login login Passwort vergessen? Registrieren

Die tödliche Jagd auf Albinos

Am 25.11.2008 11 Kommentare
zu Favoriten

Sie werden ermordet und zerstückelt. Ihre Haut, die Haare und Knochen dienen als Zutaten für Zaubertränke: In Tansania sind allein im vergangenen Jahr mindestens 19 Albinos einem finsteren Aberglauben zum Opfer gefallen. Und auch in den Nachbarländern wurden schon die ersten Weitsshautmorde gemeldet...

Man müsste meinen, die Sonne wäre ihr grösster Feind, doch es gibt noch weitaus schimmere. In Tansania finden immer mehr Albinos wegen abergläubischer Ansichten und Praktiken den Tod. Ihre blasse Haut, die Knochen und weissen Haare verwenden so genannte Hexendoktoren, um Zaubertränke zu brauen.  Allein im vergangenen Jahr sollen in Tansania deshalb mindestens 19 Menschen verstümmelt, abgeschlachtet und bestialisch getötet worden sein. Die Körperteile der "Weisshäuter" sollen zu Glück und Reichtum verhelfen, so der Aberglauben vieler Afrikaner. Die Behörden Tansanias sprechen bereits von einem wachsenden kriminellen Geschäft mit Albino-Körperteilen. Und selbst Kinder bleiben von den äusserst brutalen Menschenräubern nicht verschont.

 

 

"Die Menschen hier wissen es leider nicht besser, sie glauben tatsächlich wir wären glücklichere Menschen", erklärt Al-Shaymaa Kwegyir, Politiker aus Tansania und selbst Albinist. Manche hielten Albinos sogar für unsterblich und schrieben ihnen magische Kräfte zu, erzählt, "doch wir sind alles andere als glücklich oder unsterblich". Die Haut der Albinos leidet stark unter der heissen Sonne Afrikas, da den Betroffenen schützende Hautpigmente fehlen. Viele erblinden oder sterben, noch bevor sie dreissig werden, an Hautkrebs. Sonnencreme oder Schutzbekleidung kann sich kaum einer leisten. Eine lebensrettende ärztliche Krebs-Prävention oder -Behandlung schon gar nicht.

 

Albino-Haare im Fischernetz sollen den Fang-Ertrag steigern, heisst es.

 

Dennoch, der Glaube an die glücksbringende Wirkung von Albino-Körperteilen ist lebendiger denn je. In Tansania, wie auch in den restlichen Teilen Afrikas. Und so sind nicht wenige fest davon überzeugt, kannibalische Zaubertränke könnten das eigene Leben verbessern und sogar zu Reichtum verhelfen. Viele Fischer glauben fest daran, dass in Fischernetze eingewobene Albinohaare den Fischfang fördern könnten – spricht man sie darauf an, starren sie meist nur in den Sand und schweigen.

Spott, Verachtung und ein hoher Preis für den weissen Skalp

"Ich habe Angst und ich habe das Gefühl, gejagt zu werden", äusserte sich Samuel Mluge, Vorsitzender der Vereinigung der Albinos in Tansania, gegenüber der New York Times. Mit dem Spott seiner dunkelhäutigen Mitmenschen habe er umzugehen gelernt, "aber wir hatten niemals so grosse Angst wie heute". Der Grund: Es existiert ein Marktpreis für seinen Skalp. Gerade unter Schwarzafrikanern sticht die weisse Haut der Albinos besonders hervor. In einer Menschenmasse von Dunkelhäutigen erblickt man sofort das weissstrahlende Gesicht der Albinos – und gerade das provoziert Abneigung, Verachtung und Spott. Hass, den schon die jüngsten zu spüren bekommen. Als Kind wurde Mluge nach eigenen Angaben in der Schule mit Kreide beworfen und beschimpft. Heute hört er die Leute zwar nur noch tuscheln, wenn er über die Strasse geht, das Gefühl der Nichtakzeptanz bleibt.

Albinismus ist in Afrika aber keinesfalls eine seltene Laune der Natur. Einer von dreitausend leidet hier unter den Folgen dieser seltenen Genstörung. Mluges Frau ist ebenfalls Albino, die fünf Kinder sind es auch und einige von ihnen haben bereits schwere Probleme mit Hautkrebs.

