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Ambitious

Am 19.4.2010 1 Kommentare
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Wie viele Bands mag es wohl da draussen geben? Eine halbe Million? Oder vielleicht sogar mehr? Da ich diesbezüglich auf keine verlässlichen Studien gestossen bin, kann ich nur mutmassen, dass alleine in Skandinavien ein Grossteil davon sein Unwesen treibt.

 

Donkeyboy
Donkeyboy

Beispielsweise die fünfköpfige Band Donkeyboy aus Norwegen, die mit ihren in Falsettstimme gesungenen Eighties-Hymnen in ihrem Heimatland bereits Starstatus erreicht haben und diesen gerne auch auf den südlicheren Teil Europas ausweiten möchten.

Mit ihrer aktuellen Scheibe "Caught in a Life" und ihrer Hitsingle "Ambitions" im Gepäck befinden sich die fünf bunt gekleideten Herren mit den windschiefen Frisuren aus diesem Grund auf einer PR-Tour, gondeln von Radiostation zu Zeitungsredaktion, um Mitteleuropa von ihrem poppigen Sound zu überzeugen, der zuweilen an die Musik ihrer Landsmänner und Idole A-HA erinnert.

Da ihr Terminplan derart straff zu sein scheint, entscheide ich mich, den Musikern – sozusagen als erstes Schweizer Groupie - am Flughafen aufzulauern und sie für ein kurzes Stück auf ihrer Busfahrt zu begleiten.

Die Geschwister Cato und Kent wirken nach ihrer Ankunft verschlafen, im Vergleich zu seinem schweigsamen Bruder empfangen mich Keyboarder Cato und Gitarrist Peter allerdings gut gelaunt und äusserst gesprächig. "Wusstest du, dass die Schweiz das Land mit der zweitbesten Lebensqualität ist?", fragt Cato verschmitzt. "Gleich nach Norwegen."

 

 

Interview


kinki magazine: In Norwegen wart ihr für mehr als 40 Wochen in den Charts, seid nominiert für einen Grammy…
Peter: … eigentlich sind es 5 Grammys, für die wir nominiert sind.

Oh, das wusste ich nicht, tut mir leid. Seid ihr schon nervös?
Cato: Ja, irgendwie schon.

Wer von euch fünf darf die Figürchen denn dann mit nach Hause nehmen?
Cato: Das haben wir noch nicht ausgehandelt. Hoffentlich reicht es, dass jeder einen nach Hause nehmen kann (lacht).

Ihr seid richtige Rockstars dort oben! Könnt ihr überhaupt noch ohne Bodyguard eure Brötchen beim Bäcker holen?
Cato: Norwegen ist ein kleines und diskretes Land, wir brauchen keine Bodyguards (lacht).

Im Rest von Europa und ausserhalb der Europäischen Grenzen seid ihr allerdings noch weitgehend unbekannt. Wie fühlt sich das an, wenn man in seinem Land schon ein richtiger Star ist, ausserhalb der Landesgrenzen sich das Publikum aber erst noch erkämpfen muss?
Cato: Nun, in Deutschland haben die Leute sehr gut auf uns reagiert, es macht Spass, ausserhalb der Heimat mit Musik die Leute zu überzeugen.
Peter: Wir nehmen es, wie es kommt, man kann nicht erwarten, dass jeder unsere Musik gut findet, aber bisher sieht’s ganz gut aus.

Donkeyboy

Ihr wart ja mit A-HA auf Tour, die ja musikalisch irgendwie sehr nahe an euerm Sound liegen. War das ein Traum, der für euch wahr wurde?
Peter: Ja, definitiv. A-HA waren schon immer Idole für uns und ich denke, dass wir auch musikalisch gut zusammenpassten!

Werdet ihr in ihre Fussstapfen treten?
Cato: Ich denke, das kann niemand. Ausserdem ist es unglaublich schwierig, heutzutage noch so erfolgreich zu werden wie damals. Aber man kann es versuchen (lacht).

Kreischen denn die Damen immer noch genau gleich laut wie in den 80ern, wenn Morten auf die Bühne tritt?
Cato: Es ist lustig, Morten sieht immer noch genau gleich aus wie damals, aber seine Fans, all die Damen, sind sichtlich gealtert (lacht). Die Zeit scheint gnädiger mit ihm umgegangen zu sein, als mit seinen Fans.

Ihr beiden seid ja Brüder. Ist das nicht seltsam, wenn man bedenkt, dass die Groupies, die dich anhimmeln wahrscheinlich auch auf deinen Bruder stehen?
Cato: Das ist schon okay. Wir streiten uns eigentlich fast nie.
Peter: Ich spiele nun seit 5 Jahren in dieser Band und habe die beiden noch nie streiten sehen.

Kein Wettkampf zwischen euch?
Cato: Nein, weißt du ich bin ja der ältere Bruder und bin so was wie eine Vaterfigur für ihn (alle lachen schallend).

Ironie scheint eine grosse Rolle bei euch zu spielen. Liegt das vielleicht gerade daran, dass die bombastischen Klänge, die ihr fabriziert einfach nicht ohne ein Augenzwinkern auskommen?
Cato: Ja, genau. Wir beziehen uns ja oft auf die 80er, musikalisch wie auch optisch, und das war einfach eine lustige Dekade.

Warum kommen so unglaublich viele Bands aus Skandinavien?
Cato: Weil es dort oben einfach nichts anderes zu tun gibt.
Peter: Genau, man muss sich entscheiden, ob man Skifahrer oder Künstler wird.
Cato: … oder drogensüchtig.

Was sich ja mit dem Künstlerjob nicht allzu schlecht kombinieren lässt.
Cato: Ja, von dieser Sorte gibt es definitiv auch genug dort oben.


Text und Interview: Rainer Brenner

 

Tags: magazin nr 24, donkeyboy, Interview

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