Der performende Kurator
Kunstinstitutionen, Kuratoren, künstlerische Performances, Bilder, Skulpturen, Klänge, Filme und, und, und. All diese Formen und Funktionen haben Einfluss auf den Kunstbegriff. Mit vielen davon beschäftigt sich auch der junge in Stuttgart und Basel lebende Künstler Manuel Scheiwiller und ist dabei nur schwer einzuordnen. Ein Portrait. Text: Antonio Haefeli
"Eigentlich schon immer. Wobei 2003 die Idee kam, dass Kunst zu machen schöner ist, als auf der Baustelle zu arbeiten.“ (Manuel Scheiwiller)
Eine legitime Begründung Kunst machen zu wollen. Vor fast zehn Jahren interessierte sich Manuel Scheiwiller jedoch primär für Bewegungen, und für das, was sie beim Betrachter auslösen. Er tanzte. Breakdance, Akrobatik. Aber schon bald wollte er weitergehen, Bewegung als Ausdrucksform, Theater, Ballett. Einige Zeit verbrachte er in den Niederlanden, um an der Rotterdamer Dance Academy zu tanzen und später an der Amsterdamer Theater School zu studieren. Er bewegte sich immer weiter weg vom reinen Tanz, hin zu Performance und zeitgenössischer Kunst. Bevor er sich aber an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste bei Christian Jankowski und Rainer Ganahl einschrieb, wo er zur Zeit noch studiert, absolvierte er einige Kurse in Jerusalem an der Visual Theater School. Auf Tanz folgte Kunst.

Schon während seinem Tanz- und Theater-Studium hatte er einige Kunst-Projekte realisiert. Darunter auch Skulpturen und Videokunst. Gemeinsam mit Daniel Almgren Récen rief er zudem die Plattform für Performancekunst „Gross und Stark“ ins Leben, die bereits Veranstaltungen in Göteborg, Amsterdam and New York realisiert hatte. Mittlerweilen ist diese Plattform jedoch am auseinander brechen und macht somit Platz für andere Projekte. Im April dieses Jahres startete der "Raum zur Kunst" in Basel sein Programm, wo neben Ausstellungen auch Podiumsdiskussionen und Lesungen zum Thema Kunst stattfinden.

So bleibt Manuel Scheiwiller auch in seiner Heimatstadt immer aktiv. Auf Einladung der Basler Kunsträume "Showroom" und "Newjerseyy" führte er 2009 im Kunsthaus Basel die mehrstündige Nackt-Performance "The night of the wild canibals" auf. Mit dieser Aktion errang er grosses Aufsehen und schaffte eine spannende Verbindung zwischen Betrachter und Darsteller, die so wohl nur in der Performancekunst möglich ist. "Die Performance befindet sich in einer Zeitskala, welche dem Betrachter die Therme "Langeweile" und "Entertainment" schnell serviert - daraus kann man erschliessen, dass die "fortbewegende Kunstform" relativ schnell vereinnahmend sein kann, welches die Distanz erschwert", sagt der Künstler.


Kunst aus verschiedenen Perspektiven
Doch Scheiwiller ist nicht nur als Kunstschaffender aktiv. Zurzeit beschäftige er sich eher mit "theoretischen Bewegungen wie z.b. Verkaufs- und organisatorische Strategien“ in der Kunstszene. In einem Aufsatz mit dem Titel „Performing Curator – Die institutionelle Performance“, schreibt er über Dinge wie die Verlagerungen des Besucherverhaltens einer Kunstveranstaltung, dem Vor und Zurück zwischen Rezeption und Partizipation, darüber, wie man ein Programm erschafft, das eine Vielfalt an Events, Ausstellungen und Projekten zulässt, ohne das Soziale gegenüber dem Visuellen zu privilegieren und analysiert die Rolle des Kurators. Manuel Scheiwiller scheint Kunst aus verschieden Perspektiven zu betrachten und seine Schlüsse daraus zu ziehen. Er schreckt nicht davor zurück, innerhalb des Kunstbegriffs verschiedene Rollen einzunehmen und seine Umwelt in der Kunstszene immer wieder zu reflektieren, mit Grenzen zu spielen, zu provozieren und zu kritisieren. Mit Kritik an seinen eigenen Arbeiten kann er anscheinend genau so gut umgehen: „Meine Arbeiten entstehen durch Kritik und werden stets von Selbstkritik begleitet, was mir negatives Reden über meine eigene Arbeit ermöglicht.“
Bestimmt wird es also noch so einiges von Manuel Scheiwiller zu sehen und zu erleben geben. Als wir ihn nach der Zukunft fragten, wurde klar, dass der Mann vor Ideen nur so strotzt: "Ich dachte heute gerade darüber nach, dass es interessant wäre, eine zentral-europäische Kunst-Kolonie in Indien, Kongo und im Amazonasgebiet anzusiedeln. Mit Schule, Museum, einer Residenz und einem Förderverein.“ Kunst kann eben alles, das ist ja das Schöne daran.
Dieses Video benötig einen aktuellen Flashplayer um es anzusehen.
Flashplayer installieren

Kommentare (2)
OH MY GOD!!! Hilfe!!
von wtf am 28.5.2010 16:01