet auch eine Menge interessanter und kreativer Gestalten!
Wie heisst deine Abschlusskollektion?
Days Before You Came
Was war dein Konzept, das Thema, die Inspiration?
Meine Ausgangslage waren alte Familienportraits aus dem 18. und 19. Jahrhundert, von denen eine ungewollt unheimliche Stimmung ausgeht. Diese Stimmung habe ich versucht in Form meiner Kleider zu interpretieren.
Was sind die schönsten und die schwierigsten Aspekte des Designberufs?
Damit Geld zu verdienen gestaltet sich recht schwierig... Jedoch gibt es dennoch nichts Schöneres als seiner Kreativität freien Lauf lassen zu können und den surrealsten Fantasien Gestalt zu geben.
Wohin möchtest du und was sind deine Pläne?
Ich möchte mich noch etwas in dem Modezirkus umsehen und Erfahrungen sammeln und später selbständig werden. An Filmprojekten mitzuarbeiten stelle ich mir auch sehr spannend vor.
Wer sollte die Kollektion oder deine Mode allgemein tragen?
Neugierige und experimentierfreudige Frauen, welche Spass an aussergewöhnlichen Materialien und Formen haben und es geniessen subtil aus der Menge herauszuragen.
Wer kleidet sich (nach deiner Meinung) am besten?
Eigentlich niemand bestimmtes. Ich entdecke immer wieder neue Menschen von deren Stil ich begeistert bin. Dieser muss aber auch immer zum Aussehen und der Persönlichkeit der Trägerin oder des Trägers passen..
Hast du Ikonen?
Nein nicht wirklich. Es gibt so viele verschiedene, beeindruckende Persönlichkeiten. Ich bewundere Skin, Juliette Lewis oder Dita Von Teese, Frauen, welche ihre Leidenschaft zu ihrem Beruf gemacht haben und sehr erfolgreich damit sind.
Mit wem würdest du gerne zusammenarbeiten?
Rick Owens stelle ich mir als ganz interessante Person vor. Mal abgesehen von seinen beeindruckenden Entwürfen, hat er so etwas Unheimliches und gleichzeitig Lustiges an sich..
Photo Credits:

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