Der ungekrönte König

James Ari King - "Fish Man"
James Ari King, ein Name, der doch unvermeidlich Assoziationen zu einem englischen oder schottischen Adelsgeschlecht heraufbeschwört, mir persönlich zumindest eine Seifenblase über den Kopf zaubert mit einem Prinzen in Ritterrüstung darin, gekommen die Prinzessin und das ganze Land zu retten.
Der junge Künstler ist jedoch keineswegs im Mittelalter oder
irgendwelchen Rittergeschichten daheim, sondern bereichert
die heutige Welt mit seinen Illustrationen und der raffinierten
Mischung aus Fotografie, Film, Musik und Kunst.
Genau dies scheint seine grösste Begabung zu sein: unkonventionell,
einfach und doch mit einer grossen Wirkung die verschiedenen
Bereiche zu lieben und diese auch künstlerisch – entweder in
Kombination oder separat – in Welten umzusetzen, die dem Betrachter
gut zugänglich und verständlich sind.
Mit dieser Mischung spricht der junge und talentierte Künstler eine
breite Masse an und wird auch sicher zukünftig noch in vieler Hinsicht
ein Spektrum an Farben, Geschichten und Statements in seinen
Werken verarbeiten, von denen man sich immer wieder
überraschen lassen kann.
Im Interview mit kinki sprach der unentwegte Weltenreisende über seine Ursprünge, über morbide Arbeiten und die Zukunft.
Interview mit James Ari King:

James Ari King - "Eye of Prinzhorn"
Ist James Ari King dein bürgerlicher Name oder ein Künstlername? Vielleicht sogar beeinflusst von König James von England?
James Ari King ist mein bürgerlicher
Name. Mein Vater kommt aus
England und meine Mutter aus Finnland.
Zur Zeit meiner Geburt fuhr der finnische
Rallye-Fahrer Ari Vatanen auf einer
Strecke in der Nähe meines Geburtsortes
einen Wettbewerb und so wurde mir der
Name zu seinen Ehren gegeben.
Du verbrachtest vier Jahre deines Lebens in Hong Kong. Hat diese Zeit dein Schaffen geprägt?
Ich bin ein sehr visueller Mensch, der seine
Umgebung buchstäblich mit den Augen
aufsaugt und die Informationen erst
nachträglich im Hirn weiterverarbeitet.
Für mich bedeutet jeder Ortswechsel eine
gute Abwechslung, die als Ansporn für neue Ideen dient und sich immer sehr erfrischend anfühlt. Wenn ich mein ganzes Leben in Grossbritannien geblieben wäre, liefe es heute wohl ganz anders ab. Hong Kong ist für mich ein visuell stimulierender Ort.
Wie würdest zu deinen Stil bezeichnen? Was für eine Aussage steht hinter deinen Arbeiten?
Mein Stil zu zeichnen oder zu illustrieren ändert sich immer wieder und ich
liebe es locker, automatisch und ohne Vorurteile zu zeichnen. Ich
probiere immer wieder Verschiedenes und experimentiere sehr viel.
Ausserdem versuche ich mit dem Hintergedanken zu arbeiten, dass
nie jemand meine Arbeiten sehen wird, da ich dadurch meist glücklicher
mit dem Output bin als sonst. Wenn ich an einem Auftrag arbeite, ist
es natürlich mein Ziel, dass mein Konzept und der Schaffensprozess das
Output definieren.
Bei meinen eigenen Arbeiten habe ich hingegen oft keine Ahnung, wo die
Kreativität mich hinführen wird, doch das behindert den Erfolg
und das Gelingen eines Werks nicht im Geringsten. Es ist dabei meine
Leidenschaft, surreale und alltägliche Aspekte des Menschen und seines
Umfelds zu erkunden.
Deine Art zu illustrieren ändert sich, wie du gesagt hast, ja ziemlich oft, manche Phasen scheinen anderen gar zu widersprechen. So sind einige Arbeiten zum Beispiel fröhlich und farbig, andere dagegen geradezu düster und morbide. Teilweise tragen sie auch den Charakter eines "Horrorhauses". Was für ein Statement steckt dahinter?
Mein Leben kann manchmal sehr farbenfroh und glücklich sein, teilweise aber auch ziemlich düster und morbide, ein Umstand, der sich meines Erachtens auch in einigen meiner Arbeiten widerspiegelt.
Du scheinst Abwechslung zu lieben. Wenn du dich zwischen Fotografie, Illustration und Film entscheiden müsstest, was wäre deine Präferenz? Und warum?
Die meiste Erfahrung habe ich im Illustrieren, aber ich würde sehr gerne
Fotografie, Film und Musik tiefer erkunden. Das Fotografieren habe
ich schon immer geliebt, schon lange vor den Illustrationen und hoffe
in Zukunft mehr damit arbeiten zu können.
Es scheint etwas Magisches an sich zu haben und daher bedaure ich
auch, es nicht zu studieren. Film liebe ich als kreatives Mittel und
Medium und hoffe für die Zukunft mit mehreren Menschen aus diesen
Sparten zu kollaborieren.
Welche Ziele möchtest du im Leben noch erreichen?
Vor allem will ich glücklich sein. Ich will mich als Künstler entfalten und
wünsche mir überhaupt Zeit zu haben, um Kunst erschaffen zu
können. Ich möchte in eine neue Stadt ziehen, ein grosses Areal
mieten, fleissig Dinge kreieren und an neuen grossen Projekten arbeiten.
Mit ähnlich gesinnten Menschen würde ich gerne Musik machen und für
meine Arbeit um die ganze Welt reisen. Vor allem aber will ich
meine Freunde und Familie glücklich machen.
Text und Interview: Katja Alissa Müller
Mehr von James Ari King gibt's auf seiner Website.

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