Die neuen Piraten: Gefahr auf den Weltmeeren
Es war vor mehr als 2000 Jahren: Zu jener Zeit hatten die damals grossen Weltmächte genug. Mit zig Soldaten und einer mächtigen Flotte von über 500 Schlacht-Schiffen rückten die Römer unter der Führung des Gnaeus Pompeius gegen die Piraten im Mittelmeer vor, die es vor allem auf das Getreide des römischen Imperiums abgesehen hatten, und rangen diese in einem zähen Kampf nieder. Danach versteckten sich die Räuber der See auf Kreta und in Kilikien, dort wo es keine Staatsmacht mehr gab. Nach einigen Monaten waren die wichtigen See-Handelsrouten wieder frei und sicher. Der Feldzug des Gnaeus gilt auch heute noch als der erfolgreichste Schlag gegen Piraten in so kurzer Zeit.
Zwei Jahrtausende später scheint, als könnte die Piraterie nun ein Revival feiern. Zwar nicht im Mittelmeer, sondern vor der Küste Nigerias, im Indischen Ozean und in der Karibik. Dort hat sich die Seeräuberei innerhalb kurzer Zeit zu einem lukrativen Geschäft entwickelt, das mehr und mehr boomt. Allein im vergangene Jahr wurden 263 Angriffe gegen Handelsschiffe gemeldet. 64 Seeleute wurden dabei verletzt, 292 als Geiseln genommen. Unter den attackierten Schiffen war auch ein ukrainischer Frachter mit drei Dutzend Panzern an Bord. Die spektakulärste Beute aber haben somalische Seeräuber vor kurzer Zeit erräubert: Den Super-Tanker "Sirius Star" aus Saudi-Arabien. Ein Gigant von 330 Metern Länge, beladen mit zwei Millionen Barrel Rohöl mit einem Wert von rund 100 Millionen Dollar. Der Frachter hatte sich aus gegebenem Anlass für eine spezielle Route entschieden, da die Seeräuber auf hoher See üblicherweise nicht zugeschlagen hatten – bis jetzt. Für die Piraten ist der Öltanker ein Sechser im Lotto. Noch gibt es zwar noch keine Lösegeldforderungen, aber nach Vorstellung einiger Experten sei es durchaus möglich, dass sie den wertvollen Inhalt einfach verhökern oder den Regierungen sogar damit drohen könnten, das Öl auslaufen zu lassen, um so eine Umweltkatastrophe zu verursachen – Umwelt-Erpressung bekäme dadurch ein erschreckend realistisches Gesicht.

Weil die Zahl der Angriffe und Lösegeld-Forderungen stetig zunimmt, steigen auch die Versicherungsraten: Diese schlagen die Schiffsbesitzer bei den charternden Unternehmen auf – und diese wiederum reichen ihre Kosten natürlich an die Verbraucher weiter. So haben sich die Prämien und Kosten für entsprechende "Kidnapping"-Versicherungen in den vergangenen Wochen nahezu verzehnfacht.
Mit den Lösegeldzahlungen rüsten sich die Piraten wiederum selber auf – Reinvestition mit erschreckenden Ausmassen. Während die Seebeuterei noch vor einigen Jahren von verarmten Fischern betrieben wurde, die lediglich mit Macheten und Pistolen bewaffnet waren, sind die Räuber mittlerweile auf Speed-Booten unterwegs und schrecken auch nicht davor zurück, zur Panzerfaust oder zum Raketenwerfer zu greifen, um Öltanker oder Yachten zu entern. Der Piraten-Experte Berg soll sogar schon gesagt haben, dass die Freibeuterei dabei sei, mafiöse Strukturen zu entwickeln. So soll es in Somalia mehrere Banden mit bis zu 1300 Piraten geben.

Gnaeus Pompeius kann leider nicht zu Hilfe kommen, doch der Stratege wäre heute gefragter denn je: Die Vereinten Nationen hatten Anfang Oktober zwar entschieden, der Piraterie vor Somalia den Kampf anzusagen, doch die Entsendung von mehreren Kriegsschiffen hat bis dato keine Erfolge gezeigt – auch wenn kürzlich ein indisches Kampfboot ein Piratenschiff versenkt hat. Jedoch sollen noch im Dezember fünf Schiffe aus der EU für einen Einsatz am Horn von Afrika aufgestellt werden. Doch ob der Kampf gegen die Piraten erfolgreich sein wird, wird sich erst noch zeigen müssen, denn wenn die Piraten tatsächlich mafiöse Strukturen angenommen haben sollten, weiss man ja bereits, wie hartnäckig ein solcher Kampf werden könnte.
Text: Florian Hennefarth

Kommentare (1)
Ein weiterer Artikel, der nicht im geringsten auf die Hintergründe eingeht. Bitte mehr oberflächliche Informationen.
von Anonymous am 26.12.2008 20:38