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Die Band, die ihre Pimmel doch nicht gezeigt hat

Am 23.1.2012 1 Kommentare
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Die Band Kraftklub aus Chemnitz macht hierzulande aus ganz verschiedenen Gründen von sich Reden. Sei es die Androhung von Nacktoffensiven oder das showträchtige Boyband-Outfit: man ringt nach Worten, versucht man den Stil der fünf Jungs zu beschreiben.

Deutsche Härte trifft auf tanzbare Gitarrenmusik? Ja, vielleicht. Der Band ist's eh Wurst, wie uns Sänger Felix im vor-ekstatischen Kaffeeklatsch beim Tourstop in Basel erklärte. Warum Berlin scheisse ist – zumindest teilweise – und dass ein Outfit manchmal auch aus einer Schicht Farbe bestehen kann – der kühne Frontmann stand Rede und Antwort.

kinki magazin: Kraftklub – Warum sucht man sich einen so urdeutschen Namen aus?
Felix: Wir haben uns viele verschiedene Geschichten dazu ausgedacht und keine davon ist wahr. Am Ende klingt's einfach cool und jeder kann sich's sofort merken. Und es suggeriert bestimmte Dinge. Die Einen denken, wir spielen Industrial, andere glauben, dass wir Nazis sind und eigentlich machen wir was ganz anderes. Sowas ist lustig. Wir mögen es, wenn einen etwas in die Irre führt.

Das mit euren Klamotten geht ja in eine ähnliche Richtung. Tretet ihr immer noch im College-Jacken-Einheitslook auf?
Das mit den Jacken ist grad bisschen blöd, weil die momentan so in sind. Ich meine, bei H&M gibt's jetzt College-Jacken. Aber wir haben ja noch die schmalen roten Hosenträger. Und Polo-technisch haben uns jetzt übrigens auch von Fred Perry verabschiedet und unsere eigenen gemacht.

Das ist ja auch etwas heikel mit den Fred Perry-Shirts...
Ja, stimmt. Bei uns in Chemnitz haben wir die Sachen schon getragen als es noch Nazi-Klamotte war – wie auch Londsdale und so. Die Idee war ja, dass man den Nazis die Kleider wegnimmt. Diese Skinhead-Mode ist ja eigentlich voll schick. Aber man dachte ja immer, dass die Nazis das für sich gepachtet haben. Warum eigentlich?

Sehr clever. Dann macht ihr das ja wirklich sehr bewusst.
Ja, schon. Ausserdem brauchten wir irgendwas für die Band. Und das Billigste, was wir finden konnten, waren diese Jacken. Es ging aber nie darum, dass es College-Jacken sein müssen. Wir fanden's nur immer unheimlich langweilig, dass die Bands, die wir uns ansahen, sich in zerrissenen Jeans und Lederjacken auf die Bühne stellten – à la: "Ich seh genauso aus wie ihr im Publikum". Irgendwie eine komische Attitüde, so "un-Show-mässig". Und wir wollten, dass sich ein "Bamm-Effekt" einstellt, wenn wir die Bühne betreten: Das ist die Band, die sieht so aus und die Show kann losgehen.

Und was ist mit eurem Nackt-Vorhaben? Ich hab euch öfter mal sagen hören, ihr wollt nackt auftreten.
Sind wir ja bereits. Das habt ihr ja gar nicht mitbekommen! Ich hab mich nämlich gestern mit Schweizern unterhalten, die sahen's nicht (Anm.d.Red.: Die Rede ist vom Bundesvision Song Contest). Aber Pro7 habt ihr doch auch?

Ja. Ich hab’s mir angesehen. Das mit dem Bodypainting, oder?
Genau.

Das ist aber nicht nackt.
Ja, das war nicht richtig nackt… Wir hatten immer eine grosse Klappe, dass wenn wir da auftreten würden, dann nackig. Als wir tatsächlich angefragt wurden, mussten wir’s halt irgendwie durchziehen. Wir waren echt verzweifelt – bis wir eine Motorsport-Zeitung in die Finger bekamen, wo superteure Autos gezeigt werden und Frauen sich auf Motorhauben räkeln. Zwei davon hatten ein Bodypainting auf. Das wollen wir auch haben – als Jungs! Das hat uns wahrscheinlich davor bewahrt, für immer die Band zu bleiben, die ihre Pimmel gezeigt hat.

Okay, zurück zur Musik: Euer Stil wird ja öfter als eine Mischung aus Indie, Rock und Rap beschrieben. Wie findest du das richtig so?
Ich finde das okay. Ich finde generell okay, wenn Leute Sachen über uns schreiben und sich irgendwas ausdenken. Natürlich muss ich’s nicht auch so sehen, aber mir ist`s echt egal. Ich find’s lustig, wenn immer völlig andere Sachen geschrieben werden – wie wir klingen, von wem wir klauen… Dass niemand das Gleiche schreibt, zeigt mir, dass die Leute sich nicht einigen können, was wir tun.

 

 

Text und Interview: Melanie Biedermann

 

Tags: kraftklub, musik, musikinterview

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