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Es blüht im Staate Dänemark

Am 10.6.2010 1 Kommentare
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Lars Vognstrup ist Frontmann, musikalischer Mastermind und Strippenzieher der Band Lars and The Hands of Light. Wobei eine Band sind die vier Dänen eigentlich ja nicht. Noch nicht, doch dazu später. Der unglaublich vielseitige junge Mann hat in seinem Leben Halt an den unterschiedlichsten musikalischen Destinationen gemacht, und es scheint, als hätte er nach Abstechern in den Industrial Metal seiner ehemaligen Band Raunchy, US-Old School Hip-Hop à la Dr. Dre und Sounds aus elektronischen Gefilden im Pop der 60er-Jahre sein Zuhause gefunden. Zumindest vorübergehend.

 


Ende März erschien der erste Longplayer "The Looking Glass" und in etwa so wie das Cover, das die Scheibe ziert, klingt auch die Musik von Lars and The Hands of Light. Hasenkostüm und Ringelpulli, die passenden Accessoires, um den Frühling in allen seine bunten Facetten einzuläuten. Der Soundtrack dazu klingt abwechselnd beschwingt nach 60er-Jahre-Pop, schlägt aber gerne auch relaxtere Töne an. Die Stücke auf "The Looking Glass" verschmelzen zu einem lockeren Soundteppich und entfalten so unbeschwert ihren eigenen Soul und Style. Doch lassen wir Lars Vognstrup selber ein paar Worte zu seiner Musik sagen.


kinki magazine: Lars, wie würdest du den Sound von Lars and The Hands of Light beschreiben?
Lars Vognstrup: Hauptsächlich als modernen Pop, geprägt von vielen verschiedenen Instrumenten und Einflüssen. Wir verwenden auch rockige Elemente und spielen gerne mit elektronischen Hilfsmitteln. Alles in allem hört sich unser Album auch ziemlich folky an.


Dazu kommen unüberhörbare Referenzen zu Musik aus den 60ern und 70ern. Hast du eine spezielle Verbindung zu Musik aus dieser Zeit?
Ja, das habe ich tatsächlich. Als Kind kam ich in der Schule zum ersten Mal in Kontakt mit dieser Musik. Es war das erste Mal, dass ich mich überhaupt für Musik interessierte. Ich hörte die Beatles mit "Twist and Shout" und ich konnte es einfach nicht glauben. Dieser Song war für mich das Grösste, das ich bis dahin gehört hatte. Ich bekam dann diese Sixties-Compilation "Golden Oldies", aufgrund deren ich Gitarre spielen lernte. Ich wollte unbedingt auch so klingen. Aber im Laufe meines Lebens hab ich so viele Musikrichtungen kennengelernt, dass ich nicht sagen würde, dass die Popmusik der 60er-Jahre meine Lieblingsmusik ist, aber ich habe definitiv eine Beziehung dazu.


Gibt es andere Einflüsse die Lars and The Hands of Light prägen?
Als ich in der Highschool war, habe ich Hip-Hop produziert. Ich fand vor allem RZA und Dr. Dre toll und das sitzt immer noch irgendwo in mir. Obwohl ich heute ganz andere Musik spiele, habe ich noch immer dieselbe Vorgehensweise, um Songs zu schreiben, nur heute ziehe ich eben einen richtigen Drummer einem Drumcomputer vor.


Die Gruppe ist nach dir benannt, bist du in erster Linie fürs Songwriting verantwortlich?
Genau so ist es. Ich weiss gerade nicht wie es in Zukunft aussehen wird, aber zu diesen Zeitpunkt schreibe ich die Songs alleine und nehme auch die meisten Instrumente fürs Album selber auf. Die Band begleitete mich bisher eigentlich nur bei Live-Auftritten. Im Moment habe ich aber wirklich gute Leute zusammen, und wir schauen gerade wie es weiter geht als Band. Ich mag das Band-Ding wirklich, ich habe das gerade erst für mich entdeckt.