Inzwischen hat sich die Situation so verschärft, dass sich die Familie verstecken muss, die Eltern um das Leben ihrer schutzlosen Kinder fürchten müssen. Erst kürzlich, so erzählt Mluge, hatte, während seine Kinder schliefen, ein Wagen vor dem Haus angehalten. Die vier männlichen Insassen hatte er zwar nicht erkennen können, sie wären aber ausgestiegen und hätten sich ganz genau umgesehen. "Ich bin beunruhigt", erzählt der besorgte Familienvater, "denn jetzt wissen sie, dass wir hier sind!". Er wollte zwar noch das Nummernschild zu lesen, doch er konnte die Zahlen mit seinen schwachen Augen nicht erkennen. Das Auto fuhr einfach so davon

Sie rissen das Mädchen zu Boden und hackten sie in Stücke
Diskriminierungen von Albinos sind schon seit langer Zeit ein Problem in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Doch in Tansania haben die Anfeindungen inzwischen eine neue, düstere Dimension erreicht – es trifft nämlich oftmals die ganz jungen. Besonders grausam ist der Fall der 17-jährigen Vumilia Makoye. Zeit ihres Lebens hatte das Mädchen mit den typischen Problemen eines Albinos im heissen Afrika zu kämpfen. So musste sie wegen Sehschwierigkeiten die Schule verlassen - ein weit verbreitetes Problem unter Albinos, die sich Gegenstände wie Bücher oder Telefone oft dicht vor die Augen halten müssen, um überhaupt etwas mit den schlecht entwickelten Sehorganen erkennen zu können. Danach konnte Vumilia keinen Job finden, weil niemand Albinos einstellt, und so verkaufte sie Erdnüsse auf dem Markt. Für einen Wochenlohn von weniger als zwei Schweizer Franken und währenddessen verbrannte ihre empfindliche Haut langsam unter der aggressiven Sonne. Dies war Vumilias Leben. Bis zu dem Tag, den Vumilias Mutter wohl niemals vergessen wird: Als sie die bewaffneten Männer kommen sah, versuchte sie noch die Tür ihrer Hütte zu verbarrikadieren, doch die Bande konnte die schwache Frau ohne grosse Mühen niederringen und in die Hütte stürmen. "Sie stürzten sich sofort auf meine Tochter", erzählt die erschütterte Mutter über ihr schreckliches Erlebnis. Die Männer hätten Vumilias Beine unterhalb der Knie zügig abgetrennt, schildert die Frau mit einer hackenden Handbewegung. Danach seien mit ihrem menschlichen Diebesgut einfach davon gerannt. Vumilia starb an den Folgen ihrer Verletzungen, vor den Augen ihrer Mutter.

Yusuph Malogo, der gleich in der Nähe lebt, befürchtet, er könne nun der Nächste sein: "Ich bin auf der Flucht". Der 26-Jährige ist selbst ein Albino und arbeitet auf einer Reisfarm. Seine Haut ist dick und lederartig, von der gefährlichen Sonnenbelastung, und sieht dadurch mindestens zwanzig Jahre älter aus. Inzwischen trägt der junge Mann eine silberne Pfeife um den Hals, wenn er zur Arbeit geht. Diese braucht er, um bei einem Angriff um Hilfe rufen zu können. Viele der Albinos wenden sich zwar inzwischen auch an die  Vereinigung der Albinos in Tansania, doch die  Non-Profit Organisation kann gerade mal mit 15.000 Dollar pro Jahr wirtschaften. Und das ist einfach nicht genug um Hüte, Schutzkleidung und Sonnencreme, die wahrlich Leben retten könnte, für alle bereit zu stellen. Die meisten Albinos bleiben auf sich allein gestellt.

 

 

Das Problem ist, dass  der Glaube an Hexerei und Aberglaube in Tansania zum täglichen Leben gehört. Es bestimmt das Leben der Menschen nicht weniger als die Frage, wo sie Nahrung für die Familie oder eine Arbeit finden sollen. Doch nicht nur in Tansania, sondern auch in Uganda, Simbabwe oder Südafrika glauben heute noch die meisten, von bösen Geistern und Flüchen bedroht zu werden.  In Tansania hat der Hexenglaube jedoch ein besonders schreckliches Gesicht. Jedes Jahr werden Hunderte umgebracht, weil ihnen nachgesagt wird, Hexen zu sein, oder mit Hexen zusammenzuarbeiten. Der Grund für diesen Glauben: Missgunst. Wenn irgendjemand eine schwere Krankheit erleidet, sind daran nicht Krankheitserreger schuld, sondern der böse Nachbar oder der Geschäftskollege, der einem das neue Auto oder den neuen Anzug neidet und deshalb böse Geister beschworen hat. Ein Problematik die progressive Vorgehensweisen verlangt:
Die Regierung muss in Zukunft offenbar noch mehr in Bildung und in den Kampf gegen den Aberglauben investieren. Das würde dann nicht nur den Albinos nutzen: Noch immer gibt es Aids infizierte Afrikaner die lieber einen Hexendoktor aufsuchen, anstatt sich mit gängiger Medizin behandeln zu lassen. 

