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Basement Pop

Am 16.11.2009 2 Kommentare
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Die kanadische Band Dragonette spielt seit 2005 erfrischenden Electropop, den sie lieber im Keller zu Hause, als im grossen Studio einspielen. Dementsprechend leicht und ungezwungen hört sich auch die Musik an, die dank der Leadsängerin auch sehr feminin daherkommt.

Neben der Singer-Songwriterin Martina Sorbara spielen ihr Ehemann Dan Kurtz als Produzent und Bassist, der Gitarrist Chris Hugget und Joel Stouffer am Schlagzeuger in der Band Dragonette.

 

Singer-Songwriterin Martina Sorbara

Singer-Songwriterin Martina Sorbara.

 

kinki magazine hat sich in einem Telefoninterview mit Martina unterhalten und sie zu Basement Pop, Independent Musik und zur kommenden Tour befragt. Hier könnt ihr das Interview in voller Länge lesen, den Artikel mit zusätzlichen Bandinformationen könnt ihr online im Magazin nachlesen.

 

 

Zur Einstimmung auf das Interview ein Videoclip von Dragonette mit dem Titel "Pick Up The Phone".

 

Dieses Video benötig einen aktuellen Flashplayer um es anzusehen.

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Interview

 

kinki magazine: Ihr tourt bald durch Kanada und die USA, dann geht ihr nach Europa und nach Australien. Ist das eure längste Tour?
Sie dauert vom 2. Oktober bis Weihnachten, also drei Monate. Es ist sicher die beständigste Tour. Wir touren immer viel umher, beim letzten Album fühlte sich das so an, als würde es gar nicht mehr aufhören. Aber wir hatten vermehrt Pausen zwischendurch, also denke ich, dass dies unser längster Durchlauf wird. Nach Weihnachten kommen wir zurück nach Toronto und gehen dann noch einmal nach Australien.

Seid ihr noch immer in London sesshaft?
Wir leben noch in London, aber wir waren schon seit zwei Monaten nicht mehr dort, es fühlt sich so an, als würden wir nirgends wohnen. Vermutlich wird das noch für die nächsten acht Monate oder gar das ganze nächste Jahr so sein.

 

 

Martina Sorbara mit Ehemann Dan Kurtz
Martina mit Ehemann Dan

Ist das eine neue Erfahrung für dich?
Seit ich zwanzig bin, bin ich oft auf Tour gewesen, aber für diese Band ist es schon die ausführlichste Tour. Für mich ist es die einzige Arbeit, mit der ich wirklich vertraut bin, ich habe noch nie etwas anderes über eine so lange Zeit gemacht.

Welcher Teil des Musikprozesses gefällt dir am besten?
Ich weiss es nicht, alles hat seine aufregenden Seiten. Musik zu schreiben ist grösstenteils sehr schwierig, bevor man einen Song perfekt hinkriegt, ist man oft enttäuscht, zwischendurch muss man wirklich kämpfen, bis man endlich zufrieden ist mit dem, was man geschrieben hat.

Dafür ist das dann ein fantastisches Gefühl. Dasselbe gilt fürs Touren, das Tourleben ist sehr profan, man fährt ständig umher und isst schlechtes Essen, dieser Teil wird dann von dem sensationellen Gefühl einer gelungenen Live-Show wieder ausgeglichen.

 

Gewisse Aspekte des Albumschreibens und der Promotion können sehr monoton sein, sodass man sie nach einer Weile satt hat und sich wieder nach dem anderen Teil des Musikprozesses sehnt: zum Beispiel wünscht man sich auf Tour, endlich wieder ins Studio zu gehen etc. Man hat einfach seine Hochs und Tiefs. Ich toure wirklich gerne, es ist sehr hart, aber es macht Spass, man verwandelt sich einfach in ein Tier.

Besonders wenn man als Gruppe reist?
Ja, vor allem mit einem Packen dreckiger, stinkiger Jungs (lacht). Wir werden einfach alle zu ekligen Tieren.


Wie viele Personen reisen mit?

Nur ich und sieben Jungs. Fuuuuun (ironisch).

Seit wann kannst du von deiner Musik leben?
Ich denke, dass das letzte Album sehr gut für uns lief. Unsere Songs wurden auf der ganzen Welt gespielt, obwohl wir sie nicht mal veröffentlicht haben, für Bands wie uns bedeutet das aber, dass alle die Songs gratis downloaden, womit wir nicht wirklich Geld machen.

 

Auch das Touren ist ziemlich kostenintensiv, damit verdienen wir nicht wirklich. Wir verdienen mit Videos und Bewilligungen. Wir können uns gerade so über Wasser halten, sodass wir weitermachen können. Ich habe nie etwas anderes als Musik gemacht, seit ich 16 Jahre alt bin, bin ich Solokünstlerin, nebenbei habe ich auch mal in einer Bar gearbeitet.