 


Im März ist dein erstes Album "The Looking Glass" erschienen. Wie fühlte es sich an, als die Aufnahmen abgeschlossen waren und du das Album zum ersten Mal in den Händen hieltst?
Das fühlte sich sehr, sehr gut an. Während den Aufnahmen hab ich viele verschiedene Phasen durchlebt, gute und schlechte. Am Schluss, wenn du merkst, dass sich alles gut zusammenfügt, und ein Ende in Sicht ist, dann ist das schon ein gutes Gefühl. In Dänemark ist das Album bereits draussen und ich freue mich jetzt extrem darauf, das Album auch in der Schweiz, Österreich und Deutschland zu veröffentlichen.


Hast du einen Lieblingssong auf dem Album?
Ich schwanke zwischen verschiedene Songs. Oder anders gesagt, jeder Song ist von Zeit zu Zeit mein Lieblingssong. Aber wenn ich mich für einen entscheiden müsste, dann wäre es wohl die Nummer sieben, "Keep My Feet Tagging Along". Ich mag den Bongo-Part sehr. Es ist ein guter Partysong.


Und welches ist der perfekte Moment, um sich euer Album anzuhören?

Wahrscheinlich der Moment, in dem man sich einen Drink einschenkt und sich für die Party am Abend in Schale wirft.


Apropos Party: Von der ersten Singleauskopplung "Me, me, me" gibt es einen sehr tanzbaren Remix des dänischen House-Produzenten Trentemøller – wie ist es zu dieser Kooperation gekommen?
Als Däne kannte ich Trentemøller schon länger und schätzte ihn schon immer sehr für seine rockigen Remixes, zum Beispiel für seine Interpretation von Bruce Springsteens ‹State Trooper›. Eines Tages kontaktierte mein Management Trentemøller und wir fanden raus, dass er die Single "Me, me, me" bereits kannte und sie gerne remixen würde. Ich traf ihn dann in der Kopenhagener Bar Jolene, wo er auflegte, und als ich rein kam spielte er gerade "Me, me, me", obwohl er erst zwei, drei Tage daran gearbeitet hatte. Jetzt sind wir so was wie gute Freunde.

 

 


Ist es wahr, dass du selber für eine gewisse Zeit in Los Angeles als DJ gearbeitet hast?
Ja, das stimmt. Das war eine gute Erfahrung. Meinen ersten Job hatte ich in einer extrem sexy Hollywood-Location in L.A. über einem grossen, bekannten Club. Ein Freund von mir sagte dem Manager, er müsse mich unbedingt als DJ engagieren und mir eine Menge Geld bezahlen, da ich in Dänemark bereits ein Superstar sei, was natürlich eine faustdicke Lüge war. Seit dieser Zeit bin ich oft als DJ unterwegs und geniesse es auf einer ganz anderen Bühne zu stehen.


Was hat dich zurück nach Dänemark verschlagen?
Das war eine Visa-Angelegenheit, ich durfte nicht mehr länger in den Staaten arbeiten, würde aber sofort wieder zurückgehen. Dann wollte ich auch nach Dänemark zurück, um an meinem Album arbeiten zu können. Ich habe staatliche Unterstützung erhalten, um mein Album fertigstellen zu können und das ermöglichte mir auch, eine Band zu gründen, ich wollte ja nie alleine auf der Bühne stehen. Jetzt ist unter anderem meine Schwester Line als Sängerin dabei. Sie ist eine sehr wichtige Person für mich und ich wollte die Musik schon immer mit ihr teilen.


Du hast erwähnt dass der Staat dich finanziell bei der Aufnahme deines Albums unterstützt hat. Ist Dänemark ein gutes Pflaster für junge Musiker?

Es gibt eine gute kreative Szene in Dänemark. Die Leute helfen einander, inspirieren sich gegenseitig. Obwohl es ein kleines Land ist und es ist ziemlich ruhig zu und her geht, gibt es viele Leute, die selber etwas auf die Beine stellen. Vor einer Weile war das noch anders, da gab es nicht wirklich eine Musikszene in Dänemark, aber jetzt blüht und spriesst die Musikwelt hier oben sozusagen.

 


Text und Interview: Martina Messerli

Fotos: Tomace/Simon Birk

Tags: the looking glass, indierock, indiepop, dänemark, lars vognstrup, lathol, trentemoller

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