Albinokinder werden zur Schule eskortiert, doch das Töten geht weiter
Das Handeln der Regierung sieht dennoch anders aus. Polizisten erstellen nun Listen von den Albinos des Landes. Schulkinder werden zum Unterricht eskortiert und im Parlament wurde sogar ein Sitz für eine Albino-Politikerin bereitgestellt. Um zu zeigen, "dass sie nicht alleine sind" , erklärte Regierungssprecher Salvator Rweyemamu der New York Times. Die Albino-Attacken seien ausserdem wie ein Schlag ins Gesicht der aufstrebenden Nation Tansania, die nach Jahren verfehlter Sozial- und Wirtschaftspolitik nun endlich Unterstützung, Subventionen und Veränderung erfährt, so der Politiker.

Aber das Töten geht weiter und breitet sich sogar auf benachbarte Länder aus. In Kenia soll im Mai eine junge Albino-Frau getötet und ihre Augen, die Zunge und die Brüste entfernt worden sein. Bei manchen Urwald-Ärzten im Kongo soll die Haut der Albinos besonders beliebt sein. "Die Hexendoktoren haben seltsame Vorstellungen", erklärt der tansanische Polizist Paul Chagonja. "Bis vor kurzem gab es noch die Annahme, dass nur ein Fischer mit einer Glatze reich werden könne. Ein anderer Aberglaube besagt, dass Blut auf dem Grund einer Mine zu einer Goldquelle führen könne. Diese Gerüchte kommen und gehen. Das Problem ist jedoch, dass die Hexer nicht in Frage gestellt werden".

Text: Florian Hennefarth

Tags: Magazin Nr 8, Albino, Afrika

Kommentare (11)

  • "Mit ungewöhnlichen Massnahmen sucht die tansanische Regierung ein haarsträubendes Phänomen in den Griff zu bekommen... ...Präsident Jakaya Kikwete berief in einem symbolischen Akt eine Albino-Frau ins Parlament. Premierminister Mizengo Pinda adoptierte ein Albino-Mädchen." siehe artikel im tagi am dienstag, 14. april 2009.

    von artikel_im_tagi am 14.4.2009 09:28
  • die armen albinos das sind auch nur menschen man müsste das mit denen machen die die albinos jagen!!!

    von miriam am 14.11.2009 21:38
  • das ist einfach nur so schrecklich!!!ich wünschte sowas würde endlich aufhören!!!diese armen menschen...als ob sie nicht schon genug durch ihre körperlichen probleme bestraft sind...

    von denise am 15.12.2009 13:05
  • ohaaa die armen scheize

    von Anonymous am 16.12.2009 15:41
  • ja die armen leute

    von Anonymous am 17.12.2009 22:34
  • ich kann das nicht verstehn die leute müssten doch wissen das dass kein Glück usw. bringt sie machen das ja schließlich nicht seit Gestern .. ich find das wirklich schlimm.Was kann man nur tun damit das aufhört ?!

    von Anonymous am 10.4.2010 15:46
  • ich finde das krank, durch aufklärung könnten sicher viele albinomorde verhindert werden. Menschenrechtserhaltung sollte in der politik in tansania eine größere Rolle spielen.

    von Anonymous am 15.8.2010 22:57
  • Ich finde das auch grauenvoll.Warum tut die Regierung nichts gegen diese bösen Menschen-Töter

    von Anonymous am 27.8.2010 14:13
  • das ist ja blärter.

    von Anonymous am 5.11.2010 13:53
  • gibt es denn keine Spende-aktionen die helfen könnten ??? wenn diese Leute doch noch nicht mal eine hohe Lebenserwartung haben, können sie die Mörder nicht einfach ihr kurzes Leben überhaupt leben lassen ??? Das ist so unmenschlich und grausam !!!

    von Lady 123 am 10.12.2011 17:06
  • ich finde das sehr schlimm. in europa werden schwarze diskriminiert in afrika weisse..... unglaublich !!!!! Kan es nicht fasen

    von ANONYM am 28.1.2012 19:38

Kommentar schreiben

abschicken

suche

go

kinki newsletter

Willst du immer auf dem Laufenden bleiben? Dann melde dich hier beim kinki Newsletter an.

go

kinki magazine abonnieren

Hach, wir sind ja so unheimlich generös: Ihr bestellt ein Abo und wir beschenken euch dafür. Viel Spass und willkommen im kinki Kosmos!

Präsent wählen

werbung