 

Ich hatte das Glück, dass mich meine Familie immer sehr unterstützt hat. Ausserdem hat mein Cousin eine Produktionsfirma, wo kommerzielle Auftragsongs produziert werden, also war ich manchmal die Stimme für ein McDonalds-Spot oder so. So habe ich etwas Geld dazu verdient.

 

 

Joel Stouffer, Chris Hugget, Martina Sorbara und Dan Kurtz

Joel Stouffer, Chris Hugget, Martina Sorbara und Dan Kurtz.


Hat sich deine Herangehensweise an die Musik über die Jahre verändert?
Ja, sehr. Als ich Dan – meinen Ehemann – getroffen habe, hat sich das sehr verändert. Früher war ich Solokünstlerin und habe einfach alleine mit meiner Gitarre Songs geschrieben. Am Schluss war ich ziemlich gelangweilt von dem, was ich hervorbrachte. Ich habe immer von denselben Ideen geschaufelt.

Als ich Dan kennengelernt habe, war er in einer Live-Dance-Band, sie machten Dance-Musik, die vollständig live – und nicht elektronisch – gespielt wurde. Wir begannen zu zweit Lieder zu schreiben, das war komplett anders. Mit ihm zu arbeiten, hat alles verändert. Ich schreibe immer noch Geschichten und Folklieder, aber sie entstehen heute aus einem anderen Blickwinkel. Gemeinsam Songs zu schreiben, bringt einen dazu, Dinge auszuprobieren, auf die man alleine gar nicht erst kommen würde.

 

Dasselbe gilt auch für Dan, der durch mich Musik produziert, die er alleine niemals machen würde.

Worüber singst du gerne, was sind deine bevorzugten Themen?
Ich singe gerne über Dinge, die wirklich geschehen. Ich finde es sehr schwierig, einen Song zu kreieren, wenn die Emotionen nicht echt sind. Deshalb schreibe ich über Liebe, über Essen… ich weiss es nicht. Du gibst einem Gefühl einen ganz anderen Farbsatz, du suchst komplett andere Wörter anstelle der gewöhnlichen Formulierungen.

 

Die Herausforderung ist, etwas zu sagen, was den Leuten bekannt ist, es aber so in Worte zu fassen, wie sie es noch nie gehört haben. Ich selbst höre gerne Lyrics, in denen etwas auf eine sehr freche, lustige oder elegante Weise gesagt wird. Die Geschichte an sich muss nicht ausserordentlich oder verrückt sein.

 

Martina Sorbara
Martina Sorbara

Du lässt dich also vom Leben und von dem, was um dich herum geschieht, inspirieren: sind deine Songs sehr persönlich?
Ja, das sind sie. Dieses Album ist noch viel persönlicher als das letzte.

Hast du eine bestimmte Mitteilung oder ein Ziel?

Ich hatte niemals eine Message im Sinn einer universalen Mitteilung oder so. Ich bin nicht wirklich politisch. Obwohl mich Politik interessiert, wüsste ich nicht, wie ich das in meine Musik aufnehmen sollte.

 

Jedoch möchte ich durch mein Auftreten etwas vermitteln: Ich versuche etwas anderes darzustellen als das typische Frauenbild, die Superfrau mit den blonden langen Haaren und den grossen Brüsten. Mädchen denken zum Beispiel, sie müssten immer total rasiert sein und immer sexy wirken etc., ich möchte zeigen, dass es auch ganz andere Wege gibt, feminin zu sein. Ich möchte dieses Bild aufbrechen, welches die Medien und die Werbung vermittelt und andere Seiten aufzeigen.

 

Ich denke, die Vorstellungen, wie eine glamouröse Frau auszusehen hat, sind sehr eingeschränkt. Ich bin selbst gerne glamourös, ich ziehe mich auch gerne gut an, jedoch finde ich den „Naked look“ – also Natürlichkeit – die andere Alternative zu Paris Hilton und Shakira.

Ist das auch eine Anklage an die Welt der Mode und der Werbung?
Ja, schon.

Andererseits hast du ein Video mit Jean Paul Gaultier gemacht?

Ja, darin durfte ich auch viele Kleider von Jean Paul Gaultier tragen, das war fantastisch. Natürlich liebe ich Mode und mag es, mich schön anzuziehen. Es war eine Ehre, Teil dieses Videos zu sein und es hat enorm Spass gemacht.

 

Ich weiss nicht, ich möchte den Leuten irgendwie diese andere Seite aufzeigen. Zum Beispiel, dass es sehr viel mehr gibt als das, was wir im In Touch oder im Hello Magazine (Anm. d. R.: alles Klatschblätter aus Hollywood) zu sehen kriegen, das ist eine andere Realität, an der sich Mädchen nicht messen lassen sollten.

