Animierte Welten
Die Arbeiten von Kevin Blanc als Art Director des Schweizer Fernsehens sind uns allen bestens bekannt. Trotzdem fristet Motion Design in der Schweiz noch immer ein Nischendasein. Ein Zustand, den Kevin Blanc in seiner Funktion als neuer Programmver- antwortlicher des onedotzero_ch ändern möchte.

kinki magazine: Kevin, du bist der neue Programmverantwortliche des onedotzero_ch. Worin bestehen deine Aufgaben?
Kevin Blanc: Das onedotzero ist ein Motion Design Festival. Die Hauptveranstaltung findet in London statt, es gibt aber auf der ganzen Welt Ableger, die einen lokalen Wettbewerb veranstalten, so auch in der Schweiz. Eine meiner wichtigsten Aufgaben besteht darin, die Jury zusammenzustellen. Dieses Jahr besteht sie aus Marc Haas, Michael Hinderling, Boris Blank von Yello und Jo Shallow vom onedotzero London. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit dieser Jury, es ist ein spannender Mix. Wichtig ist, dass die Juryentscheide durch gute Diskussionen zustande kommen und nicht durch Abstimmungen, in denen die Mehrheitsmeinung siegt. Ich selbst habe keine aktive Rolle in der Jury, sondern führe sie nur durch den Jurierungsprozess.
Was muss denn ein Motion Design Clip vorweisen können, um vor dieser Jury zu bestehen?
Ich finde es spannend wenn Technik und Idee gut kombiniert werden und durch das etwas Inspirierendes entsteht. Das Spektrum ist sehr breit. Primär suchen wir animierte Filme, es kann jedoch auch eine spannende Kombination aus Live Action und Animation, Stop-Motion oder eine Fotomontage sein. Einen klassischen Live Action-Film suchen wir jedoch nicht. Diese Offenheit zeichnet das onedotzero aus. Die Jury, als auch die Besucher am Abend im Razzia, können sich auf neue visuelle Inspirationen freuen. Ohne, dass es zu viele definierte Attribute erfüllen muss.
2006 hast du selbst einen Beitrag eingereicht und die Entwicklung des onedotzero_ch auch mitverfolgt. Hat sich die Schweizer Motion Design-Szene seither weiterentwickelt?
Manchmal denke ich, dass seit 2006 nicht so viel passiert ist. Alles entwickelt sich relativ langsam. Die Werbung arbeitet nach wie vor wenig mit Motion Design, es fehlt das Netzwerk, um den Motion Designer von Anfang an mit im Boot zu haben und gemeinsam Ideen zu entwickeln. Andererseits ist auf der kommerziellen Seite im Bereich Fernsehen sehr viel geschehen. Das SF hat mittlerweile sehr schöne Titelsequenzen und Opener, die aus dem Bereich Motion Design stammen. Doch ich habe nicht das Gefühl, die Welt sei in den letzten vier Jahren auf den Kopf gestellt worden. Ich würde sehr gerne im Laufe der nächsten Jahre mit ein paar Leuten versuchen die Werbeszene anzugehen, um herauszufinden, was die Möglichkeiten der Zusammenarbeit sind.
Gibt es so etwas wie typisch schweizerisches Design auf Filmebene?
Schwer zu sagen, für mich persönlich schon. Mir sind die Schweizerischen Aspekte welche wir aus Design und Typographie kennen, auch im Motion Design wichtig. Beim Schweizer Fernsehen haben wir darauf geachtet, dass die Sendungen und ihr Design der ganzen Marke gerecht werden, das hatte gewisse gestalterische Konsequenzen. So haben wir zum Beispiel viel mit Realbildern gearbeitet, etwa bei der Titelsequenz von Meteo. Es gibt tatsächlich gewisse Schweizer Attribute, die eine wichtige Rolle spielen. So muss das Design eine Funktion erfüllen, es muss die Geschichte der Sendung aufnehmen, den Zuschauer an die Marke heranführen. Für mich persönlich wäre es ein Ziel, das, was die Schweiz im Bereich Design und Typographie kann, ins bewegte Bild zu übertragen, einen Wiedererkennungswert zu schaffen und damit aus der Schweiz heraus international erfolgreich zu sein. Ein Weg dahin ist es, den Schweizer Aspekt zu prägen, die Attribute Funktionalität, schlichte Klarheit und Reduktion auf die Essenz – eben das, was man von der Typographie her kennt – ins Motion Design zu übertragen.
Worauf freust du dich beim diesjährigen onedotzero_ch am meisten?
Was mir bisher an diesem Anlass gefehlt hat, ist der Networking-Aspekt. Ich denke es ist eine gute Möglichkeit, um mit Leuten anderer Studios oder Leuten aus der Werbebranche in Kontakt zu treten. Ich bin gerade dabei, verschiedene Leute diesbezüglich anzugehen. Wenn es uns gelingt eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Leute sich nach dem Film animiert fühlen, mit jemandem Kontakt aufzunehmen, den man noch nicht kannte, dann bin ich zufrieden.
Du hast letztes Jahr den Film "Touch Yello" zum gleichnamigen Album von Yello realisiert. Wie ist es dazu gekommen?
Text & Interview: Martina Messerli
Gallery: Stills aus dem Film "Touch Yello", Kevin Blanc (2009)

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