Wie ist es eigentlich zur Kollaboration mit Martin Solveig und dem Video mit Jean Paul Gaultier gekommen?
Ich habe Martin Solveig in Australien auf dem Nachhauseweg von einem Festival kennengelernt. Wir haben uns einfach unterhalten und ein paar Monate später hat er sich gemeldet, weil er eine Sängerin suchte, um diesen Song mit ihm zu singen. Ich habe mich sehr gefreut, als er mich gefragt hat.

 

Singer-Songwriterin Martina Sorbara

Singer-Songwriterin Martina Sorbara.


Hat euch dieser Song dazu verholfen, in Frankreich bekannter zu werden?

Keine Ahnung. Ich weiss nicht, ob wir in Frankreich überhaupt bekannt sind. Das Video wurde oft gespielt, also hoffe ich es. Wenn wir nach Frankreich gehen, werden wir sehen, wie viele Leute zu unserer Show kommen.

Hast du das Gefühl, dass ihr an einem Drehpunkt eurer Karriere steht?
Wir waren eigentlich immer sehr underground, ich glaube, dass wir das noch immer sind. Wenn wir auf Tour sind, werden wir sehen, wie sich das entwickelt hat.

Du hast mit Dan einen Song für Cindy Lauper geschrieben, wie kam es dazu?
Ich habe keine Ahnung, wie es dazu kam. Cindy Lauper war auf der Suche nach einem aufstrebenden Künstler für ihr Album. Ich vermute, dass ihr Manager uns vorgeschlagen hat, und es hat geklappt, ich fühlte mich sehr geehrt.

Wirst du weiterhin Songs für andere schreiben?
Vielleicht. Ich finde es etwas schwierig, da ich mich nicht wirklich in eine andere Person hineinversetzen kann, insbesondere, weil ich immer sehr persönliche Songs schreibe. Deshalb habe ich mich auch wahnsinnig davor gefürchtet, den Song für Cindy Lauper zu schreiben, ich hätte es aus Angst beinahe sein lassen.

 

Singer-Songwriterin Martina Sorbara

Singer-Songwriterin Martina Sorbara

 

 

Ihr habt vor ein paar Jahren bei einem Major Label unterschrieben, hat das etwas verändert?
Es ist ein Major Label in Kanada, überall sonst sind wir bei Independent Labels. Es hat nichts verändert, die haben eigentlich gar nichts für uns gemacht…


Ihr habt auffallend schöne Videos: spielen Musikvideos eine wichtige Rolle für Dragonette?

Ja, für uns ist es wichtig, in den ganzen Videoprozess miteinbezogen zu werden, und nicht einfach jemanden zu haben, der für uns ein Video macht. Ich meine, wir arbeiten so lange an einem Song, damit er perfekt wird, dann ist es auch wichtig, dass die richtigen Visuals dazukommen. Aber ehrlich, wer spielt überhaupt noch Videos? Da alles über das Internet geht, haben wir bei den Videos mehr Freiheiten.

 

Martina Sorbara
Martina Sorbara

Hat euch das Internet viel geholfen?
Es hat uns wohl ermöglicht, überall auf der Welt spielen zu können. Zum Beispiel sind wir durch Amerika getourt, obwohl unser Album dort gar nicht veröffentlicht wurde. Würde das Internet nicht existieren, hätte niemand unsere Musik entdeckt. Ich denke, dass es anders wäre, ich weiss nicht, ob besser oder schlechter, einfach verschieden.

 

Wie würdest du eure Musik beschreiben?
Ich beschriebe sie gerne als Basement Pop: das ist hausgemachte Popmusik, die du in deinem Keller produzierst, anstatt in einem Studio mit 45 Leuten, die alle ihren Senf dazugeben.

Nehmt ihr eure Songs noch immer so auf?
Nicht mehr im Keller, aber noch immer in unserem Haus.

Ihr seid eine gemischte Gruppe, was haltet ihr davon, wenn Leute eure Musik als weiblich bezeichnen?
Ich weiss es nicht. Ich bin nun mal sehr feminin und die Leadstimme von Dragonette. Aber ich denke, es ist offensichtlich, dass wir nicht wie Britney Spears klingen.

 

Wenn man uns nur ein bisschen zuhört, kann man sagen, dass wir aus einer anderen Sparte stammen. Unsere Musik ist tough, ich denke, deshalb ist es auch für die Jungs okay, wenn sie etwas weiblich klingt.

Text und Interview: Florence Ritter

 

Mehr über die Band erfahrt ihr auf der Website von Dragonette.


Tags: magazin nr 19, dragonette

Kommentare (2)

  • Die Dame hat ganz schön Power!

    von annick am 24.11.2009 11:31

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